Nicht nur Tierrechtler empört
Tierpark Bern tötet wegen Artenschutz alte Tiere

Tiere in Zoos werden dank guter Haltung immer älter – mit unerwarteten Folgen: Laut Studien kann das den Artenschutz erschweren. Deshalb werden vermehrt ältere Tiere getötet, so auch im Tierpark Bern. Das bewegt die Politik.
Kommentieren
1/5
Die Tiere im Tierpark Bern werden immer älter – ein globales Phänomen.
Foto: Kim Niederhauser

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Tierpark Bern tötet ältere Tiere wegen Platzmangels und Artenschutzproblemen
  • Studie der Universität Zürich zeigt weltweit überalterte Zoopopulationen
  • Tierrechtler üben scharfe Kritik
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Patrick_Gerber_Journalist Politik_Blick_3-Bearbeitet.jpg
Patrick GerberRedaktor Politik

Der Tierpark Bern steht vor einem Dilemma. Aufgrund guter Lebensbedingungen werden die Tiere immer älter und besetzen so Platz für den Nachwuchs. Laut einer aktuellen Studie gefährden überalterte Zoos weltweit den Artenschutz. Um dem Problem entgegenzuwirken, werden nun vermehrt betagte Tiere getötet.

Stefan Hoby, Tierarzt des Tierparks Bern, muss regelmässig Entscheidungen über Leben und Tod treffen. «Wir werden in Zukunft häufiger ältere Tiere töten müssen», sagt er gegenüber der Zeitung «Der Bund». Denn die Tiere würden aufgrund einer angepassten Fütterung oder verbesserter Haltung immer älter. Und Bern ist damit nicht allein, gemäss einer Studie der Universität Zürich sind die Populationen in Zoos weltweit überaltert. Dadurch könnten die Tierparks ihre Artenschutzaufgabe nicht mehr ideal erfüllen.

Artenschutz mittels «respektvoller Tötung»

Eine überalterte Population pflanzt sich nicht mehr im gleichen Ausmass fort wie eine jüngere. «Fehlt Nachwuchs und sterben zeitgleich alte Tiere, sind irgendwann keine Tiere mehr da», so Hoby. 

Dies ist ein Problem, denn wie Marcus Clauss, Co-Leiter des Tierspitals Zürich, gegenüber SRF erklärt, ist das Ziel der Zoos in Europa, «dass sich die Tierarten über alle Zoos hinweg selbst erhalten können. Man will das Problem nicht dadurch lösen, dass man neue, junge Tiere aus der Wildnis einfängt und in Zoos steckt.»

Daher setzt der Berner Tierpark nun auf «aktives Artenmanagement» mit «respektvoller Tötung». Diese sei so «schonend und stressfrei» wie nur möglich. Getötet werden laut Hoby ältere Tiere, die krank seien oder kaum mehr durch den nächsten Winter kommen würden. «Manchmal ist das sehr hart und traurig. Aber es ist eben ein Teil meines Jobs.»

Ein globales Problem

Kritik kommt derweil vor allem von Tierrechtlern. Tobias Sennhauser, Berner Stadtrat und Sprecher der Tierrechtsorganisation «Tier im Fokus», reagiert mit einem Vorstoss. Er bezeichnet das Vorgehen gegenüber «Der Bund» als «rechtlich und ethisch höchst problematisch». Tiere dürften nicht «wie austauschbare Objekte behandelt werden».

Dennoch ist der Tierpark Bern nicht der einzige Zoo, der Tiere tötet. Vor einem Jahr tötete beispielsweise der Zoo Leipzig in Deutschland vier gesunde Moorantilopen – eine stark bedrohte Art. Grund dafür sei Platzmangel gewesen. Der Deutsche Tierschutzbund übte Kritik daran. Laut der «European Association of Zoos and Aquaria» werden europaweit rund 3000 bis 5000 gesunde Tiere getötet, weil sie überzählig sind oder nicht ins Zuchtprogramm passen.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen