Sollte der Schulsport abgeschafft werden?
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Schüler schätzt Schulsport:«Gibt genug faule Leute»

Schulsport in Gefahr! Jetzt könnte es noch schlimmer werden
«In der Schweiz gibt es 150 Turnhallen zu wenig»

Die Schweiz plant, das Schulsport-Obligatorium abzuschaffen. Kritiker befürchten, dass Kantone dadurch Sportlektionen kürzen oder ganz streichen könnten, um weniger in teure Turnhallen investieren zu müssen.
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Der Schulsport gehört mit drei Lektionen pro Woche obligatorisch in den Stundenplan.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schulsport-Obligatorium soll gestrichen werden, Verantwortung geht an Kantone über
  • Kritik: Weniger Sportlektionen könnten Turnhallenmangel und Vereinsprobleme verschärfen
  • Petition mit über 20'000 Unterschriften fordert Erhalt des Sportunterrichts
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Das Quietschen der Turnschuhe, Völkerball vor den Ferien, heimliche Allianzen bei «Alle gegen alle»: Kaum ein Schulfach weckt so viele Erinnerungen wie der Sportunterricht. Drei Lektionen pro Woche gehören heute obligatorisch in den Stundenplan. Doch das soll sich nun ändern.

Der Bund und die Kantone planen im Rahmen des Projekts «Entflechtung 27», das Obligatorium für den Schulsport aus dem Bundesgesetz zu streichen. Die Verantwortung soll vollständig an die Kantone übergehen. Denn sie finanzieren den Sportunterricht bereits heute zu hundert Prozent.

Über hundert Turnhallen fehlen

Das Problem: Kantone könnten Sportlektionen reduzieren oder ganz streichen, um weniger in Turnhallen investieren zu müssen. «Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ist das Risiko gross, dass sie diesen Weg wählen», sagt Jonathan Badan (43), Präsident des Schweizerischen Verbandes für Sport in der Schule (SVSS). Denn weniger Sportlektionen bedeuten auch weniger Bedarf an Turnhallen.

Dabei fehlt es schon heute an Infrastruktur. «In der Schweiz gibt es 100 bis 150 Turnhallen zu wenig, und die Kantone ignorieren dieses Problem», sagt Badan. «In den Berufsschulen fällt der Sportunterricht oft aus, weil keine Turnhalle frei ist.»

Betroffen wären aber nicht nur die 1,3 Millionen Schülerinnen und Schüler in der Schweiz. «Werden weniger Turnhallen gebaut, hat das auch Folgen für die Sportvereine», so Badan. Diese sind auf die Hallen der Schulen angewiesen. «Sie haben jetzt schon zu wenige für ihre Kurse.» Volleyball-, Tanz- oder Turnvereine müssten ihr Angebot bereits heute einschränken und improvisieren, um ihre Trainings weiterhin anbieten zu können.

Das sagt Swiss Olympic

Der Verband Swiss Olympic lehnt eine Aufhebung des heutigen Schulsportobligatoriums entschieden ab. «Regelmässige Bewegung auf allen Altersstufen ist für die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler von grosser Bedeutung», sagt eine Sprecherin zu Blick. Die heutige Regelung schaffe einen schweizweit gültigen Mindeststandard. «Dieser gibt allen Kindern die gleiche Möglichkeit zur Bewegung und Teilhabe.»

keystone-sda.ch

Der Verband Swiss Olympic lehnt eine Aufhebung des heutigen Schulsportobligatoriums entschieden ab. «Regelmässige Bewegung auf allen Altersstufen ist für die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler von grosser Bedeutung», sagt eine Sprecherin zu Blick. Die heutige Regelung schaffe einen schweizweit gültigen Mindeststandard. «Dieser gibt allen Kindern die gleiche Möglichkeit zur Bewegung und Teilhabe.»

Wichtig für die Integration

SP-Nationalrätin und Sportlehrerin Andrea Zryd (50) lehnt den Vorschlag ebenfalls entschieden ab: «Damit schaden wir unseren Kindern und Jugendlichen», sagt sie. «Der Schulsport befähigt sie fürs Leben.» Im Turnunterricht lernten Kinder, mutig zu sein, mit sowohl Siegen als auch Niederlagen umzugehen und im Team zusammenzuarbeiten. Zryd weiter: «Es geht nicht darum, Spitzensportlerinnen oder Spitzensportler hervorzubringen, sondern diese sozialen Kompetenzen zu vermitteln.»

Wenn beim Fussball ein Goal fällt, reisst die Torschützin oder der Torschütze die Hände in die Höhe und jubelt mit der Mannschaft. «Und zwar unabhängig von der Herkunft. Sport verbindet Kulturen», sagt die Nationalrätin. Gerade deshalb spiele Sport auch bei der Integration eine wichtige Rolle: «Er bringt Kinder zusammen.»

«Schulsport schafft Chancengleichheit»

Ausserdem ist Freizeitsport nicht für alle selbstverständlich. «Wenn Eltern Wert darauf legen, dass sich ihre Kinder viel bewegen, ist die Wahrscheinlichkeit viel grösser, dass sie es auch tun», sagt Zryd. Sie fahren ihre Kinder etwa ins Fussballtraining, bezahlen die Vereinsbeiträge oder unterstützen sie beim Sport. «Das ist jedoch leider oft nur bei Kindern aus finanziell besser gestellten Familien der Fall.» Genau hier setze der Schulsport an: «Er schafft Chancengleichheit. Alle Kinder erhalten zumindest ein Mindestmass an Bewegung.»

Besonders wichtig sei der Schulsport auch für Kinder mit ADHS. «Sie können sich ausleben», sagt Zryd. Gute Leistungen im Sport seien für viele ein Erfolgserlebnis, auch wenn die Note nicht fürs Zeugnis zähle. «Deshalb ist Sport für viele Kinder das Lieblingsfach. Und sie würden es sicher bedauern, wenn es abgeschafft oder stark reduziert werden würde.»

Nationalrätin Zryd und der Schweizerische Verband für Sport in der Schule haben deshalb eine Petition lanciert, für die bereits über 20'000 Unterschriften zusammengekommen sind. Nun liegt es an Bund und Kantonen, über das weitere Vorgehen zu entscheiden.

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