Darum gehts
- Das Luzerner Stadtparlament lehnt das 190-Millionen-Seilbahnprojekt «City Link» ab
- Kritik: Kein ÖV-Projekt, Tourismusfokus und Verlust von Gewerbeland
- Abstimmung am 28. Februar 2027 entscheidet über die Zukunft des Projekts
Per Seilbahn mitten in die Luzerner Altstadt gondeln, teils hoch über den Dächern, teils durch einen über einen Kilometer langen Tunnel. Das private 190-Millionen-Projekt «City Link» klingt spektakulär – und soll auch gleich noch einen Grossteil des Verkehrs aus der Innenstadt bringen.
Die Luzerner Politik aber bleibt skeptisch. Am Donnerstag hat das Stadtparlament die private Initiative der Stimmbevölkerung zur Ablehnung empfohlen und ist damit dem Stadtrat gefolgt, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Die vorberatende Kommission hatte noch zugestimmt.
Städtebauer schwärmen von Seilbahnen
Seilbahnen in der Stadt liegen im Trend. Städtebauer schwärmen vom still schwebenden, emissionsfreien Verkehrsmittel. In Madrid und Bogotá gehören Seilbahnen längst zum Stadtbild. Und in Paris wurde Ende letzten Jahres die längste urbane Seilbahn Europas eröffnet.
Die 4,5 Kilometer lange «Câble C1» verbindet vier Vororte im Südosten mit der Metro. Sie transportiert täglich 11'000 Menschen. Die Reisezeit mit der 130 Millionen Franken teuren Bahn beträgt noch 17 Minuten. Zuvor war es über eine Stunde – je nach Verkehr.
In der Schweiz haben Stadtseilbahnen einen deutlich schwereren Stand. Die Zürcher Zoo-Seilbahn hängt seit rund 25 Jahren in der Schwebe, seit der Zoo Zürich erstmals seine Vision einer Luftseilbahn vom Bahnhof Stettbach aus präsentiert hatte. Die Realisierung liegt nach wie vor in weiter Ferne.
Ähnlich bei der Aare-Gondel. Sie soll dereinst mit einer Luftseilbahn den Hauptbahnhof Solothurn über die Aare in Richtung Osten mit den wirtschaftlichen Entwicklungsfeldern in Zuchwil, Riedholz und Luterbach verbinden. Ziel der Initianten wäre ebenfalls die verkehrsmässige Entlastung. Die Solothurner Regierung aber schätzt «den Nutzen der Projektidee als eher gering» ein.
Nur ein kurzes Vergnügen
In Basel war es eine kurzzeitige Attraktion: Anlässlich der 600-jährigen Zusammengehörigkeit von Gross- und Kleinbasel transportierte 1992 eine Seilbahn Baslerinnen und Touristen während vier Monaten über den Rhein. Rentiert hatte die Gondel aber nicht. Dennoch ploppt die Idee einer Seilbahn in Basel alle paar Jahre wieder auf – bisher immer ohne Erfolg.
Nun muss auch das Luzerner Projekt einen Rückschlag hinnehmen. So sind etwa für Links-Grün zu viele Fragen offen. Auch handle es sich um ein Tourismus- und nicht um ein ÖV-Projekt und es sei nicht ins ÖV-System integriert. Auch müsste die Stadt rares Gewerbeland «opfern».
Das letzte Wort aber wird das Stimmvolk haben. Im Februar 2027 kommt das Geschäft an die Urne.