Darum gehts
- Das VBS plant, UKW-Notfallradio durch digitale Kanäle zu ersetzen
- Offiziere warnen vor gefährlicher Lücke durch Verzicht auf UKW
- Schweiz hat über 360'000 Schutzräume, wo UKW-Signale unverzichtbar sind
Sei es ein extremes Unwetter, ein Chemieunfall oder sogar ein kriegerischer Angriff – tritt der Ernstfall ein, sind Warnung und Information entscheidend für den Schutz der Bevölkerung. Um die Reichweite noch zu erhöhen, will das VBS die Infokanäle umkrempeln. Vorgesehen sind neben dem Sirenenalarm vor allem digitale Kanäle wie die Handyalarmierung.
Nun aber schlagen Schweizer Offiziere Alarm. Denn gleichzeitig plant das Bundesamt für Bevölkerungsschutz die Abschaltung des UKW-Notfallradios. Begründet wird dies etwa mit dem teuren Unterhalt. Die Schweizer Offiziersgesellschaft (SOG) sieht darin ein «Hochrisiko-Experiment». Die Strategie führe zu einer «gefährlichen Lücke».
Verzicht könnte fatale Folgen haben
In den schweizweit über 360'000 Schutzräume würden digitale Signale wie DAB+ oder Mobilfunk an ihre Grenzen stossen. UKW bleibe der einzige Kanal, der durch die dicken Betonmauern nicht blockiert werde, so die Offiziere. Das aber könne zum Problem mit verheerenden Folgen werden.
So folge einer Alarmierung mit Aufforderung zum Schutzraumbezug die regelmässige Lage-Information und irgendwann später die Entwarnung, nennt die SOG ein Beispiel. «Es wäre fatal, wenn Schutzsuchende gezwungen sind, die gesicherte Anlage zu verlassen, nur um zu erfahren, ob die Gefahr vorüber ist.» Die voreilige UKW-Abschaltung sei zu stoppen, solange keine gleichwertige Nachfolgelösung bereitstehe.
Amt glaubt nicht an längere Schutzaufenthalte
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz zeigt sich von seiner Strategie überzeugt. Wegen der zu erwartenden Szenarien schätzt es den UKW-Empfang als weniger zentral ein als die rasche Information ausserhalb der Schutzräume. Sogar im Kriegsfall geht das Amt davon aus, dass kurzzeitige Aufenthalte im Schutzraum wahrscheinlicher seien als einer über Wochen und Monate. Unklar bleibt aber, wie die Bevölkerung davon erfährt, ob die Luft wieder rein ist.
Hinzu kommt: Einzig das UKW-Notfallsystem sei baulich geschützt sowie unabhängig von der Stromversorgung und dem Internet. «Es kann auch bei Stromausfällen, Cyber-Sabotage oder im Verteidigungsfall die Bevölkerung verlässlich informieren», betont die Offiziersgesellschaft. Ein Verzicht auf diesen Kanal würde die staatliche Handlungsfähigkeit massiv schwächen und der Bevölkerung im Ernstfall allenfalls die Informationsbasis entziehen.
Noch bis anfangs Februar können sich die verschiedensten Seiten in einer öffentlichen Vernehmlassung zur geplanten Modernisierungsstrategie äussern. Für die Offiziersgesellschaft ist klar: Das Notfallradio ist nach wie vor unverzichtbar, ein Rückbau viel zu riskant. Hier gehe Widerstandsfähigkeit vor Modernisierungseifer.