Keine Strasse führt nach Quinten SG
Jetzt will der Kanton auch noch das Kursschiff streichen

Quinten SG könnte sein Kursschiff verlieren: Der Kanton St. Gallen will die Verbindung im Sparpaket streichen. Für das nur per Schiff oder zu Fuss erreichbare Dorf wäre das ein harter Einschnitt. Gegner wehren sich.
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Im St. Galler Ort Quinten leben heute ganzjährig nur noch rund 40 Menschen.
Foto: Heidiland Tourismus / Thomas Kes

Darum gehts

  • Der Kanton St. Gallen will das Kursschiff nach Quinten SG streichen und 250'000 Franken sparen
  • Die Gemeinde Quarten müsste für den Erhalt der Linie jährlich rund 500'000 Franken selbst tragen
  • Eine Bürgerinitiative reicht Aufsichtsbeschwerde ein; der Kantonsrat entscheidet noch dieses Jahr
Joschka Schaffner Ringier
Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Allein auf weiter Flur: Auf kaum ein Schweizer Dorf trifft diese Redewendung besser zu als auf Quinten SG. Das winzige Dorf – nur etwas mehr als 40 Menschen leben hier – ist ausschliesslich per Fussweg oder Schiff erreichbar. Es ist mitunter ein Grund, weshalb das beliebte Ausflugsziel am Walensee bereits seit Jahren um seine Existenz bangt.

Der Kanton St. Gallen setzt nun zum endgültigen Todesstoss an: In seinem angekündigten Millionen-Sparpaket will die St. Galler Regierung das Kursschiff nach Quinten streichen. Die jährliche Ersparnis: rund 250'000 Franken. Wenig überraschend regt sich dagegen viel Widerstand.

«Lebensader» versiegt

Die Ortschaft, die zur Gemeinde Quarten gehört, wäre mit der Massnahme quasi von der Zivilisation abgeschnitten. Dennoch sei es vertretbar, das Geld für den Schiffsverkehr zu streichen, argumentiert das St. Galler Volkswirtschaftsdepartement. Der Kanton sei nämlich nur verpflichtet, Siedlungsgebiete mit mehr als 300 Einwohnenden zu erschliessen.

Am Walensee gehen die Wogen hoch. «Das geht gar nicht», sagt etwa Albin Gätzi, Gemeindepräsident von Quarten, in der «Linth-Zeitung». Die Schiffsverbindung sei für Quinten die «Lebensader», so der Politiker. Käme die Streichung durch, müsste Gätzis Gemeinde künftig die gesamten Kosten von einer halben Million Franken stemmen, um die Linie doch noch zu erhalten.

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Besonders sauer stösst dabei auch die Begründung der Kantonsregierung auf. Diese sei ein «juristischer Taschenspielertrick», moniert eine anonyme Bürgerinitiative. Denn der angegebene ÖV-Richtwert sei für den Sonderfall Quinten nicht anwendbar. «Solche Frequenz-Richtlinien setzen zwingend eine Grunderschliessung durch das Strassennetz voraus!», schreibt die Bewegung in einer Medienmitteilung.

Kantonsrat wird bald entscheiden

Deshalb wendet sich die Gruppierung mit einer Aufsichtsbeschwerde an den St. Galler Kantonsrat. Dieser wird noch dieses Jahr darüber entscheiden, ob er den Sparvorschlägen des Regierungsrats folgen will. Dabei soll er auch feststellen, dass «der Beschluss der Regierung zur Streichung der ÖV-Erschliessung von Quinten gegen die kantonale und eidgenössische Erschliessungs- und Grundversorgungspflicht verstösst», so die anonyme Bürgerinitiative im Schreiben, das Blick vorliegt.

Die unbekannten Gegnerinnen und Gegner sind dabei nicht allein: Mitte-Kantonsrat Daniel Grünenfelder, der auch als Geschäftsführer des Schiffsbetriebs auf dem Walensee waltet, will der geplanten Sparübung einen Riegel vorschieben. Die Vorschläge der Regierung seien kein Entlastungspaket, sondern ein «Provokationspaket», sagt er gegenüber der «Linth-Zeitung». «Der Kanton könnte sparen, ohne die Leute zu verärgern, er müsste es einfach wollen», so Grünenfelder.

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