Darum gehts
- SVP-Jungpolitiker Jonas T. Meyer bezahlt Kameruner für Wahlkampfvideo.
- Video sorgt für Kritik, wird als rassistisch und respektlos bezeichnet.
- Kosten: 40 CHF pro Person; individuelle Videos ab 35 CHF bestellbar
Das Video lässt stutzen. «Vote SVP! For Switzerland!», skandiert eine Gruppe Afrikaner in die Kamera. Wählt SVP, für die Schweiz. Die jungen Männer tanzen zum Song «Das isch d’SVP!», dem Wahlkampflied von 2023 – das der Partei damals einigen Ärger eingebracht hatte. Einer der jungen Männer küsst das Sünneli-Logo, hält es in die Kamera.
Das Video geht derzeit viral. Dahinter steckt der Luzerner SVP-Jungpolitiker Jonas T. Meyer. «Aus Kamerun für die Schweiz – hört drauf», kommentierte er. «Das Video ist in meinem privaten Auftrag erstellt und bezahlt worden», wird er von «20 Minuten» zitiert. Es habe keine Zusammenarbeit mit der SVP oder der Jungen SVP gegeben. Mittlerweile hat er das Video wieder von seinem Tiktok-Kanal gelöscht.
Video werde falsch interpretiert
Das Video habe vermitteln sollen, dass die SVP gegenüber allen Menschen wohlgesinnt sei, wenn diese sich an die Gesetze der Schweiz hielten und arbeiteten. Gelöscht habe er es, weil die Botschaft zu wenig klar sei und «zu viel Raum für falsche Interpretationen» lasse: «Unsere Partei wird leider häufig irrtümlicherweise als ‹ausländerfeindliche› oder ‹rassistische› Partei betitelt.» Davon distanziere er sich.
Bestellt habe der Jungpolitiker das Video über die Internetseite «Africanjoyflix». Ab 35 Franken gebe es eine personalisierte Videobotschaft. Wählen könne man aus verschiedenen Teams mit unterschiedlichen Outfits. Ein eigenes Lied koste rund acht Franken extra.
«Offensichtlicher Rassismus»
Bei der Polit-Konkurrenz kommt das Video ganz schlecht an. Für Mirjam Hostetmann (26), Präsidentin der Juso Schweiz, ist es respektlos: «Es ist offensichtlich geschmacklos, wenn man schwarze Menschen aus einem anderen Land dafür bezahlt, solche Werbung zu machen», wird sie von «20 Minuten» zitiert.
Sie wisse auch nicht, was neben dem «offensichtlichen Rassismus» die Botschaft sein soll: «Stimmen von People of Color sind für die Junge SVP offenbar nur relevant, wenn sie gegen Bezahlung tanzend für ihre Partei werben», so Hostetmann weiter.