In der Plagiatsaffäre um «Nebelspalter»-Journalist Dominik Feusi gerät nun die «NZZ» in den Fokus: Was wussten die Verantwortlichen? Recherchen legen nahe: Mehr als sie zugeben.
Vor einer Woche machte Blick publik, dass Feusi beim «Nebelspalter» nahezu wortgleich eine Analyse des britischen «Telegraph» kopiert hatte. Die «NZZ» löste daraufhin einen erst kürzlich mit Feusi abgeschlossenen Anstellungsvertrag wieder auf. Am 1. Juli hätte er im Wirtschaftsressort an der Falkenstrasse starten sollen.
Widersprüchliche Aussagen
Ein «NZZ»-Sprecher beteuerte daraufhin gegenüber Blick, dass das Plagiat den «für die Rekrutierung verantwortlichen Personen» zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung nicht bekannt gewesen sei. Ein Insider widerspricht dieser Darstellung jetzt. Laut der Person, die direkt in die Angelegenheit involviert war, wussten Beteiligte bereits bei der Anstellung im März vom Plagiat. Die kopierte «Telegraph»-Analyse sei in Gesprächen Thema gewesen.
Überraschend wäre das nicht. Auf der «NZZ»-Redaktion wusste man seit über einem Jahr vom Plagiat. 2024 wurde ein Journalist der Zeitung auf die abgeschriebene Analyse aufmerksam. Er kontaktierte Feusi mit Fragen, liess dann aber von der Story ab.
Whistleblower-Meldung
Laut dem «NZZ»-Sprecher seien die für die Rekrutierung verantwortlichen Personen erst nach Vertragsunterzeichnung auf das Plagiat aufmerksam gemacht worden. Gemäss Blick-Informationen ging bei der «NZZ» vor wenigen Wochen tatsächlich eine Whistleblower-Meldung zum Fall ein. Dies nachdem der europafreundliche Bundeshaus-Chef aufgrund des Neuzugangs des rechtsbürgerlichen Feusi seinen Job hingeschmissen hatte.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte die Angelegenheit auch auf dem Tisch der Geschäftsleitung gelandet sein. Auch hier driften die Angaben von Involvierten auseinander. «NZZ»-Führungspersonen sagen, dass man nach einer sorgfältigen Prüfung zum Schluss gekommen sei, dass das Plagiat nicht mit den publizistischen Grundsätzen der «NZZ» vereinbar sei. Deshalb habe man Feusi wieder gekündigt. Warum dies nur wenige Stunden nach der Anfrage von Blick geschah, bleibt offen. Aus dem Umfeld der «NZZ»-Spitze heisst es, dass die Anfrage die Umsetzung eines bereits getroffenen Entscheides beschleunigt habe.
Hat die «NZZ» ein Versprechen gebrochen?
Dominik Feusi, der sich für seinen Fehler entschuldigt hat, will sich vorerst nicht mehr zur Affäre äussern. Die Kündigung traf ihn unvorbereitet. Offenbar sicherte man ihm kurz davor zu, dass sein Vertrag nur dann aufgelöst werde, wenn man weitere Plagiate finde.
Die «NZZ» will sich zu den offenen Fragen nicht äussern. Der Sprecher wiederholt einzig: «Die für die Rekrutierung verantwortlichen Personen hatten zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung keine Kenntnis des Plagiatsfalls.» Auch Chefredaktor Eric Gujer habe nichts davon gewusst.
So oder so: Die Affäre dürfte ein Nachspiel haben. Stimmt es, dass die «NZZ»-Chefs den Vertrag mit Dominik Feusi im Wissen um das Plagiat unterzeichnet haben und dass sie ihm trotz des Plagiats eine Jobzusicherung gemacht haben, hätte der «Nebelspalter»-Journalist gute Chancen, die Kündigung anzufechten. Ob er das tut – oder schon getan hat –, lässt er vorerst offen.
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