Jukeboxen, Nähkästchen und Kloster
Diese kuriosen Museen besitzt der Bund – und das kosten sie

Neben ureigenen Bundesaufgaben wie die Sicherheit der Bevölkerung gehören auch andere Dinge ins Pflichtenheft der Behörden in Bern: Der Bund führt zum Beispiel selbst einige Museum. Was steckt dahinter?
Kommentieren
1/10
In Seewen SO steht das Museum für Musikautomaten.
Foto: Museum für Musikautomaten

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bund betreibt vier Museen, darunter ein Musikautomaten-Museum in Seewen SO
  • Museen kosten jährlich rund 9 Millionen Franken aus Bundesbudget
  • Verkehrshaus Luzern erhält 1,2 Millionen Franken, Kürzung um 310’000 Franken
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_401.JPG
Tobias BruggmannRedaktor Politik

In Seewen SO klimpert, klappert und klingt es. Dort steht das Museum für Musikautomaten: Eine beeindruckende Sammlung von Schweizer Musikdosen, Uhren und Schmuck mit Musikwerk. So gibt es eine Jukebox von 1946, ein Nähkästchen mit Musikwerk, hergestellt um 1830, und eine Welte-Philharmonie-Orgel aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Das Museum ist ein Schweizer Kuriosum, nicht nur wegen des Inhalts. Denn das Museum gehört dem Bund.

Neben ureigenen Bundesaufgaben, wie für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen, mit Staatschefs aller Welt zu verhandeln oder die Verkehrsinfrastruktur sicherzustellen, ist der Bund auch Museumsdirektor. Dabei gibt es nicht nur das Museum für Musikautomaten. So gehört auch die Sammlung Oskar Reinhart in Winterthur ZH dazu. Sie umfasst viele bedeutende Kunstwerke. Dann das Museo Vela in Ligornetto TI mit vielen Skulpturen des Tessiner Bildhauers Vincenzo Vela und nicht zuletzt das Museum Kloster Sankt Georgen in Stein am Rhein SH. Dabei handelt es sich um eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen.

9 Millionen für die Museen

In Zeiten von Sparpaketen betreibt der Bund also auch Museen. Was kosten sie? Die vier Museen des Bundes schlagen im Budget des Bundes mit jährlich rund 9 Millionen Franken zu Buche. Dazu gibt es einen Fonds, wo zum Beispiel Beiträge der Kantone und Gemeinden oder die Eintrittspreise einfliessen. Die Besucherzahlen schwanken zwischen den vier Museen. Über 19'000 Eintritte wurden 2024 in Seewen verkauft, hingegen nur rund 4300 im Tessiner Museo Vincenzo Vela. In den vier Museen arbeiten 19 Personen, die sich elf Vollzeitstellen teilen.

Das ist aber nicht die einzige Form der Museumsförderung: So subventioniert das Innendepartement direkt auch noch das Schweizer Nationalmuseum. Und der Bund gab 2025 weitere rund 14 Millionen Franken für die Betriebs- und Projektbeiträge an Museen aus, die ihm nicht gehören, denen er aber eine besondere Bedeutung zumisst.

Grösster Geldempfänger ist das Verkehrshaus in Luzern. Jährlich gibt es 1,2 Millionen Franken. Doch auch dieses Haus muss den Gürtel enger schnallen, weil immer mehr Museen Geld bekommen, der Topf aber gleich gross bleibt. Rund 310’000 Franken pro Jahr gibt es weniger. Ein «spürbarer» Betrag, heisst es. Immerhin: Eine Anpassung der Eintrittspreise sei derzeit nicht geplant.

Alles nimmt der Bund nicht

Vier ganz unterschiedliche Museen an unterschiedlichen Orten. Gemeinsam haben sie, dass sie vom Bundesamt für Kultur verwaltet werden. Wie kommt das? Das Museum für Musikautomaten wurde dem Bund 1990 vom Museumsgründer geschenkt. Die Museen im Tessin und in Winterthur der Schweiz vererbt. Das ehemalige Kloster Sankt Georgen hatte der Bund schon 1926 gekauft.

Doch nicht jeder, der ein Museum hat, kann es einfach so loswerden, indem er es dem Bund übergibt. «Der Bund kann nicht jedes Museum oder jede Sammlung übernehmen, die ihm angeboten wird», schreibt das Bundesamt für Kultur. Schliesslich fallen auch Kosten für Betrieb, Personal oder Lagerung an. «Ob eine Schenkung angenommen werden kann, wird deshalb im Einzelfall geprüft. Dabei spielt neben den finanziellen Auswirkungen auch eine Rolle, ob die Sammlung zum Auftrag und zum Profil der bestehenden Bundesinstitutionen passt.»

Denkbar ist aber, dass der Bund Museen an Private oder die Kantone überträgt. Dafür müssen allfällige Auflagen erfüllt werden. «So hat der Bund zum Beispiel im Jahre 2011 das Schloss Wildegg an den Kanton Aargau übertragen.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen