Die Faktenlage ist ebenso eindeutig wie bekannt: Kinderbetreuung kostet in der Schweiz deutlich mehr als in allen europäischen OECD-Ländern. Statt die Beträge dafür aufzubringen, ist es für viele Familien finanziell sinnvoller, dass ein Elternteil wenig oder gar nicht arbeitet.
Meistens sind es Mütter, die beruflich kürzertreten. Im deutschsprachigen Europa treffen tief sitzende Rollenbilder (welcher andere Sprache kennt noch das Wort «Rabenmutter»?) auf gesellschaftliche Gegebenheiten, die diesen Entscheid ökonomisch vernünftig machen. Frauen verdienen häufig weniger; bleiben sie zu Hause, fällt der finanzielle Verlust geringer aus.
All das ist bekannt. Ebenso, dass die Verständigung für den Ausbau von bezahlbaren Betreuungsplätzen seit Jahrzehnten nur im Schneckentempo vorankommt – oft zerrieben zwischen den Lagern eines linken Jas und eines bürgerlichen Neins.
Vor diesem Hintergrund scheint das Ergebnis einer neuen Sotomo-Studie überraschend: Ausgerechnet die eher bürgerlich geprägten KMU rufen nach mehr staatlicher Betreuungsförderung. Eine Mehrheit dieser Unternehmen wäre sogar bereit, sich selbst zu engagieren.
Hinter diesem Wunsch stehen wirtschaftliche Interessen: Während dem Arbeitsmarkt wegen Betreuungspflichten hoch qualifizierte Frauen entzogen werden, müssen Unternehmen viel Geld ins Anwerben von Fachkräften aus dem In- und Ausland stecken. Entsprechend ist vor allem überraschend, dass finanzierbare Kinderbetreuung kein Kernthema von SVP oder FDP ist.