Darum gehts
- Aktivisten störten EU-Diskussion in Dübendorf mit Zwischenrufen und Bühnenprotest
- Moderator Alfred Gantner blieb ruhig, bot Dialog an und reagierte gelassen
- Gantner nahm persönlich Stellung und führte dann die ordentliche Diskussion weiter
Eigentlich sollte es eine ruhige Diskussion werden – doch dann kam alles anders. An einem Anlass der Allianz «Kompass Europa» am Mittwochabend in Dübendorf ZH ging es um «Fakten zum EU-Vertragspaket». Die Allianz sieht das Schweizer «Erfolgsmodell» durch die Europäische Union gefährdet. Mit ihrer Kompass-Initiative soll «die dynamische Rechtsübernahme» verhindert und das «obligatorische Referendum bei völkerrechtlichen Verträgen» für Volk und Stände eingeführt werden. Verschiedene Redner präsentierten ihre Argumente – moderiert von Alfred Gantner (58), dem Mitgründer der Investmentfirma Partners Group.
Nach rund einer halben Stunde wurde dieser von einer Person aus dem Publikum unterbrochen. Daraufhin betraten mehrere linke Aktivisten die Bühne – unter lauten Buhrufen. Mit Fahnen positionierten sie sich hinter der Gesprächsrunde. Es wurde gefilmt, die Gäste auf der Bühne angeschrien. Von «Erpressung» und «Bestechung» war etwa die Rede. Das Sicherheitspersonal versuchte, die Ordnung wiederherzustellen. Gantner behielt dabei einen kühlen Kopf und ging auf die Aktivisten zu. «Wollen wir nachher zusammen reden?», fragte er. Die Veranstaltung wurde kurz unterbrochen – das Ringen auf der Bühne ging weiter.
«Fredy Gantner, warum bist du Milliardär?»
«Wir haben abgemacht, dass er eine Frage stellen darf und ich versuchen werde, diese zu beantworten», meldete sich der Moderator dann kurze Zeit später wieder zu Wort. Neben ihm einer der jungen Männer mit einer Fahne. Gantner legte eine Hand auf dessen Schulter, forderte Ruhe – und ein Mikrofon für den Mann. «Fredy Gantner, du bist Milliardär, warum bist du Milliardär?», begann er – unter lauten Buhrufen aus dem Publikum. Er könne doch «99 Prozent seines Vermögens abgeben», forderte der Aktivist weiter. Aus der vereinbarten Frage wurde ein erregter Vortrag.
Am Ende wurde der Mann vom Sicherheitspersonal von der Bühne gebracht. Er sei persönlich angegriffen worden und liefere jetzt «eine ganz persönliche Antwort», erklärte Gantner danach auf Schweizerdeutsch. Dabei sprach er über die Entwicklungsarbeit in Lusaka – der Hauptstadt Sambias –, die er zusammen mit seiner Frau bereits seit 25 Jahren unterstütze. Sie hätten 80 Prozent ihres Vermögens an Stiftungen vermacht, aber «nicht 99 Prozent». Das Publikum applaudierte.
Er sei überzeugt, dass keiner, der Milliardär geworden sei, «das wirklich verdient hat», so Gantner weiter. Die Frage sei, wie man mit dieser Verantwortung umgehen und etwas an die Gesellschaft zurückgeben könne. Daraufhin wurde die ordentliche Diskussion weitergeführt – wieder auf Hochdeutsch.