Millionen-Projekt in Aarau
Quartier kämpft gegen neue Mega-Kläranlage «vor Haustür»

Das Abwasser von 30 Gemeinden soll künftig nach Aarau Rohr fliessen. Dafür ist eine neue Kläranlage geplant. Doch der Widerstand wächst – und Rohr ist längst kein Einzelfall: Auch anderswo sorgen solche Grossprojekte für Ärger und hitzige Debatten.
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Auf dieser Wiese soll in Rohr AG eine neue Kläranlage entstehen – viele Anwohner stört das. Vis à vis steht die alte Anlage.
Foto: https://www.ara-aarau.ch/

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Aarau Rohr ist eine neue Kläranlage für 250 Mio. Fr. geplant
  • 160 Anwohner protestieren wegen Standortwahl und unzureichender Kommunikation
  • Bis 2040 müssen schweizweit rund 140 Kläranlagen erneuert werden
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Patrick GerberRedaktor Politik

Hässlich, stinkend, laut – das wird oft mit Kläranlagen in Verbindung gebracht. Zutreffend ist das nicht mehr zwingend, dank neuer Technologien. Dennoch sind Kläranlagen vielen ein Dorn im Auge. So auch im aargauischen Rohr. Das Dorf ist seit 2009 ein Stadtteil von Aarau.

In der Gemeinde ist eine neue Kläranlage geplant. Für rund 250 Millionen Franken sollen fünf kleine Anlagen zu einer grösseren zusammengelegt werden. Das sei günstiger als eine Renovierung der einzelnen Anlagen, so die Befürworter. Zudem sei ein Neubau aufgrund strenger gewordener Vorschriften sinnvoll. Bereits heute gibt es im Stadtteil Aarau Rohr eine Kläranlage – vis à vis des Grundstücks, auf dem die neue Anlage geplant ist. 

Der Gemeinderat und der Grosse Rat sprechen sich für das Projekt aus. Doch aus dem Quartier kommt Widerstand, wie die «Aargauer Zeitung» und SRF berichten. Rund 160 Einwohnerinnen und Einwohner haben sich in der Interessensgemeinschaft «IG Pro Naturraum Aarau Rohr – Nein zur ARA Salmatt» zusammengeschlossen. 

Gegner kritisieren Standortwahl

Die IG bemängelt etwa die Kommunikation des Projektteams. «Man will vor unserer Haustür etwas machen, und wir haben nie etwas davon erfahren», wird sie in der «Aargauer Zeitung» zitiert. Zudem hätte es bessere Standorte für das Projekt gegeben, ist sich die IG sicher. 

Kritiker sind der Meinung, dass bei der Standortsuche nicht alle Optionen gleichwertig berücksichtigt und teilweise fragwürdige Bewertungen vorgenommen worden seien. Ob das Projekt tatsächlich in der geplanten Form umgesetzt werden kann, ist noch offen. Auch aufgrund des Widerstandes. 

Sanierungen mit immensen Kostenfolgen

Auch in Winterthur ZH gehen derzeit die Wogen hoch – ebenfalls wegen einer Kläranlage. Die Anlage in Wülflingen soll ausgebaut und erneuert werden, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Für das Projekt müsste ein Teil des angrenzenden Walds abgeholzt werden. Zum Ausgleich will die Stadt im sogenannten Niederfeld aufforsten – fruchtbares Ackerland. Dagegen haben nun Landwirte erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 14. Juni wird darüber abgestimmt. 

Die Sanierung und der Ausbau von Kläranlagen ist schweizweit ein Thema. Rund 140 Anlagen müssen bis 2040 erneuert werden, so ein Bericht von SRF. Bei rund 300 weiteren laufen derzeit Abklärungen in Bundesbern. Die Gründe dafür sind vor allem die erreichte Lebensdauer und neue Standards, die eingehalten werden müssen. Zudem spielt das Bevölkerungswachstum eine Rolle.

Die Sanierungen könnten bis 2050 insgesamt bis zu 100 Milliarden Franken kosten. Die neuen Anlagen sollen etwa in der Lage sein, Mikroverunreinigungen zu entfernen. Beispielsweise Rückstände von Medikamenten oder Reinigungsmitteln. Auch der Klimawandel stellt eine Herausforderung dar – er kann zu extremeren Regenfällen führen. 

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