Darum gehts
- In Altstetten West sollen 240 von 388 Parkplätzen entfernt werden
- Gewerbeverband warnt vor Problemen für Handwerker und steigenden Wohnkosten
- Gericht blockiert erweiterte Gewerbeparkkarte seit Herbst 2025
In Zürich macht die Stimmbevölkerung den Autofahrern das Leben schwer. Letzten September entschied sie etwa, die Anwohnerparkkarten für die Blauen Zonen weiter zu verteuern. Zugleich erhielt die Stadt an der Urne bereits mehrfach grünes Licht für umfassende Velorouten.
Die beiden Umstände kommen nun besonders in den Quartieren zusammen, in denen ein Ausbau der Velorouten durch die Stadt geplant ist. In Altstetten West plant die Stadt daher ein Abbau eines Grossteils der Strassenparkplätze. Beim städtischen Gewerbeverband schrillen aufgrund des Kahlschlags die Alarmglocken. Besonders aufgebracht ist Verbandspräsidentin Nicole Barandun (58): «Die Einwohner von Altstetten können Ihr Auto schon mal auf Ricardo stellen», so die Mitte-Nationalrätin.
«Wo sollen Handwerker parkieren?»
Der Richtplan der Stadt Zürich für Altstetten West hat es in sich: 224 der bestehenden 361 blauen Parkplätze und 16 der 27 weissen Parkplätze im Gebiet sollen abgebaut werden. «Es ist essenziell, genügend Parkplätze zu gewährleisten, besonders für das Gewerbe», sagt Barandun zu Blick. «Wo sollen noch Handwerkerinnen und Handwerker zukünftig parkieren?»
Bereits heute beschweren sich Gewerbetreibende regelmässig über die knappe Parkplatzsituation in der Stadt. Doch vielen Zürcherinnen und Zürchern sei die Situation gar nicht bewusst, sagt Barandun. «Die Mieterinnen und Mieter merken erst, dass die Handwerkerdienste teurer werden, wenn dadurch schlussendlich auch die Wohnkosten steigen.»
Teillösung ist vor Gericht blockiert
Dabei hätte Zürich letzten Herbst zeitgleich mit der Preiserhöhung der Anwohnerparkkarten auch eine Alternative gutgeheissen: Mit der erweiterten Gewerbeparkkarte wäre es für Arbeiter möglich, zur Not auch auf dem Trottoir zu parkieren. Doch aufgrund von Einsprachen der Fussgängerverbände bleibt die Lösung aktuell blockiert. «Es wird Jahre dauern, bis dies vor Gericht gelöst ist», sagt Barandun.
Zwar kritisierten Gewerbetreibende auch nach der Abstimmung bereits die hohen Preise für die neue Spezial-Parkkarte. Gewerbeverbandspräsidentin Barandun stellt jedoch klar: «Parkplätze dürfen kosten. Bei einem Abbau muss aber eine Alternative geliefert werden.» Für die Nationalrätin sind etwa für die Anwohnerinnen und Anwohner Quartier-Parkhäuser oder Park-Vereinbarungen mit Grossverteilern denkbar.
Verband will Leitentscheid beim Velo-Ausbau
Damit würde nicht nur dem Gewerbeverkehr geholfen: Auch Schichtarbeiter würden unter den knappen Parkplätzen leiden, so Barandun. «Die Devise ‹das Auto muss weg› geht also einfach nicht. Ich wünsche mir von der Stadt ein miteinander statt gegeneinander.»
Bei den Plänen in Altstetten werde der Verband nun prüfen, inwiefern sich die Situation für das Gewerbe verschlechtere. «Lieber wäre uns aber ein genereller Leitentscheid eines Gerichts, inwiefern der Ausbau der Veloroute die Parkplatzsituation betreffen darf», sagt die Nationalrätin. Denn: «Wir können und wollen nicht gegen jeden einzelnen Abbau ankämpfen.»