Sorge um Jugendliche
Kein Red-Bull-Verbot – Bundesrat setzt auf andere Massnahme

Trotz des hohen Koffeingehalts sollen Energy-Drinks für Jugendliche zugänglich bleiben. Der Bundesrat lehnt ein Verkaufsverbot ab und will stattdessen beim Zucker ansetzen.
Kommentieren
1/5
Sollen koffeinhaltige Energy-Drinks bei Jugendlichen verboten werden?
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Bundesrat lehnt Verkaufsverbot von Energy-Drinks für Jugendliche unter 16 Jahren ab
  • Schriftliche Warnung bei Energy-Drinks mit hohem Koffeingehalt bereits vorgeschrieben
  • 2022: Ein Drittel der 15-jährigen Jungen konsumiert wöchentlich Energy-Drinks
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_398.JPG
Daniel BallmerRedaktor Politik

Schlaflosigkeit, hoher Blutdruck, Karies oder Übergewicht: Gerade bei Jugendlichen kann der übermässige Konsum von Red Bull und Co. gesundheitliche Folgen haben. Das zeigten in den vergangenen Jahren mehrere unabhängige Studien.

Mitte-Nationalrat Benjamin Roduit (63) und seine Mitstreiter wollen deshalb, dass der Bundesrat den Verkauf von Energy-Drinks mit einem Koffeingehalt von über 150 Milligramm pro Liter an Personen unter 16 Jahren verbietet.

«Lässt sich nicht wissenschaftlich begründen»

Der Bundesrat aber ist skeptisch. Zwar sei ihm das Problem bewusst. Die Datenlage verschiedener Studien sei aber nicht einheitlich. Ein abschliessendes Urteil über die gesundheitlichen Auswirkungen sei deshalb im Moment nicht möglich.

Der Bundesrat um Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62, SP) kommt zum Fazit: «Ein Abgabeverbot lässt sich daher momentan nicht wissenschaftlich begründen.» Zudem wäre es ein «schwerwiegender Eingriff» in die Wirtschaftsfreiheit. Wie das Abgabeverbot alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 16 Jahren wäre es per Gesetz zu regeln.

Gleichzeitig weist der Bundesrat darauf hin, dass bei Getränken mit einem Koffeingehalt von über 150 Milligramm pro Liter schon heute ein schriftlicher Hinweis erfolgen müsse, dass das Getränk wegen des erhöhten Koffeingehalts nur in begrenzten Mengen konsumiert werden sollte und für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen wird.

Jugendliche zählen zu fleissigsten Konsumenten

Sprich: Der Bundesrat setzt letztlich auf Eigenverantwortung. Das aber reicht Mitte-Nationalrat Roduit nicht – «angesichts des aggressiven Marketings und der ausgeprägten Modetrends, die unsere Kinder unmittelbar betreffen».

Tatsächlich gehören Jugendliche zu den fleissigsten Konsumenten: Laut einer Schülerbefragung von 2022 trinkt mehr als ein Drittel der Schweizer Buben und rund ein Viertel der Mädchen im Alter von 15 Jahren mindestens einmal pro Woche Energy-Drinks. Roduit weist denn auch darauf hin, dass etwa die britische Regierung derzeit ein Verbot an unter 16-Jährige testet.

Statt beim Koffein in Getränken will die Landesregierung lieber beim Zucker ansetzen. Denn beim kalorienreichen Süssungsmittel kennt die Schweiz bis heute gar keine Obergrenze.

Auf Antrag von Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt (58) prüft der Bundesrat nun eine Begrenzung des Zuckers auf 5 Gramm pro Deziliter. Das entspreche dem Grenzwert zahlreicher europäischer Länder. Das Koffein aber ist für die Landesregierung nicht prioritär.

Wo ist am meisten Koffein drin?
0:56
Energy Drink, Kaffe, Tee:Wo ist am meisten Koffein drin?
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen