Darum gehts
- Berner Kantonsmitarbeiter beleidigt SVP-Nationalrätin per E-Mail am 16. Mai 2026
- Nationalrätin fordert respektvollen Umgang und Zurückhaltung von Kantonsmitarbeitern bei politischen Themen
- Parlamentarischer Vorstoss durch drei SVP-Kantonsräte, Regierungsrat prüfte Fall
Instagram, E-Mail, künstliche Intelligenz: Noch nie war es so einfach wie heute, Politikerinnen und Politiker anzufeinden. Wer hinter den Angriffen steckt, bleibt oft im Dunkeln. Im Fall einer SVP-Nationalrätin ist der Urheber jedoch bekannt: Es handelt sich um einen Berner Kantonsmitarbeiter. Es ist ein Fall, der am Ende sogar die Kantonsregierung beschäftigen wird.
Aber von vorne: Es ist der 16. Mai 2026 um 2.31 Uhr, die Abstimmung um die 10-Millionen-Initiative nur noch wenige Wochen entfernt. Mitten in der Nacht erhält eine SVP-Nationalrätin – sie will anonym bleiben – ein E-Mail, das Blick vorliegt. «Mein grösstes Problem mit Ihnen/der Partei (SVP) ist: Ihre verwegene DUMMHEIT. Und wohin das noch führen wird?», steht darin. Die Nationalrätin antwortete auf das E-Mail – mit einer ironischen Freundlichkeit. Dabei bestätigte ihr der Absender sogar noch, dass er beim Kanton angestellt sei.
«Erwarte einen respektvollen Umgang»
Gegenüber Blick äussert sich die Nationalrätin deutlich. «Es ist vollkommen in Ordnung, wenn jemand eine andere Meinung hat.» Doch man müsse respektvoll bleiben und sich mit der Wortwahl etwas zurückhalten. Wer beim Kanton arbeite, dürfe zwar eine politische Meinung haben und sich auch engagieren – etwa in einem Gemeinderat. Doch es sei grundsätzlich nicht die Aufgabe eines Kantonsmitarbeiters, sich politisch zu äussern. «Ich erwarte von den Leuten in der Verwaltung einen respektvollen Umgang», sagt sie weiter.
Klare Vorschriften, was Kantonsmitarbeiter sagen dürfen oder nicht, möchte die Nationalrätin hingegen nicht. «Ich erwarte von Leuten in einer solchen Funktion, dass sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben.» Gerade in Zeiten, wo man eine zunehmende Respektlosigkeit in den sozialen Medien feststelle, habe ein Kantonsmitarbeiter auch eine Vorbildfunktion.
«Er hat gemerkt, dass er zu weit gegangen ist», weiss die Nationalrätin. Das geht auch aus dem kurzen E-Mail-Verlauf hervor. «Meine Mail war unterdurchschnittlich konstruktiv», schreibt der Absender. «Mit den Jahren nimmt die Frustration gegenüber den Inhalten Ihrer Partei und dem Bewirtschaften der ewig gleichen Themen laufend zu.»
«Dem Ruf des Kantons nicht schaden»
Sie selbst habe keine Beschwerde beim zuständigen Regierungsrat gemacht, und auch keinen Vorstoss angestrebt, so die SVP-Nationalrätin zu Blick. Dennoch schaffte es das Mail bis in den Berner Regierungsrat. Die SVP-Kantonsräte Reto Zbinden (41), Andrea Gschwend-Pieren (48) und Thomas Fuchs (60) reichten einen parlamentarischen Vorstoss im Grossen Rat ein.
«Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung haben selbstverständlich Anspruch auf eine persönliche Meinung», heisst es darin. Doch eine beleidigende Kommunikation werfe «Fragen hinsichtlich Professionalität, Neutralität und Vertrauenswürdigkeit der Verwaltung auf». Vom Regierungsrat wollten sie nun wissen, wie er den Vorfall beurteile.
Der Regierungsrat habe keine Kenntnis davon und könne deswegen auch nicht konkret Stellung nehmen, heisst es in der Antwort «Sollte der Vorfall tatsächlich so geschehen sein, würde der Regierungsrat ihn nicht gutheissen und die vorgesetzten Stellen zu geeigneten Massnahmen auffordern.» Es sei klar, dass Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung «sich in ihren privaten Beziehungen so zu verhalten haben, dass sie dem Ruf des Kantons nicht schaden.»
Für die SVP-Nationalrätin ist nach diesem Fall klar: «Man müsste wieder einmal einen Appell an die Belegschaft richten.» Dies sei jedoch kein Vorwurf an den Regierungsrat. Schliesslich könne man Vorgesetzte nicht für jede Äusserung ihrer Mitarbeitenden verantwortlich machen.