GPS-Halsband für Kühe
Stromschlag statt Weidezaun? Warum sogar der Tierschutz Vorteile sieht

Ein Nationalrat fordert GPS-Halsbänder, die Schweizer Nutztieren mit leichten Stromstössen signalisieren, wo die Weide endet. Der Schweizer Tierschutz kann der Idee trotz Bedenken Positives abgewinnen.
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Der Kuhzaun könnte verschwinden.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nationalrat fordert GPS-Halsbänder statt Zäune für Nutztiere in der Schweiz
  • Studie: Tiere blieben auf Weiden, keine negativen Effekte festgestellt
  • Hochalpine Landwirte könnten jährlich 35 Kilometer Zaunbau durch GPS sparen
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Marco Cousin
Beobachter

Wenn Kühe, Ziegen oder Schafe auf einer Weide grasen, braucht es sie: Zäune. Landwirte kosten diese aber stundenlange Arbeit. Pro Woche können schnell bis zu 20 zusätzliche Arbeitsstunden anfallen, wenn Zäune reparaturbedürftig sind oder das Vieh auf eine andere Weide gebracht und neu eingezäunt werden muss.

Der Berner Nationalrat Ernst Wandfluh (SVP) will das ändern und fordert, dass die Schweiz GPS-Halsbänder für Nutztiere erlaube.

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Elektrobatterie um den Hals

Würden GPS-Halsbänder erlaubt, könnten Schweizer Landwirte Weiden für ihre Nutztiere digital über eine Smartphone-App festlegen. Zäune bräuchte es nicht mehr, denn wenn ein Tier den digital abgesteckten Bereich überschreitet, löst das GPS-Halsband zuerst ein akustisches Warnsignal aus.

Geht das Tier weiter, folgt ein leichter Stromschlag. Wenn sich der GPS-Sender noch weiter entfernt, alarmiert das Smartphone den Besitzer, und die Reize vom Halsband werden deaktiviert. Dank dem GPS lässt sich jedes entlaufene Tier vom Smartphone aus lokalisieren.

Das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung (Agroscope) hat von 2021 bis 2023 eine Studie zu virtuellen Zäunen durchgeführt. Die Resultate fielen positiv aus, die Tiere blieben in der digital eingezäunten Weide. Beim Fressverhalten und der Milchleistung der Kühe gab es keine signifikanten Unterschiede, auch der Cortisol-Spiegel in der Milch veränderte sich nicht.

Weniger Bauen, mehr Menschenkontakt?

In Norwegen, Schweden, Grossbritannien, den USA und Irland sind die GPS-Halsbänder schon erfolgreich im Einsatz. In der Schweiz könnten sie gerade für Landwirte im hochalpinen Bereich Vorteile bieten. Einer davon ist Ivo Clalüna, der eigentlich anders heisst. Er ist Landwirt im Oberengadin und bringt seine Tiere jeden Sommer auf eine Alp im Hochgebirge, wo sie auf über 2000 Meter über Meer leben. Er sagt: «Dort oben meinen 35-Kilometer-Zaun aufzustellen, ist eine Riesenarbeit. Das einzusparen, wäre auf jeden Fall eine Erleichterung.»

Ob die GPS-Halsbänder Nutztiere ausreichend vor dem Kontakt mit Menschen oder anderen Tieren schützen, ist eine andere Frage. Clalüna erklärt: «Ein Zaun hält Hunde und Menschen davon ab, den Tieren zu nahe zu kommen. Gerade in einer Herde mit Mutterkühen und ihren Kälbern braucht es eine physische Grenze.»

Bedenken trotz Lerneffekt

Auch der Schweizer Tierschutz (STS) gibt sich auf Anfrage des «Beobachters» verhalten optimistisch: «Der Schweizer Tierschutz STS begrüsst grundsätzlich Bestrebungen, Hindernisse und Barrieren in der Landschaft zu reduzieren und so die Durchgängigkeit für Wildtiere zu verbessern.»

Gleichzeitig verweist der STS darauf, dass virtuelle Zäune mit Unvorhersehbarkeit verbunden seien: «Tiere zeigen wiederholt Anzeichen von Unbehagen gegenüber den akustischen und elektrischen Signalen. Auch wenn ein Lerneffekt erkennbar ist, bleibt für die Tiere eine gewisse Unvorhersehbarkeit bestehen.»

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