Wirbel um Wahlflyer in Tuggen SZ
Mitte ruft zum Streichen von «Übergewichtigen» auf

Tuggen SZ erlebt seit Jahrzehnten stille Wahlen. Doch diesmal ist plötzlich alles anders, die Listen sind übervoll. Die Situation sorgt für kuriose Auswüchse: Auf einem Flyer macht sich die Mitte dafür stark, «übergewichtige» Kandidierende vom Wahlzettel zu streichen.
Kommentieren
1/5
In Tuggen SZ sind bald Wahlen.
Foto: Al-qamar

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Tuggen sorgen Gemeinderatswahlen mit umstrittener Wortwahl für Aufregung
  • Mitte-Partei fordert in Flyer, «2 übergewichtige» Kandidaten zu streichen
  • Nur 4 von 8 bisherigen Gemeinderäten treten erneut zur Wahl an
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_817.JPG
Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Die Schweiz gilt als Leuchtturm der direkten Demokratie. Volksinitiativen, Referenden, Wahlen – das letzte Wort in der Politik liegt zumeist bei ihren Bürgerinnen und Bürgern. Nur: Besonders auf dem Lande gelangt das System Eidgenossenschaft regelmässig an seine Limits.

Immer wieder sind sie in den Schlagzeilen: die stillen Wahlen. Dem Schweizer Milizsystem fehlt es in den kleinen Gemeinden an Auswahl. Auch im Schwyzer Dorf Tuggen war dies seit Jahrzehnten so. Nun kommt es plötzlich zu Kampfwahlen. Das sorgt für kuriose Auswüchse: Die örtliche Mitte-Partei ruft gar zum Kampf gegen «Übergewichtige». Wie bitte?

Angriff auf den Körper?

Auf dem Wahlflyer für die Gemeinderatswahlen will die Partei erklären, wie richtig gewählt werden soll. Denn abseits der plötzlich übervollen Listen setzt die Gemeinde dieses Jahr auch auf einen neuen Wahlzettel. Die Erläuterungen beginnen harmlos: Etwa, dass für den Zweikampf um das Präsidium auf dem Wahlzettel nur eine Person ausgewählt werden könne. Dann folgt aber dicke Post: «3 Gemeinderäte sind zu wählen, daher müssen 2 übergewichtige gestrichen werden.»

Ist es ein Angriff auf die korpulente Konkurrenz? In der Tuggener Bevölkerung, bei der die Anspannung aufgrund der ungewohnten Situation sowieso bereits hoch ist, sorgt das für Entrüstung. «Solche Sachen zeugen von fehlendem Respekt», teilt etwa eine FDP-Sympathisantin gegenüber Blick mit.

«Übergewicht» beziehe sich auf Anzahl

Die Mitte ist komplett überrumpelt. «Wir haben gar nicht realisiert, dass dies falsch verstanden werden könnte», sagt Christian Bruhin (48), der letzten Sommer selbst in einer stillen Wahl als Säckelmeister in den Gemeinderat rutschte. Bei den aktuellen Wahlen kämpft Bruhin nun mit FDP-Schwergewicht Michael Widrig (63) ums Präsidium.

Nicht nur beim Gemeindeoberhaupt gehts um die Wurst – auch die restlichen Posten sind hart umkämpft: Nur drei der sieben bisherigen Gemeinderäte treten überhaupt wieder zur Wahl an. Dazu kommt, dass plötzlich auch wieder aus der SVP Ansprüche auf einen Sitz kommen.

Die Mitte schaute daher auch eher auf die Anzahl als die Kilogramm: «Wir wollten mit dem Satz nur das Übergewicht an Kandidierenden ausdrücken», sagt Bruhin. In der Partei sei der Satz also auch so abgesegnet worden. Der körperbetontem Formulierung wurde man sich erst nach dem Echo aus der Bevölkerung bewusst.

Zeichen der Überforderung

Parteipräsidentin Rita Diethelm (65) musste sich bereits auf Anfrage des Lokalblatts, dem «March Anzeiger», äussern: Sie entschuldigte sich dafür, falls der Satz falsch aufgefasst würde. Und auch die Zeitung kommentiert die Wortwahl als durchaus ungewöhnlich gewählt – am Schwyzer Dialekt scheint der Fauxpas also kaum zu liegen.

Für Bruhin ist der Mini-Shitstorm in seiner Gemeinde auch Ausdruck der Überforderung. «Richtige Wahlen ist man sich hier wohl nicht mehr so gewohnt», sagt der Mitte-Kandidat. Man merke nun richtiggehend, wie die Stimmung immer gehässiger werde. «Da wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.» Für die Kandidatinnen und Kandidaten gilt dies immerhin noch nicht.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen