Widerstand in Luzern und Solothurn
Kantone setzen Rotstift an – zwei Modeschulen vor dem Aus

Trotz grosser Nachfrage schliesst der Kanton Luzern seine Modeschule LU Couture aus finanziellen Gründen. Der Entscheid sorgt für Kritik. Auch in Solothurn droht einer Modeschule das Aus – dort kämpfen die Gegner mit einer Volksinitiative.
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Die Modeschule LU Couture im Kanton Luzern soll bis spätestens 2029 geschlossen werden. (Symbolfoto)
Foto: Getty Images/EyeEm

Darum gehts

  • Trotz mehr Bewerbungen als Lehrstellen schliesst Luzern die Modeschule LU Couture bis 2029 aus finanziellen Gründen
  • Der Entscheid sorgt für politische Kritik, FDP-Kantonsrat fordert Antworten von der Regierung
  • Auch in Solothurn droht einer Modeschule das Aus, dort kämpfen Gegner mit einer Volksinitiative für den Erhalt
Sven Altermatt, Ringier
Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Sogar Doris Leuthard (63) schaute einst bei einer Modeschau vorbei. Die damalige Bundesrätin schwärmte von der Kombination aus Lehre und Geschäft. Das Mode-Lehratelier LU Couture im Kanton Luzern gilt als besonderes Ausbildungsmodell für angehende Bekleidungsgestalterinnen und Bekleidungsgestalter. Doch damit ist bald Schluss: Die beiden Standorte in Luzern und Willisau werden geschlossen. Der Kanton zieht den Stecker.

Obwohl es mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze gibt, gibt es für die Berufsbildungsinstitution nach 13 Jahren keine Zukunft mehr. Der Kanton begründet dies mit «anhaltenden finanziellen Schwierigkeiten». Ein «Transformationsprojekt zur Stabilisierung der Finanzen» sei nicht erfolgreich gewesen. Neue Lehrverträge werden nicht mehr abgeschlossen, die aktuell 29 Lernenden sollen ihre Ausbildung noch beenden können.

Politiker gehen auf Barrikaden

Der Kanton Luzern finanziert die Modeschule nicht nur mit, sondern hält auch die Aktienmehrheit an der LU Couture AG. Seit der Schliessungsentscheid vor wenigen Tagen bekannt wurde, schlägt er auch in der Politik Wellen. Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, will die zuständige Bildungskommission des Kantonsrats die Schliessung thematisieren.

Selbst aus dem bürgerlichen Lager kommen Fragen. So hat diese Woche etwa FDP-Kantonsrat Ronny Beck (43) einen Vorstoss eingereicht. Er will wissen, weshalb die Schule zugemacht werden soll, obwohl die Regierung noch im Mai 2025 die Sicherung der Lehrstellen als politisches Ziel festgehalten habe.

Zudem verlangt Beck Transparenz über die finanziellen Beiträge des Kantons und die Ausbildungskosten pro Lehrabschluss. Er will erfahren, welche Sanierungs- und Kooperationsmöglichkeiten geprüft wurden und ob die Schule mit einer stärkeren Beteiligung von Privaten hätte gerettet werden können. Auch die Folgen für den Erhalt des Schneiderhandwerks sollen geklärt werden.

Auch Solothurn will Modeschule schliessen

Ein ähnliches Schicksal droht der Schule für Mode und Gestalten in Olten SO. Die Solothurner Regierung will die Lehrwerkstätte im Rahmen eines Sparpakets schliessen. Sie rechnete mit jährlichen Einsparungen von rund 430'000 Franken.

Dagegen regt sich seit Längerem Widerstand. Mit einem sogenannten Volksauftrag versuchten die Gegner bereits, die Schule zu retten. Dafür sammelten sie 1749 Unterschriften. Doch im November 2025 lehnte der Kantonsrat den Vorstoss mit 51 zu 39 Stimmen ab. Auch innerhalb der Fraktionen war man sich teilweise nicht einig.

Aufgeben wollen die Gegner nicht. Der Verein Fadegrad hat eine Volksinitiative lanciert, die den Betrieb der Modeschule gesetzlich verankern soll. Dafür braucht es 3000 gültige Unterschriften bis Oktober 2027. Nach Angaben des Vereins sind – Stand September – bereits rund 2000 Unterschriften zusammengekommen.

Wird Entscheid aufgeschoben?

Die Initianten warnen, dass mit der Schliessung nicht nur Ausbildungsplätze, sondern auch handwerkliches Wissen verloren gingen. Die Oltner Schule sei in der Region stark verankert und leiste «einen hohen Beitrag zur Förderung der kulturellen Identität und Integration». So entstehen in der Schule auch Kostüme für Fasnachtscliquen.

Gemäss bisherigen Plänen soll die Modeschule im Sommer 2028 schliessen. Die Initianten fordern, den Betrieb bis zu einem Volksentscheid weiterzuführen.

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