«Fass ohne Boden»
Mitte-Nationalrat schiesst gegen Berater-Armada beim Bund

Der Bund gibt jährlich Dutzende Millionen für externe Berater aus. Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner sieht das kritisch, er fordert vom Bundesrat Transparenz und Kostenwahrheit.
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Gutachten, Beratungen, Expertisen: Der Bund vergibt jährlich Dutzende Millionen an externe Berater.
Foto: Christian Kolbe

Darum gehts

  • Externe Berater des Bundes kosten Dutzende Millionen Franken im Jahr 2024
  • Mitte-Nationalrat Rechsteiner kritisiert steigende Ausgaben trotz 39’000 Bundesstellen
  • Kanzlei berechnete 66 Millionen Franken für Bewirtschaftung der Covid-Betrugsfälle
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Zuerst hat der Bund sie beschäftigt. Jetzt beschäftigen sie die Politik: die externen Beraterinnen und Berater, die von der Bundesverwaltung angestellt werden. 673 Millionen Franken gab der Bund 2024 für externe Dienstleistungen und Berater aus. Wie viele davon rein auf Beratungsmandate entfielen, ist nicht klar. 2021 waren es 175 Millionen Franken, wie frühere Zahlen zeigen.

Das stösst Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner (54, AI) sauer auf. «Es stellt sich die Frage, weshalb externe Berater den gut qualifizierten Mitarbeitenden der Bundesverwaltung vorgezogen werden», hält Rechsteiner in einem Vorstoss fest. Er fordert «Transparenz und Kostenwahrheit».

Denn, so Rechsteiner: «Die Bundesverwaltung wächst und wächst. Trotzdem wird immer mehr Geld für Beratungen und externe Dienstleistungen ausgegeben.» Der Mitte-Politiker bezeichnet das Beraterwesen in seinem Vorstoss als «Fass ohne Boden». Fast 39’000 Vollzeitstellen zählt der Bund. 

«Vielzahl von marginalen Themen»

Rechsteiner fordert nun, dass der Bundesrat in einem Bericht aufzeigt, welche Mandate die Verwaltung in den vergangenen zehn Jahren vergeben hat. Als «Spitzenreiterin im Vergeben von externen Mandaten» sieht Rechsteiner die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit.

Diese vergebe «für eine Vielzahl von teilweise marginalen Themen immer wieder externe Aufträge an ihr genehme NGOs und Beratungsunternehmen». Ob das Parlament dem Vorstoss zustimmt, steht noch nicht fest. 

Regelmässig gibt es Schlagzeilen

Beratermandate sorgen laufend für Aufsehen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Bund die Kanzlei Kellerhals Carrard mit der Verfolgung mutmasslicher Covid-Betrugsdelikte beauftragt hat. Rund 6000 Strafanzeigen wurden eingereicht. Die Kosten: Über 66 Millionen Franken hat die Kanzlei dem Bund bisher verrechnet. 

Auch die frühere VBS-Chefin Viola Amherd (63) hatte wiederholt Gelder für Beratungen ausgegeben. So wurden frühere Top-Beamte oder ihre persönliche Beraterin per Mandat weiterbeschäftigt. Amherd liess auch Gutachten zu den angeblichen Fixpreisen für die US-Kampfjets ausfertigen. 

Das Aussendepartement wiederum beschäftigte Mario Gattiker, den früheren Staatssekretär für Migration, bei den Verhandlungen zum EU-Rahmenabkommen. Kostenpunkt: 70'000 Franken.

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