Es gibt ein fettes Aber
Plötzlich Lehrlings-Land! So jagt Frankreich die Schweiz

Die Schweiz gilt bei der Berufsbildung als Land Nummer eins. Doch Frankreich hat unter Präsident Emmanuel Macron spektakulär aufgeholt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings: Die Erfolgsgeschichte hat einen Haken.
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Frankreich, das Land der Universitäten?
Foto: Imago/Photothek

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Frankreich holt bei beruflicher Ausbildung auf, die Schweiz bleibt knapp vorne
  • Die Schweiz hat 4 Lernende pro 100 Erwerbstätige, Frankreich 3,5, Deutschland 2,9
  • Die Berufsbildung wurde von Paris mit viel Staatsgeld unterstützt
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Frankreich? Da denkt man an Studierende in prunkvollen Hörsälen, eher nicht an Lehrlinge in Werkstätten oder Büros. Die Berufsbildung war in der Grande Nation lange wenig prestigeträchtig. Ganz anders ist es in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die drei Länder gelten als Hochburgen der dualen Berufsbildung.

Doch dieses Bild gerät ins Wanken. Unter den traditionellen Lehrländern zieht die Schweiz zunehmend davon. Während die Berufslehre hierzulande noch stark verankert ist, verliert sie in Deutschland und Österreich an Bedeutung. Das zeigte vor einem Jahr ein Bericht von öffentlichen Institutionen, darunter das Schweizerische Observatorium für die Berufsbildung. 

Nun haben die Bildungsforscher den Horizont erweitert. Und dabei wird eine überraschende Entwicklung sichtbar: Die Schweiz hat starke Konkurrenz aus Frankreich bekommen. Das Land hat bei der betrieblichen Ausbildung spektakulär aufgeholt. Was steckt dahinter? Und muss die Schweiz gar um den Spitzenplatz fürchten? Blick hat die Zahlen genauer analysiert.

Wie nah kommt Frankreich der Schweiz?

Die Forscher schauten sich eine spezifische Kennzahl an: Sie setzten die Zahl der betrieblich Auszubildenden ins Verhältnis zu allen Erwerbstätigen (siehe Grafik). In der Schweiz kommen demnach auf 100 Erwerbstätige rund vier Lernende. Damit liegt sie weiterhin vorne. Doch Frankreich ist mit rund 3,5 Lernenden pro 100 Erwerbstätige dicht herangerückt – und hat Deutschland (2,9 Lernende) und Österreich (2,4) bereits abgehängt. 

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Was steckt hinter dem Lehrlings-Boom?

Die nackten Zahlen sind eindrücklich: 2017 wurden in Frankreich rund 306'000 neue Lehrverträge abgeschlossen, 2024 waren es 879'000 – fast dreimal so viele. 

Hinter dem Aufschwung steht auch Präsident Emmanuel Macron (48). 2018 liess er die Berufsausbildung grundlegend reformieren. Anreize für Unternehmen wurden, so formulieren es die Forscher, «beträchtlich erhöht». Regeln wurden gelockert, Ausbildungsangebote liberalisiert. Vor allem aber hat die Macron-Regierung den Boom mit Milliarden angeschoben: Ab 2020 gab es massive staatliche Hilfen für Unternehmen, die Lehrlinge einstellten.

Warum hat die Sache einen Haken?

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Man muss die Zahlen aus Frankreich relativieren. Denn unter einer Lehre versteht man dort keine Stifti à la Schweiz. 

Auch Studierende können in Frankreich einen Lehrvertrag haben. Sie wechseln zwischen Hochschule und Betrieb, beziehen einen Lohn und erwerben dabei Diplome, die von zweijährigen Ausbildungen nach dem Gymnasium bis hin zu Abschlüssen mit Bachelor oder Master reichen. Mittlerweile absolvieren fast zwei Drittel der französischen Lernenden eine solche Ausbildung auf Hochschulstufe. 

Spitz gesagt: Die Schweiz hat dank Berufsmatur und Passerelle den Weg von der Lehre an die Hochschule geöffnet – diese Durchlässigkeit gilt als Erfolgsfaktor. Frankreich hingegen hat den Lehrvertrag quasi bis in die Hochschulen getragen. Die Fachleute sprechen auch von einer «Verschulung der Berufsbildung». 

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Was passiert, wenn Paris den Geldhahn zudreht?

Der entscheidende Test hat in Frankreich womöglich erst begonnen. Inzwischen hat Paris nämlich die Förderung zurückgefahren. Prompt sank die Zahl der neuen Lehrverträge wieder etwas. Das zeigt eine aktuelle Auswertung, auf die sich die Zeitung «Le Monde» stützt.

Der französische Rechnungshof (eine Art Finanzkontrolle) forderte bereits früher, die milliardenschweren Hilfen lieber gezielter einzusetzen. Und der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen warnte die Regierung, mit den Kürzungen die Dynamik der Lehre abzuwürgen.

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