Darum gehts
- Rüstungschef und Armeeführung wollen die SIG Sauer P320 trotz schlechter Testergebnisse
- Auf einer Skala von 1 bis 10 erhält die Waffe bei Tests die Tiefstnote 1
- Für den Rüstungschef ist der Produktionsstandort scheinbar wichtiger als die Tauglichkeit
«Nicht geeignet für eine breite Ausbildung» – so lautet das Fazit eines Berichts über die neue Armeepistole SIG Sauer P320. Gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) hat das Onlineportal Watson von Armasuisse und der Schweizer Armee die Herausgabe interner Daten verlangt. Die Resultate des Berichts sind ernüchternd.
Mit einem Truppenversuch wurde die Tauglichkeit verschiedener Waffen getestet. In der Endauswahl standen drei Modelle. Klarer Sieger war die Glock aus Österreich. Sie erhielt die Gesamtnote 7 auf einer Skala bis 10. Dennoch entschieden sich Rüstungschef Urs Lohner und die Armeeführung für die SIG Sauer P320 – obwohl diese von den Fachleuten die Tiefstnote 1 erhielt.
Produktionsstandort wichtiger als Tauglichkeit
Der Entscheid für die SIG Sauer P320 erfolgt laut Watson klar entgegen der Empfehlung von mehreren Fachstellen und Militärverbänden der Armee.
Der Rüstungschef setzt offenbar vor allem deswegen auf die umstrittene Waffe, weil SIG Sauer versprochen hat, in der Schweiz zu produzieren. Dies deckt sich mit der rüstungspolitischen Strategie des Bundesrates.
Grundsätzlich war bereits bekannt, dass die SIG Sauer beim militärischen Truppenversuch durchgefallen ist. Die zuständige Organisation stufte die Waffe als «nicht truppentauglich» ein. Die technischen Details wurden nun aber erstmals veröffentlicht.
Von fehlender Präzision bis zu komplexer Wartung
So schnitt die SIG Sauer P320 bei allen Schiesstests am schlechtesten ab. Zudem seien zu viele Störungen aufgetreten.
Auch das Abzugsverhalten sei «schwer kontrollierbar und fehleranfällig» und der Trigger-Reset sei nur schwach spürbar. Ferner sei das Hochschlagen der Waffe nach der Schussabgabe extrem, was die erneute schnelle Zielerfassung massiv erschwert habe. Dadurch sei es teilweise sogar zu medizinischen Problemen wie Handgelenkschmerzen gekommen.
Auch die Abnutzungserscheinungen seien nach kurzer Versuchszeit bereits deutlich erkennbar. Zudem sei die Reinigung «aufwendig und erschwert».
Das Zwischenfazit des Berichts: «Die SIG P320 ist nicht geeignet für eine breite Ausbildung im Rahmen einer Milizarmee, da zu komplex in der Anwendung und Ausbildung.»