Bericht lässt aufhorchen
Fast jedes fünfte Kind in der Schweiz ist armutsgefährdet

Kinderarmut in der Schweiz nur ein Randphänomen? Ein Bericht des Netzwerks Kinderrechte kommt zu einem ganz anderen Schluss: 114'000 Kinder seien von Armut betroffen, weitere 315'000 armutsgefährdet. Die Organisation fordert eine nationale Strategie.
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Armut gibt es auch in der Schweiz.
Foto: Sven Thomann
Michael Hotz
Michael HotzTeamlead Wirtschafts-Desk

Die Schweiz ist ein sehr reiches Land. Und doch gibt es hierzulande Armut. Davon sind auch viele Kinder betroffen. Konkret: Schweizweit sind es 114'000 Kinder, wie aus einem neuen Bericht des Netzwerks Kinderrechte Schweiz hervorgeht. Die Organisation hat anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut an diesem Samstag Bilanz zur Umsetzung der Uno-Kinderrechtskonvention gezogen.

Ihr Fazit: «Kinderarmut ist in der Schweiz kein Randphänomen.» Neben den 114'000 von Armut betroffenen Kindern seien weitere 315'000 armutsgefährdet – und damit fast jedes fünfte Kind. Besonders gefährdet seien Kinder aus Einelternhaushalten und kinderreichen Familien.

Das hat direkte Folgen für deren Alltag: Es fehlt das Geld für den Znüni im Chindsgi oder in der Schule, für ein eigenes Zimmer zu Hause oder für die Mitgliedschaft im Turnverein oder im Fussballklub. «Kinderarmut beeinträchtigt nicht nur den Lebensstandard, sondern auch Bildungs-, Entwicklungs- und Gesundheitschancen sowie die soziale Teilhabe», heisst es dazu in der Mitteilung.

Nationale Strategie statt kantonalem Flickenteppich

Wer in der Schweiz von Armut betroffen ist, hat Anspruch auf Leistungen des Sozialstaats. Für die Umsetzung der Sozialhilfe sind in unserem föderalen Land die Kantone zuständig. Viele Kantone wiederum delegieren die Berechnung der Sozialhilfe an die Gemeinden. An diesem System übt das Netzwerk Kinderrechte Kritik. «Kinderarmut ist kein regionales oder auf bestimmte Gruppen beschränktes Problem – sie betrifft Kinder in der ganzen Schweiz, in Stadt und Land», so Rahel Zimmermann, Co-Geschäftsführerin der Organisation. «Es braucht deshalb eine nationale Antwort statt eines kantonalen Flickenteppichs an Leistungen.»

Konkret fordert das Netzwerk Kinderrechte eine schweizweite Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut – inklusive verbindlicher Ziele und systematischer Erfolgskontrolle. Zudem soll man nationale Mindeststandards bei Familienleistungen einführen.

Von der Kinderrechtsorganisation gibts auch Kritik an der Landesregierung. Bereits 2020 habe das Parlament den klaren Auftrag erteilt, eine Ombudsstelle für Kinderrechte einzuführen, die Kinder individuell berate und bei Bedarf vermittle. Der Bundesrat halte jedoch an einer abgeschwächten Lösung fest, die auf diese Elemente verzichte. Damit verfehle die Ombudsstelle ihren eigentlichen Zweck.

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