Darum gehts
- Die Stadt Luzern kämpft gegen Overtourismus
- Jetzt fordert eine Initiative eine Hotelbetten-Obergrenze
- Die Tourismusbranche wehrt sich entschieden dagegen
Uhren- und Souvenirläden dominieren das Shoppingerlebnis in der Altstadt. Luzern lebt auch vom Tourismus. Doch jetzt gerät dieser unter Druck. Übertourismus wird zunehmend als Problem gesehen.
Die links-grüne Interessengemeinschaft Nachhaltiger Tourismus hat eine kommunale Initiative lanciert. Die Anzahl der bewilligten und betriebenen Hotelbetten auf dem Gemeindegebiet der Stadt Luzern im Jahr der Annahme der Initiative solle künftig eine Obergrenze darstellen – «pro Kategorie der offiziellen Hotelklassifikation». Eine Erhöhung der Gesamtobergrenze soll unzulässig sein. «Der Neubau eines Hotels oder eines anderen touristischen Beherbergungsbetriebs ist nur zulässig, wenn gleichzeitig ein bestehender Betrieb derselben Hotelkategorie dauerhaft aufgegeben wird», heisst es im Initiativtext.
«Aktuell drohen in der Stadt Luzern durch den Übertourismus höhere Mieten, Verkehrschaos und Verdrängung der Anwohner», schreibt die links-grüne Interessengemeinschaft Nachhaltiger Tourismus. Sie setzt sich aus Politikerinnen und Politikern der Juso, SP und der Jungen Grünen zusammen. Die Stadt brauche zwar Tourismus, dieser gerate aber aus der Balance. Dadurch werde die lokale Bevölkerung in die Aussenquartiere verdrängt, so die Befürchtung.
Valentin Humbel (SP), Mitglied der Interessengemeinschaft, sagt zu Blick: «Das Tourismuswachstum steht in Konkurrenz zu Wohnraum.» Weil mit Hotel- und Apartmentbetrieben mehr Profit gemacht werden könne als mit Mietwohnungen, «versagen hier die Dynamiken des Marktes». Bei einem jährlichen Wachstum von 5 Prozent würden pro Jahr 64 Wohnungen vernichtet oder verhindert, so Humbel.
Über Obergrenzen und «bessere Steuerung»
Ferdinand Zehnder, Präsident des Tourismus Forum Luzern, hält davon wenig. «Eine fixe Obergrenze klingt einfach, löst aber nichts», schreibt er auf Blick-Anfrage. Das eigentliche Problem sei nicht das Hotelangebot, «sondern die Belastung durch den Tagestourismus und die Spitzenzeiten an einzelnen Orten» – beispielsweise an der Kapellbrücke oder am Schwanenplatz. «Sinnvoll ist deshalb nicht ein generelles ‹Weniger›, sondern eine bessere Steuerung – etwa durch Besuchermanagement», sagt er.
Es sei zwar durchaus ein Problem, dass die Altstadt an Vielfalt verliere, Wohnraum knapp werde und die Infrastruktur an ihre Grenzen komme. Aber der «Tourismus ist nur ein Teil der Erklärung». Beim Wohnraum spielten vor allem Bevölkerungswachstum, steigende Bodenpreise und zu wenig Bautätigkeit eine Rolle.
Nachhaltiger Tourismus bedeute vor allem, «den Tourismus aktiv zu lenken, statt ihn ungezügelt wachsen zu lassen oder pauschal zu bremsen», so Ferdinand Zehnder. Dazu gehörten etwa «mehr Qualität, eine bessere Verteilung der Besucherströme, intelligentes Besuchermanagement und eine Weiterentwicklung der Infrastruktur». Doch eine Deckelung des Hotelangebots würde Luzern als Standort unattraktiver machen, Investitionen verhindern und Arbeitsplätze gefährden, ist er sich sicher.
Dok-Film nervt Bürgerliche in Luzern
Wie sehr die Wogen in Luzern hochgehen, zeigt ein Dokumentarfilm von SRF zum Tourismus und seinen Folgen. Er sorgte für happige Reaktionen. Die Stadtluzerner FDP spricht in den sozialen Medien von einem «undifferenzierten und überzeichneten Bild»: «Insbesondere in einer Zeit, in der wir politisch über Bevölkerungsgrenzen diskutieren, ist der Film ein falsches Signal.» Luzern brauche Offenheit und Gastfreundschaft.
In der Stadt selbst wird die Debatte wohl noch länger für Zündstoff sorgen. Denn neben der Bettenobergrenze hat die IG durchaus noch andere Forderungen. Etwa eine Plafonierung der Anzahl Cars auf zentralen Plätzen, eine Abgabe für Tagestouristen, Anpassungen beim Leistungsauftrag von Luzern Tourismus oder ein «Mitspracherecht für die Bevölkerung». Im Initiativtext sind diese jedoch nicht anzutreffen. Das will man sich für später vorbehalten.