Darum gehts
- In Bülach ZH wurde ein geheimer Wellness-Bereich in Kläranlage entdeckt
- Vorgänge bei der Stadpolizei werden untersucht
- PUK-Präsident Thomas Obermayer tritt unerwartet zurück, nennt private Gründe
Die Schlagzeilen hatten schweizweit für Kopfschütteln gesorgt: In einer Kläranlage der Stadt Bülach ZH ist ein geheimer Wellness-Bereich aufgeflogen. Die Anlage besteht aus einer Sauna, einer Badewanne für mehrere Personen und einer Dusche, wie ein Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Parlaments aufdeckte. Daneben befinden es im Untergeschoss des Aufenthaltsgebäudes für Mitarbeitende mehrere Fitnessgeräte – alles spätestens seit dem Jahr 2000.
Die zuständige Stadträtin Andrea Spycher (SVP) wusste seit 2021 von der Anlage – informierte die Öffentlichkeit allerdings nicht. Dies geht aus dem GPK-Bericht hervor. Spycher räumte offenbar ein, dass eine transparente Information angezeigt gewesen wäre. «Meine damalige Einschätzung, es handle sich um ein rein operatives Thema, war aus heutiger Sicht nicht ausreichend», wird sie zitiert.
Demnächst stehen Wahlen an
Ausgerechnet zwei Wochen vor den Gesamterneuerungswahlen kommt das Sauna-Gate ans Licht! Bülach scheint einfach nicht zur Ruhe zu kommen – daneben brodelt es nämlich an einer weiteren Front. Die Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) behandelt bereits seit einem Jahr die Vorgänge bei der Stadtpolizei Bülach. Im Fokus stehen insbesondere personelle Abgänge in der Stadtverwaltung.
Mitten in dieser aufgeladenen Phase folgt am Montag der nächste Paukenschlag: Der PUK-Präsident Thomas Obermayer (SVP) nimmt überraschend den Hut, wie die Zeitungen von Tamedia berichten. Er tritt nicht nur als Kommissionsleiter zurück, sondern verlässt auch per sofort das Stadtparlament – obwohl er für die kommenden Wahlen eigentlich auf dem prominenten zweiten Listenplatz der SVP kandidiert. Als Grund nannte Obermayer private Gründe.
Kurz vor seiner persönlichen Erklärung hatte der SVP-Politiker noch einen Antrag der PUK präsentiert: Da der ursprüngliche Kredit von 100'000 Franken für die Abklärungen bereits aufgebraucht ist, beantragte er eine Aufstockung um weitere 90'000 Franken. Das Parlament bewilligte den Kredit.
Bezirksrat verhindert Veröffentlichung
Zuletzt war der öffentliche Druck auf die Untersuchung gestiegen. Es wurden Forderungen laut, die bereits vorhandenen Erkenntnisse noch vor den Wahlen zu veröffentlichen. Ein entsprechender Zwischenbericht wurde angekündigt und dem Stadtrat und den betroffenen Personen zur Stellungnahme vorgelegt.
Daraus wird nun aber nichts. Am Montagnachmittag hat der Bezirksrat die Publikation per Präsidialverfügung untersagt. Dies schreiben die Tamedia-Zeitungen. In der Verfügung heisst es: «Das Geschäftsreglement der PUK Bülach enthält keine Bestimmungen zu einem allfälligen Zwischenbericht, sondern lediglich zum Schlussbericht.»
Damit bleiben die brisanten Details der Untersuchung bis nach dem Urnengang unter Verschluss. Die Führung der PUK übernimmt nun Laura Hartmann, die noch am Montagabend zur neuen Präsidentin gewählt wurde.