Darum gehts
- Gespa will Bericht über Jugendschutz bei Sportwetten veröffentlichen, Streit entbrannt
- Swisslos und Loterie Romande fürchten Offenlegung von Alterskontroll-Lücken
- Gewinn aus Sportwetten: Rund 100 Millionen Franken pro Jahr für Kantone
Am 11. Juni hat die Geldspielaufsicht (Gespa) eine Verfügung erlassen, wonach sie ihren Bericht zum Jugendschutz bei Sportwetten veröffentlichen will. Mit dieser Bekanntgabe geht ein Streit zwischen den Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande auf der einen und der Gespa auf der anderen Seite weiter.
Ursprung sind Testläufe der Gespa mit Sportwetten, in denen Minderjährige mitgespielt haben, obwohl dies für unter 18-Jährige verboten ist. Um herauszufinden, ob die Kontrollen an Kiosken, bei Spielautomaten und für Online-Sportwetten funktionieren, liess die Gespa Minderjährige wetten. Nach dem Muster von Alkohol- und Tabaktestkäufen, mit denen Behörden den Jugendschutz bei diesen Suchtmitteln überprüfen.
Widerstand der Anbieter
Ob die Schranken – online die Identifikation der Spieler sowie an Kiosken und Automaten die Altersprüfung – wirksam sind oder ob Minderjährige wetten konnten, wollen Swisslos und Loterie Romande nicht publik werden lassen. Sie wehrten sich gegen eine Veröffentlichung der Ergebnisse durch die Gespa und verlangten eine anfechtbare Verfügung. Diese liegt nun seit zehn Tagen vor.
«Wir prüfen derzeit, ob wir sie anfechten», heisst es vonseiten von Swisslos dazu. Dieser Schritt müsste innert 30 Tagen seit Erlass beim interkantonalen Geldspielgericht erfolgen. Swisslos hält fest, es gehe «weniger um die Studienergebnisse als um die Frage, ob die Gespa Informationen veröffentlichen dürfe, die sie im Rahmen ihrer Arbeitstätigkeit gewonnen hat».
Die Loterie Romande kommentiert den Inhalt der Verfügung nicht und lässt offen, ob sie diese anficht.
Weitherum beliebt
Gerade jetzt während der Fussball-WM floriert das Geschäft mit den Sportwetten für Swisslos und Loterie Romande, die Monopolisten in der Schweiz. Und das Angebot wird immer breiter, mit Live-Wetten und weiteren reizvollen Spielarten, auch höheren Gewinnquoten beispielsweise für Partien der Schweizer Nationalmannschaft an der WM.
Eingeweihte sagen, der Bericht der Gespa zum Jugendschutz bringe teilweise Unerfreuliches für die Anbieter zutage. Der mit prinzipiellen Bedenken begründete Widerstand basiere vielmehr auf der Furcht vor der Offenlegung von Lücken in der Alterskontrolle.
Der Jahresumsatz mit Sportwetten bewegt sich inzwischen in einem beträchtlichen dreistelligen Millionenbereich. Die Kantone, denen Swisslos und Loterie Romande gehören, nehmen inzwischen jährlich rund 100 Millionen Franken aus dem Wettgeschäft ein.
Drohende Suchtgefahr
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
Haben Sie Hinweise zu brisanten Geschichten? Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
Weil Wetten rund um die Uhr und von überall her abgeschlossen werden können, bergen sie eine erhebliche Suchtgefahr. Auch deshalb, weil die Verlockung, mit Fachwissen Geld verdienen zu können, zu illusorischen Gewinnhoffnungen führt. Fachleute geben an, vor allem junge Männer seien bezüglich Sportwetten suchtgefährdet. Dabei verführen vor allem Live-Wetten zu problematischem Verhalten und überbordenden Ausgaben.
Gerade deshalb sei der Jugendschutz immens wichtig, hält eine Studie der Eidgenössischen Kommission für Suchtfragen aus dem Jahr 2024 fest. Dort heisst es, viele Minderjährige erhielten über eine App Zugang zu Sportwetten.
Wie und ob die Zugangskontrolle dazu funktioniert, ist vielleicht dereinst dem Testbericht der Gespa zu entnehmen.