«Soll ich jetzt oder soll ich nicht?» – diese Frage scheinen sich Autofahrerinnen und Autofahrer im Zürcher Kreis 4 wieder öfter zu stellen.
Bereits seit September 2023 müssen diese ihre Fahrt über die Langstrasse für 60 Meter unterbrechen und rechts in die Brauerstrasse einbiegen. Und genau hier harzt es, wenn man sich den Verkehr vor Ort anschaut.
Veloweg oder Strasse
Vor einigen Tagen wurde die Strasse umgestaltet. Sie wurde aufgerissen, frisch geteert, Parkplätze wegradiert und neue Velowege gekennzeichnet. Ein grosses Velo und das Wort «City» wurden in Knallgelb auf die Strasse gepinselt. Etwas weiter hinten steht dann in Weiss die Zahl «30» als Hinweis für die Autofahrenden. Das Problem, das jetzt neu aufzutreten scheint, ist gemäss einer Anwohnerin ebendiese Kennzeichnung.
«Man sieht als Autofahrerin rechts nur dieses grosse gelbe Velo und vorne das Fahrverbot für die Langstrasse», sagt sie. Sie habe schon öfters beobachtet, wie Leute eigentlich nach rechts in die Brauerstrasse einbiegen wollten, es sich dann aber anders überlegten und doch durch die gesperrte Langstrasse fuhren, sagt sie. «Die denken doch alle, dass hier nur Velos gestattet sind», sagt sie. Ein Mitarbeiter einer Bar an der Strasse meint dazu nur: «Die Verwirrung ist verwirrt», und lacht.
Keine Beschwerden und keine Kontrollen
Auf Anfrage von Blick antwortet Nadja Häberli, Mediensprecherin Dienstabteilung Verkehr, dass die Stadt im Abschnitt Stauffacherstrasse bis zur Kasernenstrasse eine Velovorzugsroute umsetze. «Im Frühling wird zur Kennzeichnung noch das grüne Band markiert», sagt Häberli. Ein Fahrverbot für Autos bestehe in der Brauerstrasse aber nicht, stellt sie klar.
Sie sagt auch, dass man keine Rückmeldungen von verwirrten Autofahrerinnen oder Autofahrern erhalten habe. «Wie erwähnt, läuft die Umsetzung der Velovorzugsroute noch und weitere Markierungen folgen.» Organisierte Kontrollen finden aktuell keine statt, sagt sie. «Es kann aber sein, dass es eine Ordnungsbusse gibt, wenn ein Polizist auf Streife oder auf Fusspatrouille das Missachten des Fahrverbots feststellt.»
Bussenflut und Wechselsignal
Seit der Einführung des neuen Verkehrsregimes kam es immer wieder zu Ärger und Frust. Um dem Nichtbeachten des Fahrverbots einen Riegel vorzuschieben, wurde im Januar 2024 eine automatische Durchfahrtskontrolle installiert und Falschfahrende gebüsst. Allein im Januar 2024 nahmen die Kameras gemäss Mitteilung über 17'000 fehlbare Lenkerinnen und Lenker auf. Bei einer Bussenhöhe von 100 Franken spülte dies der Stadt innert einem Monat ganze 1,7 Millionen Franken in die Kasse. Die Kontrolle war noch bis Juni 2024 in Betrieb.
Mitte Januar 2026 hat die Stadt ein Wechselsignal installiert, das verdeutlichen soll, wann eine Durchfahrt gestattet ist und wann nicht. Zwischen 22 Uhr abends und 5.30 Uhr morgens darf nämlich die ganze Langstrasse genutzt werden. Für das Wechselsignal wurden eine Million Franken gutgesprochen. Gekostet hat es am Ende 360'000 Franken.