Darum gehts
- Brand in Crans-Montana forderte 40 Tote und 116 Verletzte
- Brandschutz-Kontrollen im Wallis wegen zu vieler Objekte überfordert
- Letzte Kontrolle der ausgebrannten Bar fand im Jahr 2019 statt
Eine Woche ist seit dem Brand in Crans-Montana vergangen, bei dem 40 Menschen starben und 116 verletzt wurden. Nach anfänglicher Zurückhaltung äussern sich nun auch Politiker und Politikerinnen zu der Tragödie – dabei gerät das Walliser Brandschutzsystem unter Druck.
Im Wallis sind nämlich die Gemeinden zuständig für die Kontrollen, da der Kanton keine obligatorische Gebäudeversicherung hat. Crans-Montana musste einräumen, dass die ausgebrannte Bar letztmals 2019 kontrolliert wurde. Sind die Gemeinden beim Brandschutz überfordert?
Gesetzliche Grundlagen «nicht wirklich ‹realistisch›»
Blick hat sich bei verschiedenen Walliser Gemeinden umgehört. Vielen ist gemein: Sie haben nur wenige Einwohner, sind im Winter allerdings Hotspots für Touristen. Dementsprechend gibt es viele Gastrobetriebe, die zu kontrollieren sind.
Auf Anfrage von Blick schreibt die Gemeinde Val de Bagnes, in der sich das Wintersportgebiet Verbier befindet, man habe die Einhaltung der Brandschutzvorschriften stets sehr ernst genommen. Im Laufe der Jahre seien mehrere Stellen geschaffen worden, um die vorgeschriebenen Kontrollen durchzuführen. «Die Anzahl der zu besichtigenden Einrichtungen ist jedoch sehr hoch, insbesondere aufgrund der besonderen Lage von Verbier, und es ist sehr schwierig, die vorgeschriebenen Kontrollen zu 100 Prozent durchzuführen.»
Es gebe zwar keine Qualitätsmängel bei den Kontrollen, da diese von Fachpersonal durchgeführt werden. Es sei allerdings nicht möglich, alle zu kontrollierenden Objekte innerhalb der vorgeschriebenen Fristen zu besuchen. Die gesetzlichen Grundlagen seien «nicht wirklich ‹realistisch›».
Gemeinde Zermatt stockt Ressourcen auf
Auch bei der Gemeinde Fiesch heisst es, dass das Thema Crans-Montana stark beschäftige. Im Wallis habe man strenge Brandschutzvorschriften. «Die effektive Umsetzung stellt die Gemeinden vor grosse Herausforderungen.» Die aktuelle Situation habe die Thematik in den Vordergrund gerückt und die Aufarbeitung in den Gemeinden wurde gestartet. Mehr Informationen seien derzeit nicht möglich.
Die Gemeinde Zermatt hat kürzlich die Stellenprozente für die Brandschutzkontrollen aufgestockt und die Zusammenarbeit mit der Berner Gebäudeversicherung gesucht. Das sagte die Gemeindepräsidentin gegenüber SRF. «Wir konnten die regelmässigen Kontrollen, die das Gesetz fordert, nicht vollumfänglich abdecken.»
Zurückhaltung bei den Gemeinden
Andere Gemeinden geben sich zurückhaltender, viele haben erst gar nicht auf eine Anfrage geantwortet. «In Zusammenhang mit Medienanfragen hat sich die Gemeinde Grächen darauf verständigt, sich nicht am öffentlichen Diskurs zu beteiligen und keine Auskünfte abzugeben», schreibt der Skiort im Wallis etwa. Man unterstütze die kantonalen Behörden und Dienststellen bei der Aufarbeitung des Ereignisses und werde danach alle vom Kanton geforderten Schritte und Massnahmen unterstützen und umsetzen.
Die Gemeinde Saas-Fee schreibt, dass die Kontrollen einen hohen Stellenwert hätten und durch den Sicherheitsbeauftragten gemäss der gesetzlichen Vorgaben umgesetzt würden. «Angesichts der aktuellen Ereignisse werden diese Anstrengungen weiter verstärkt.»