Darum gehts
- Die Schweiz hat auf Koh Samui ein neues Konsulat eröffnet
- 540 Auslandschweizer leben dort, viele benötigen Unterstützung in Notlagen
- 2024 half der Bund bei 320 Todesfällen, fast die Hälfte in Thailand
Sonne, Palmen, türkisblaues Meer: Koh Samui ist für viele Schweizerinnen und Schweizer ein Paradies. Die Insel gehört nicht nur zu den beliebtesten Reisezielen Thailands. Für immer mehr Auswanderer wird sie zum Lebensmittelpunkt, besonders nach der Pensionierung. Es ist ein landesweiter Trend: Vier von zehn «Swiss People» in Thailand sind älter als 65 Jahre. So hoch ist der Seniorenanteil unter Auslandschweizern nirgendwo sonst.
Der Thailand-Boom lässt die Behörden in Bern nicht kalt. Denn wo viele Landsleute sind, häufen sich auch die Fälle, in denen der Bund helfen muss. Gerade das Tropen-Königreich sorgt hier immer wieder für Schlagzeilen. Die Schweiz hat auf Koh Samui nun ein Konsulat eröffnet – und vor Ort einen Mann für alle Fälle ernannt.
Warum der Bund reagiert
Seit kurzem prangt das Landeswappen an einem Hotelkomplex auf der Insel, Consulate of Switzerland steht prominent darunter. Aus dem Nichts kommt der Schritt nicht. Gemäss der aktuellen Strategie des Aussendepartements (EDA) eröffnet die Schweiz neue Konsulate nur dort, wo tatsächlich Bedarf für eine Vor-Ort-Präsenz besteht.
Die Provinz Surat Thani, in der Koh Samui liegt, zählt zu den grösseren Schweizer Gemeinschaften in Thailand. Beim EDA heisst es gegenüber Blick: Das Konsulat sei errichtet worden, um Touristinnen und Touristen sowie die dort lebenden Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer «dank lokaler Präsenz und Vernetzung besser betreuen zu können». 540 Landsleute sind offiziell registriert.
Das EDA verweist zudem auf Konsularschutzfälle. Gemeint sind damit Schweizer Staatsangehörige, die nach einem Unfall, einer Festnahme oder in einer anderen Notlage die Hilfe der Behörden benötigen.
Er ist der Mann für alle Fälle
Auf Koh Samui übernimmt ein Honorarkonsul die Vertretung der Schweiz. Ein solcher ist ehrenamtlich tätig und kommt dort zum Einsatz, wo keine Berufsdiplomaten stationiert sind.
Entsprechend gefragt sind beste Ortskenntnisse, ein Bezug zur Schweiz und ein solides Netzwerk. Über all das verfügt Ratchaporn Poolsawadee, der erste Honorarkonsul auf Koh Samui. Der thailändische Touristiker und Verbandsmanager gilt als Insel-Insider.
Primär ist der Honorarkonsul die erste Anlaufstelle für Schweizer Staatsbürger. Zudem vertritt er gewisse Interessen des Landes und pflegt Kontakte zu Amtsträgern sowie Wirtschaftsvertretern.
Thailand fordert die Schweiz
Dass der Betreuungsbedarf der Schweizer Gemeinschaft in Thailand wächst, zeigt sich an mehreren Stellen. So gilt das Land als Brennpunkt bei den Sozialhilfegesuchen von Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern, wie Blick berichtete. Zeitweise war die Zahl der Fälle so hoch, dass die Schweizer Botschaft in Bangkok dafür fast eine Vollzeitstelle benötigte.
Zunehmend gefordert ist das EDA auch bei Todesfällen im Ausland. 2024 unterstützte der Bund Schweizer in rund 320 Fällen, so viele wie noch nie. Fast die Hälfte der verstorbenen Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer hatte den Wohnsitz in Thailand. Das EDA hilft dann unter anderem bei Abklärungen. Und die Themen dürften kaum ausgehen: Seit 2025 tauscht Thailand automatisch Finanzdaten mit Bern aus.
Schaltzentrale der Schweizer Interessen ist die Botschaft in Bangkok. Konsulate unterhält die Schweiz zudem in Chiang Mai, Phuket und Pattaya. Weitere Neueröffnungen seien derzeit nicht geplant, heisst es beim EDA.