Amtsräume dreist umgenutzt
Geheime Wellness-Oase in der Kläranlage? Kein Einzelfall!

Aufregung in Bülach ZH: In der Kläranlage befand sich jahrelang ein geheimer Wellness-Bereich. Nicht zum ersten Mal wurden Räume von Behörden oder Staatsbetrieben in der Schweiz auf fragwürdige Weise umgenutzt. Diese Fälle gaben zu reden.
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Sauna, Wanne, Fitnessgeräte: Angestellte der Stadt Bülach liessen es sich gut gehen.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Bülach ZH gab es wohl seit 2000 einen geheimen Wellness-Bereich
  • Der Fall wurde erst jetzt publik und beschäftigt die Politik
  • In Zürich und Basel gaben umgenutzte Räume ebenfalls zu reden
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Der geheime Wellness-Bereich in der Kläranlage

Ein Bericht der Geschäftsprüfungskommission bringt in Bülach ZH dieser Tage ans Licht: In der Abwasserreinigungsanlage Furt bestand über Jahre hinweg ein kleiner Wellness-Bereich mit Sauna, Mehrpersonen-Badewanne, Dusche und Fitnessgeräten. Die Anlage existierte mindestens seit dem Jahr 2000 und wurde bis 2021 genutzt – bis ein neuer Abteilungsleiter eingriff und sie stilllegte. 

Ein Teil der umstrittenen Anlage in Bülach.
Foto: zVg

Wer die Oase konkret benutzte, lasse sich heute nicht mehr klären, da kaum Unterlagen vorhanden seien. Klar ist jedoch, dass Betriebskosten wie Strom indirekt von den Steuerzahlenden sowie angeschlossenen Gemeinden getragen wurden. 

Politisch brisant ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung kurz vor den Wahlen. In die Kritik geraten Stadträtin Andrea Spycher (53, SVP) und Stadtpräsident Mark Eberli (57, EVP), weil die Öffentlichkeit nicht früher informiert wurde.

Spycher räumte ein, die Tragweite unterschätzt zu haben, und bezeichnete die fehlende Transparenz rückblickend als Fehler. Eberli sprach von einer «unrühmlichen Geschichte». Er anerkannte ebenfalls, dass mehr Offenheit angebracht gewesen wäre. Die Stadt hat Massnahmen angekündigt – so sollen etwa neue Verhaltensregeln erarbeitet werden.

Die Emus, der Pool und das heimliche Museum

Kläranlage? Das Stichwort weckt Erinnerungen. Vor einigen Jahren sorgte die Affäre rund um Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) für Schlagzeilen: Auf dem Gelände eines stillgelegten städtischen Klärwerks hatte der Ex-Direktor eine Art Parallelwelt aufgebaut. 

Auch um Emus ging es in der ERZ-Affäre. (Symbolbild)
Foto: Anadolu via Getty Images

Auf der Anlage entstanden – auch mit abgezweigten Geldern – Einrichtungen, die nichts mit dem eigentlichen Auftrag zu tun hatten. In einem ehemaligen Klärbecken wurde ein Swimmingpool für Mitarbeitende eingerichtet. Zudem liess der frühere Direktor einen Kleinzoo mit Emus anlegen. Auch ein Oldtimer-Museum mit alten Abfallwagen, Strassenreinigungsfahrzeugen und weiteren Maschinen wurde aufgebaut. 

Die Affäre blieb nicht ohne Folgen: 2017 wurde der Direktor vom Zürcher Stadtrat fristlos entlassen. Gegen ihn wurden auch strafrechtliche Vorwürfe erhoben. So soll er etwa schwarze Kassen unterhalten haben. Später verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich unter anderem wegen mehrfacher ungetreuer Amtsführung und ungetreuer Geschäftsbesorgung. 

Das Sexzimmer in der Basler Verwaltung

In der basel-städtischen Verwaltung wurde ein Teamleiter fristlos entlassen, nachdem er in seiner Dienststelle ein «Liebesnest» eingerichtet hatte. Den Fall machte die kantonale Ombudsstelle 2018 publik. Der Mann arbeitete im Erziehungsdepartement, wie die «Schweiz am Wochenende» damals herausfand. 

In Basel sorgte einst ein «Liebesnest» in einer Behörde für Gesprächsstoff. (Symbolbild)
Foto: Imago/Westend61

Der Mann nutzte einen Pausenraum für private Zwecke. Er richtete ihn mit einem französischen Bett, einer Polstergruppe und einer Stereoanlage ein. Gemeinsam mit einer Aushilfe, mit der er eine Affäre hatte, verbrachte er dort Zeit und übernachtete auch vor Ort.

Gleichzeitig soll der Teamleiter eine langjährige Mitarbeiterin unter Druck gesetzt haben, ihre Stelle aufzugeben – um sie durch seine Geliebte zu ersetzen. Sie wandte sich schliesslich an die Ombudsstelle. Nach einer Überprüfung stuften die Verantwortlichen die Vorfälle als schwerwiegend ein. Der Teamleiter musste gehen, die Aushilfe liess sich bis zum Ende ihres befristeten Einsatzes krankschreiben.

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