Darum gehts
- Schweizer Haushalte erhalten bald Broschüre «Verhalten in Krise und Krieg»
- Winterthurer Agentur erhält knapp 1 Mio. Franken für Kampagne und Website
- Broschüre umfasst 5 Seiten, inspiriert vom schwedischen Modell von 2024
Die Kantone wollen die Bevölkerung auf den Ernstfall vorbereiten. Darum soll bald eine Broschüre mit dem Titel «Verhalten in Krise und Krieg» in die Schweizer Haushalte flattern. Der Ratgeber soll aufklären, wie man sich im Extremfall am besten verhält.
In Auftrag gegeben hat das Heftlein die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr. Grund dafür ist die sicherheitspolitische Lage in Europa, wie Generalsekretär Alexander Krethlow auf Anfrage des Branchenportals persoenlich.com erklärte.
Breite Kampagne geplant
Neben der analogen Kampagne sind ein Social-Media-Auftritt sowie eine Webseite geplant. Diese Elemente wird die Kommunikationsagentur Partner & Partner aus Winterthur ZH übernehmen, wie nun aus einem Zuschlagsentscheid auf der Beschaffungsplattform Simap hervorgeht. Sie wird dafür mit knapp einer Million Franken entschädigt.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) informiert über die Plattform Alertswiss über verschiedene für die Schweiz relevante Gefährdungen wie Hochwasser, Erdbeben, Stromausfälle, Pandemien oder Cyberangriffe. Auf der Website gibt es auch einen Notfallplan.
Vorbild Schweden
Das neue Büchlein der Kantone soll nun explizit auch das Szenario eines bewaffneten Konflikts enthalten. Die «NZZ» konnte 2025 bereits einen Vorentwurf sichten. Das Heft soll mit dem dramatischen Satz «Der Krieg ist nach Europa zurückgekehrt» beginnen. Es wird an die Bevölkerung appelliert, einen Notvorrat anzulegen. Zudem enthält das Heft Tipps zur Evakuierung sowie zum Umgang mit Haustieren.
Vorbild dafür war eine schwedische Broschüre: Das Land verschickte bereits im Herbst 2024 ein 30-seitiges Büchlein mit Verhaltenstipps für den Kriegsfall. Das Schweizer Pendant soll mit nur fünf Seiten deutlich schlanker daherkommen.
Die Kampagne erinnert an die Geistige Landesverteidigung. Im antikommunistischen Klima des Kalten Kriegs verschickte der Bundesrat im Jahr 1969 das sogenannte Zivilverteidigungsbüchlein. Der Ratgeber war mehr als 300 Seiten dick.
Das Heft löste eine Welle der Empörung aus. Denn Linke wurden darin als potenzielle Staatsfeinde dargestellt. Schriftsteller wie Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt verurteilten das Papier öffentlich. Demonstranten verbrannten die Bücher sogar auf dem Bundesplatz.