Nach Recherche von Blick
Plagiat-Eklat! «NZZ» kündigt «Nebelspalter»-Journalist

Recherchen zeigen: Der Politikjournalist Dominik Feusi hat eine Nahostanalyse beim britischen «Telegraph» abgeschrieben. Nun hat ihm die «NZZ» noch vor Stellenantritt wieder gekündigt.
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Dominik Feusi (l.) interviewt Bundesrat Martin Pfister für den «Nebelspalter».
Foto: Instagram @Feusl
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

Dominik Feusi ist in der Medienbranche eine Marke. Seit dem Umbau des «Nebelspalters» zum rechtsbürgerlichen Onlinemagazin vor fünf Jahren steht er als stellvertretender Chefredaktor und Politchef fest an der Seite von Verleger Markus Somm. Zusammen betreiben sie den Podcast «Bern einfach». Meinungsjournalismus über die Schweiz und die Welt.

Nun sollte Feusi als Bundeshausredaktor ins Wirtschaftsressort der «NZZ» wechseln. Doch kurz vor dem Stellenantritt am 1. Juli holt ihn jetzt eine Geschichte ein, die der «Nebelspalter» und die «NZZ» bis heute unter dem Deckel hielten.

90 Prozent kopiert

Blick-Recherchen zeigen: Im Herbst 2024 schrieb Feusi grosse Teile einer Nahost-Analyse der konservativen britischen Tageszeitung «Telegraph» ab und publizierte sie beim «Nebelspalter» unter seinem eigenen Namen. Das Ergebnis ist ein Vollplagiat – ein Verstoss, der im Journalismus als besonders gravierend gilt.

Im Artikel vom 3. Oktober 2024 mit dem Titel «Wir stehen am Rande eines endlosen Krieges – und nur ein Land kann ihn verhindern» plädiert Feusi für einen Angriff Israels auf den Iran. Doch es sind nicht seine eigenen Gedanken, sondern die des renommierten «Telegraph»-Kommentators Allister Heath. 

Der «Nebelspalter»-Journalist übersetzte dessen Analyse vom Vortag aus dem Englischen ins Deutsche und kopierte dabei nicht nur ganze Absätze, sondern auch den Aufbau, Thesen, historische Beispiele, Metaphern und Schlussfolgerungen.

Eine Analyse von Blick zeigt, dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden.

Was wusste die «NZZ»?

Pikant ist: Ausgerechnet die «NZZ», Feusis baldige Arbeitgeberin, wurde damals auf das Plagiat aufmerksam. Ein Redaktor der Zeitung konfrontierte den «Nebelspalter»-Journalisten mit Fragen. 

Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen. Laut Insidern soll «Nebelspalter»-Chef Markus Somm auf der Redaktion interveniert haben.

Feusi passte seine abgeschriebene Analyse daraufhin online an, formulierte teils um und zitierte den Originalartikel des «Telegraph» und weitere Quellen. Dazu versah der «Nebelspalter» den Text mit folgendem Hinweis: «In der ersten Version des Textes wurden fälschlicherweise die Quellen weggelassen. Sie wurden nachträglich ergänzt.»

Feusi: «Es gibt keine Entschuldigung dafür»

Als Blick am Samstag die «NZZ» mit der Recherche konfrontiert, kommt es zum Knall: Der Vertrag mit Dominik Feusi wurde noch vor seinem Stellenantritt wieder aufgelöst. «Wir können Sie darüber informieren, dass Dominik Feusi die Stelle bei der NZZ nicht antreten wird», schreibt ein Unternehmenssprecher. Der Sachverhalt sei den für die Rekrutierung zuständigen Personen zum Zeitpunkt der Rekrutierung nicht bekannt gewesen. «Der Fall wurde sorgfältig geprüft und die Führung der NZZ ist zum Schluss gekommen, dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist.» Publizistische Glaubwürdigkeit sei für die «NZZ» das höchste Gut. «Vor diesem Hintergrund hat die NZZ entschieden, den Vertrag mit Dominik Feusi vor seinem Stellenantritt zu kündigen.»

Feusi zeigt sich auf Anfrage von Blick einsichtig: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für das, was ich gemacht habe. Das ist ein klares Plagiat, so etwas darf nicht passieren.» Die Textkopie sei ein Verstoss gegen die Glaubwürdigkeit des Journalismus, und das tue ihm leid. An jenem Tag hätte der «Nebelspalter» dringend noch eine Geschichte gebraucht, und er sei alleine für die Website verantwortlich gewesen. Er habe dann von seinen Notizen abgeschrieben, in denen er unter anderem die «Telegraph»-Analyse notiert hatte.

Rechtskurs vertreibt namhafte Schreiber

Der Kollateralschaden auf der «NZZ»-Redaktion ist gross. Als bekannt wurde, dass Feusi zur «NZZ» wechseln soll, kündigte dort der langjährige, europafreundliche Bundeshauschef Fabian Schäfer. In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Feusi der Grund für den prominenten Abgang war.

Kurz zuvor kündigte bereits Hansueli Schöchli, ein renommierter Wirtschaftsexperte. Auch er soll die «NZZ» aus politischen Gründen verlassen haben. Chefredaktor Eric Gujer trimmt das Traditionsblatt seit Jahren auf stramm rechtsliberal. Und geht dabei nicht immer zimperlich vor, wenn jemand zu sehr vom Kurs abweicht.

Bevor Gujer 2015 die Chefredaktion übernahm, scheiterte ein Versuch rechtsbürgerlicher Kreise, Markus Somm an die Spitze der «NZZ» zu hieven, am Widerstand der Redaktion. Nun scheitert auch der Transfer von Somms Schützling Feusi.

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