Keine Swatch-Millionen mehr
Aargauer Gemeinde muss nach Hayek-Abgang mit Steuern rauf

Dem Aargauer Tiefsteuerparadies Meisterschwanden droht ein Loch in der Kasse. Nun will die Gemeinde den Steuerfuss von 60 auf 70 Prozent erhöhen. Grund ist unter anderem der Wegzug der Swatch-Dynastie Hayek.
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Meisterschwanden ist eine der steuergünstigsten Gemeinden im Kanton Aargau. Nun soll eine Steuererhöhung her.
Foto: Mathias Förster / CH - Media

Darum gehts

  • Meisterschwanden plant Steuererhöhung auf 70 Prozent, auch wegen Wegzug der Hayek-Familie
  • Swatch-Dynastie beeinflusste Gemeindeentwicklung seit 1963, Ehrenbürger Hayek ab 2007
  • 2024 drohte Defizit von zwei Millionen Franken, Sparprogramm beschlossen
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Die Aargauer Gemeinde Meisterschwanden ist eine der steuergünstigsten Gemeinden des Kantons. Das hat besonders mit einem Schwergewicht zu tun: Swatch-Pionier Nicolas G. Hayek (1928–2010) zog bereits 1963 an den Hallwilersee.

Nur: Seit einigen Jahren sind die Hayeks weg – und Meisterschwanden droht ein Loch in der Kasse. Nun folgt der Steuer-Schock: In der Aargauer Gemeinde soll der Steuerfuss auf einen Schlag um happige zehn Prozent steigen! Dagegen formiert sich allerdings Widerstand.

Zuerst sparen, nun doch erhöhen

Die Steuern zu erhöhen, galt in der Gemeinde lange als rotes Tuch. 2024 gab es an der Gemeindeversammlung noch eine deutliche Absage an den Antrag des Gemeinderats, den Steuerfuss von 60 auf 70 Prozent zu erhöhen. Für das kommende Jahr drohte damals ein Defizit von zwei Millionen Franken. Die Versammelten entschieden sich stattdessen für ein Sparprogramm.

Die Klatsche sei «ein Weckruf», wie Gemeindepräsident Ueli Haller damals gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte. Doch Ende vergangenen Jahres kam es plötzlich umgekehrt: Der Gemeinderat wollte weiter sparen, die Gemeindeversammlung stand jedoch auf Antrag der örtlichen Finanzkommission plötzlich mit grosser Mehrheit hinter einer Steuererhöhung.

Wie der «Wohler Anzeiger» schreibt, wurde in der Diskussion auch schon die Swatch-Familie zum Thema: Dass nochmals ein Hayek nach Meisterschwanden komme, sei äusserst unwahrscheinlich, sagte Gemeinderat Dieter Studer.

Zufall sorgte für Hayek-Zuzug

Ins Aargauer Seetal gelangten die Hayeks nur durch einen Zufall: Laut der Gemeinde sei die Familie durch die Schulreise von Sohn Nick Hayek (heute 71), heutiger Swatch-CEO, aufmerksam geworden. Damals hatte das Dorf noch rund 1200 Einwohnerinnen und Einwohner.

2007 erhielt Patron Hayek von Meisterschwanden gar die Ehrenbürgerschaft verliehen. Ehefrau Marianne (1930–2023) und der Rest der Swatch-Dynastie blieben der Aargauer Gemeinde auch nach dem Tod ihres Patrons treu. Zahlreiche Grundstücke waren in der Hand der Familie und ihrer Unternehmen.

In die Schlagzeilen gelangte dabei besonders das sogenannte Burgerhaus: 2012 beantragte die Familie Hayek, das Bauland um die weisse Villa mit Blick auf den Hallwilersee zu vergrössern. Nach Widerstand von Naturschutzverbänden schob das Aargauer Kantonsparlament dem Vorhaben den Riegel. Das verwahrloste Haus wurde mittlerweile abgerissen – seit 2020 planen die Swatch-Erben auf dem Grundstück einen Neubau.

SVP ergriff Referendum

Gleich nebenan befindet sich weiterhin der Sitz der Management- sowie die Immobilienfirma der Hayeks. Sie sind im Handelsregister auch heute noch an der Delphinstrasse eingetragen. Persönlich haben sich die Geschwister Hayek jedoch bereits seit längerem aus dem Seetal verabschiedet: Swatch-CEO Nick Hayek wohnt heute in Zug, seine Schwester Nayla Hayek (74) in Hergiswil NW.

Noch ist die Meisterschwandener Steuerhöhung nicht beschlossene Sache: Ein Komitee aus den Reihen der SVP hat dagegen erfolgreich das Referendum ergriffen. Am 8. März muss die Stimmbevölkerung erneut entscheiden, ob der historisch tiefe Steuerfuss tatsächlich steigen soll.

«Werden weiterhin am Standort Schweiz festhalten»
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Swatch-CEO Hayek an PK 2024:«Werden weiterhin am Standort Schweiz festhalten»
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