Darum gehts
- Neues Strafverfahren gegen Tessiner Regierungsrat Claudio Zali wegen sexueller Übergriffe
- Die Vorwürfe betreffen Ereignisse von vor mehreren Jahren, Zali bestreitet Schuld
- Seit Juni 2026 wird zudem wegen Amtsmissbrauchs und versuchter Nötigung ermittelt
Die Tessiner Staatsanwaltschaft hat ein neues Strafverfahren gegen Regierungsrat Claudio Zali (64) wegen mutmasslicher sexueller Übergriffe eingeleitet. Wie RSI berichtet, sollen die Vorwürfe Ereignisse betreffen, die bereits mehrere Jahre zurückliegen. Die Anzeige aufgrund der Aussage einer dritten Person erstattet.
Es ist das nächste Kapitel im Fall des Lega-Politikers. Mitte Juli veröffentlichte eine 52-Jährige ein heimlich aufgezeichnetes Gespräch mit Zali. Darin sagte der Lega-Politiker, er habe eine Frau verprügelt. Mittlerweile versprach Zahli seinen Rücktritt – und tauchte aus der Öffentlichkeit ab.
Zali wurde bereits vernommen
Wie RSI schreibt, sei Zali zu den neusten Vorwürfen bereits als Beschuldigter vernommen worden – und bestreite jegliche strafrechtliche Verantwortung. Wie ein Schreiben von Generalstaatsanwalt Andrea Pagani an das Präsidialamt des Grossen Rates, das RSI einsehen konnte, bestätige, laufen derzeit Ermittlungen. Weitere Informationen werden aufgrund der laufenden Untersuchungen nicht veröffentlicht, heisse es darin.
Die Ermittlungen stehen laut Informationen von RSI offenbar im Zusammenhang mit der 52-jährigen Frau, die im Juli von der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft als Zeugin befragt wurde. Sie hatte zuvor Dokumente sowie heimlich aufgenommene Audioaufnahmen von Telefongesprächen übergeben und teilweise in sozialen Medien geteilt, in denen Zali gewalttätige Aussagen gegenüber einer Frau gemacht hatte. Nur wenige Wochen später wurde die Frau tot im Luganersee aufgefunden.
Grund für Amtsenthebung sei noch nicht gegeben
Das neue Verfahren kommt zusätzlich zu einem anderen Fall, in dem gegen Zali bereits seit Juni 2026 ermittelt wird. Dabei geht es um mutmasslichen Amtsmissbrauch und versuchte Nötigung im Zusammenhang mit Zalis Interesse an einem Fall eines 14-Jährigen, der in der Strafanstalt Farera inhaftiert war.
Das Präsidialamt des Tessiner Kantonsparlaments Rates beobachte die Lage genau, wie es auf Anfrage von RSI mitteilte. Das Vorliegen eines Strafverfahrens impliziere jedoch nicht automatisch die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens, da die rechtlichen Voraussetzungen derzeit nicht erfüllt seien. Man nehme die Vorwürfe jedoch sehr ernst und werde die Entwicklungen weiterhin aufmerksam verfolgen, hiess es in der Stellungnahme.
Zugleich meldete sich auch die Tessiner Regierung in einer Mitteilung: Sie habe über die Eröffnung eines weiteren Strafverfahrens gegen Zali erst über die Medien erfahren. Angesichts dessen, sei der Staatsrat am Dienstag zu einer ausserordentlichen Sitzung zusammengetreten – und fordere nun «zum Schutz der Institutionen und ihrer Glaubwürdigkeit», dass Zalis angekündigter Rücktritt mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt werde.
Für Claudio Zali gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.