Darum gehts
- Rotes Kreuz kritisiert Missbrauch seines Logos im Abstimmungskampf zur Neutralität
- Direktorin Nora Kronig droht Urhebern mit Strafanzeige wegen Glaubwürdigkeitsverlust
- Ex-Miss-Schweiz Linda Fäh auf umstrittenem Bild: Verein publizierte es im August
Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) stand im Abstimmungskampf um die Neutralitäts-Initiative verschiedentlich im Fokus. In den politischen Debatten wurde wiederholt auf die humanitäre Schweiz und in diesem Kontext auch auf das Rote Kreuz verwiesen. Dabei kam es auch zu Grenzüberschreitungen: Ein Verein aus Genf warb missbräuchlich mit dem Logo der Organisation für die Neutralitäts-Initiative. Jetzt, wo die Abstimmung entschieden ist, will die Direktorin Nora Kronig (46) Einiges klarstellen.
Das Thema Rotes Kreuz und Neutralität wurde im Abstimmungskampf von verschiedenen Seiten aufgegriffen. So titelte etwa die «Weltwoche»: «Ohne Neutralität kein Rotes Kreuz». Die SRK-Direktorin betont: «Die Neutralität des Roten Kreuzes hat nichts mit der schweizerischen Neutralität zu tun.» Die Begriffe seien im Abstimmungskampf teils vermischt worden.
Darum will sie den Unterschied hier noch einmal erklären. «Die Neutralität eines Staates dient in erster Linie dem Schutz seiner eigenen Interessen und seiner Bevölkerung.» Die Neutralität des Roten Kreuzes hingegen verfolge ein humanitäres Ziel. Sie ermögliche es der Organisation, mit allen Seiten zu sprechen und dadurch möglichst alle Menschen zu erreichen, die Hilfe benötigen.
Die Neutralität gehöre zu den zentralen Grundsätzen des Roten Kreuzes, so Kronig. Eine politische Dimension habe sie jedoch nicht. Damit habe auch das heutige Abstimmungsresultat keinerlei Einfluss auf die humanitäre Arbeit der Organisation.
Missbräuchliche Verwendung des Logos
Das wollten in den vergangenen Monaten jedoch nicht alle wahrhaben. «Unser Logo wurde im Abstimmungskampf missbraucht», sagt Kronig. Der Verein Souveraineté Suisse publizierte auf Social Media ein Foto der Rotkreuz-Botschafterin Linda Fäh (38) im T-Shirt der Organisation. Daneben stand in grossen Lettern: «Das Rote Kreuz braucht eine zertifizierte Neutralität.» Zudem war ein Aufruf für ein Ja zur Initiative vermerkt.
Beim Roten Kreuz löste die Aktion grossen Ärger aus. «Dass der Name und das Emblem des Roten Kreuzes für politische Zwecke instrumentalisiert wurden, ist problematisch», sagt Kronig. Das schade der Glaubwürdigkeit der Organisation. Das Rote Kreuz halte sich konsequent aus Abstimmungsdebatten heraus, die nicht ihr humanitäres Mandat betreffen. Man habe darum umgehend reagiert und den Urhebern mit einer Strafanzeige gedroht.