Neue Tarif-Limite beschlossen
Ärzte laufen Sturm gegen Lohndeckel

Medizinverbände und Bundesbehörden haben hinter dem Rücken der Mediziner eine Deckelung der Taxpunkte beschlossen. Die Ärzte sehen das Patientenwohl gefährdet – weil es sich finanziell nicht mehr lohnen würde.
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Medizinverbände und die Gesundheitsbehörden von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider haben hinter dem Rücken der Mediziner eine Deckelung der Taxpunkte beschlossen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ärzte kritisieren die neue Höchstgrenze von 1577 Taxpunkten pro Arbeitstag scharf
  • Effiziente Ärzte könnten nach 5 bis 10 Patienten unbezahlt arbeiten müssen
  • Der Maximalverdienst in Zürich beträgt 1435 Franken pro Tag – der Systemstart ist für 2027 geplant
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Schweizer Ärzte sind hässig. Von einem «Schildbürgerstreich» ist die Rede, von «Planwirtschaft», sogar von einem «De-facto-Arbeitsverbot». Der Stein des Anstosses: Medizinverbände und das Bundesamt für Gesundheit haben hinter dem Rücken der Ärzte eine «Höchstgrenze für die pro Arbeitstag verrechenbaren Taxpunkte» vereinbart.

Konkret: Der Vorschlag sieht in der obligatorischen Krankenversicherung im Schnitt maximal 1577 verrechenbare Taxpunkte pro Tag vor – und dies über den Monat gerechnet. Dahinter stecke die «Annahme einer Arbeitszeit von zwölf Stunden pro Tag», erläutern die Vertragspartner. Und sie halten in ihrem Schreiben an die Mediziner klar fest: «Die Obergrenze darf den Mittelwert von 1577 Taxpunkten ärztliche Leistung pro Arbeitstag über einen Zeitraum von einem Monat nicht überschreiten.»

«Nach fünf oder zehn Patienten pro Tag ist Schluss»

Darauf folgt nun der Vorwurf der Planwirtschaft. Denn der Vorschlag bedeutet für die Ärzte tatsächlich einen Lohndeckel, weil sie den Maximalwert von 1577 Taxpunkten normalerweise innert weniger Stunden erreichen. Jede weitere Minute, in der sie ihre Patienten behandeln, müssten sie unentgeltlich machen.

Die Götter in Weiss sehen rot: «Effiziente Hausärzte und Fachärzte werden durch das faktische Kontingent bestraft», zitiert «Inside Paradeplatz» einen Zürcher Spezialisten mit langjähriger eigener Praxis. «Nach fünf oder zehn Patienten pro Tag ist Schluss. Die Krankenkassen zahlen nicht mehr.»

Warnung vor schlechterer Gesundheitsversorgung

Es gebe viele «Hausärzte, die bis 40 Patienten am Tag behandeln» würden. Für sie würde es sich künftig nicht mehr lohnen, sich bei ihrer Praxisarbeit ein Bein auszureissen. Das habe Folgen für die Patienten und Patientinnen: Es drohten «Wartezeiten und eine schlechtere Gesundheitsversorgung» der Schweizer Bevölkerung.

Je nach Kanton würde der neue Lohndeckel zu unterschiedlichen Höchstbeträgen führen. So würde etwa in Zürich der Maximalverdienst neu bei 1435 Franken pro Tag liegen. Bei 22 Arbeitstagen ergibt das pro Monat gut 31’000 Franken, im Jahr sind es 375’000 Franken. Davon seien Ferien, Sozialleistungen, Miete für die Praxis, Kosten für die Geräte, Löhne für Assistenten, Versicherungen und weitere Aufwände zu berappen.

Das neue Tarifsystem soll Anfang 2027 in Kraft treten. Notfälle und Administrativarbeiten sollen davon jedoch ausgenommen sein. Denn das würde «dem Ziel einer bedarfsgerechten Versorgung» widersprechen, sind sich Medizinverbände und Bundesbehörden dann doch bewusst.

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