Darum gehts
- In Gsteigwiler wurden 2025 über 8000 statt 3000 Bewegungen geflogen; der Bund erhielt falsche Zahlen
- Recherchen zeigen frühere Fälle; der Bund eröffnete Verfahren, die Bussen blieben dabei moderat
- CEO Schmid verneint Systematik, nennt Aufträge als Grund und verweist auf verschärfte Kontrollen
Mehr als 8000 Flugbewegungen, obwohl nur 3000 erlaubt sind: Auf dem Heliplatz Gsteigwiler bei Interlaken BE hat die Firma Swiss Helicopter die Behörden ausgetrickst. Das grösste Schweizer Helikopterunternehmen ist im Jahr 2025 deutlich öfter geflogen, als erlaubt gewesen wäre. Dies berichtete kürzlich der «Tages-Anzeiger». Die Firmenführung habe von den Tricks nichts gewusst, sagte CEO Christoph Schmid der Zeitung. Der Flugplatzleiter soll falsche Zahlen an den Bund geliefert haben.
Doch Recherchen von Blick zeigen nun: Die zu vielen Flüge in Gsteigwiler sind kein Einzelfall. Bereits früher kam es zu mehreren Verfahren des Bundes. Teils wurden über Jahre massiv zu viele Flüge durchgeführt. Die Bussen blieben aber moderat.
- In Pfaffnau LU wurden die erlaubten 800 Flugbewegungen pro Jahr zwischen 2012 und 2021 überschritten. Der Flugfeldleiter übernahm die alleinige Verantwortung. Er sagte den Behörden, er habe aus wirtschaftlichen Gründen zu viele Flüge zugelassen – «damit der Heliport jeweils nicht bereits während des laufenden Jahres geschlossen werden musste». 2019 gab es 1504 statt der erlaubten 800 Flugbewegungen. 2021 waren es gar 2158. Die Busse für den Mann: 4800 Franken. Ab 2023 erlaubte der Bund 2500 Flüge in Pfaffnau, weil die Helikopter leiser geworden sind.
- Auf dem Heliport Schattenhalb-Meiringen BE wären 900 Flugbewegungen pro Jahr erlaubt. Dies wurde 2022 um 378 Flugbewegungen überschritten. Die Busse für den Verantwortlichen: 1300 Franken.
- Sogar in Gsteigwiler bei Interlaken, wo aktuell das Verfahren wegen der 8000 Flüge läuft, gab es Ermittlungen des Bundes. Dort wurden die Flugzahlen 2017, 2018 und 2019 überschritten. In den ersten beiden Jahren nur minim, 2019 gab es 833 Flüge zu viel. Auch hier kam der Verantwortliche glimpflich davon. 1500 Franken Busse gab es.
CEO: «Das ist nicht in unserem Interesse»
Haben die zu vielen Flüge System? Nein, sagt Geschäftsführer Christoph Schmid. Die Vorfälle seien nicht vergleichbar. In Pfaffnau habe der Flugplatzleiter die zu hohen Flugzahlen kaschiert. «Swiss Helicopter hat dieses Vorgehen bei einer internen Kontrolle bemerkt und sich darauf selbst beim Bundesamt für Zivilluftfahrt angezeigt.» In Gsteigwiler und Schattenhalb habe man selbst dem Bund die zu hohen Bewegungszahlen «korrekt gemeldet». Der Grund: «In beiden Fällen hatten wir grosse Aufträge für regionale Infrastrukturprojekte bekommen und diese direkt auf den beiden Heliports abgewickelt.»
Schmid betont: Nach diesen drei Fällen sei «eine bessere interne Überwachung» eingeführt worden. «Denn es ist weder Teil unserer Geschäftspolitik noch in unserem Interesse, die geltenden Bestimmungen zu verletzen. Die Überwachung zeigt insgesamt eine gute Wirkung, auf unseren anderen 14 Basen gibt es keinerlei ähnliche Probleme.»
Wer von Wiesen fliegt, muss keine Grenze einhalten
Dass es nun trotz der Kontrollen in Gsteigwiler zu einer erneuten, massiven Überschreitung der bewilligten Flugbewegungen kam, habe deshalb intern «überrascht und sehr verärgert», so Schmid. «Nach unserem bisherigen Kenntnisstand konnte die interne Kontrolle offenbar umspielt werden.» Man kooperiere vollständig mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt und habe die internen Kontrollen verschärft.
Grundsätzlich hätte Swiss Helicopter gerne mehr Flüge in Gsteigwiler. «3000 jährliche Flugbewegungen auf dem Heliport Gsteigwiler klingen auf den ersten Blick nach einer grossen Zahl. Heruntergerechnet auf einen Tag sind das aber gerade einmal vier Flüge (Start und Landung zählen als zwei Bewegungen)», sagt Schmid. «Die Nachfrage nach Leistungen von Helikopterbetrieben ist in den Bergen markant gewachsen, aber unsere bewilligten Bewegungszahlen sind zementiert.» Vor allem Arbeits- und Transportflüge zu Berghütten, auf Alpen oder Baustellen würden durchgeführt.
Während der Heliport begrenzte Kontingente habe, seien Flüge von Wiesen ohne Beschränkungen erlaubt. «Andere Betriebe in der Region haben entweder massiv höhere Bewegungskontingente oder operieren systematisch von Aussenlandeplätzen ohne Beschränkungen», sagt Schmid. Von einem Heliport könne aber «sicherer und konzentrierter» geflogen werden.