Darum gehts
- Der Bund gibt wegen Kerosinmangels bis 29. November 50'000 m³ Flugpetrol aus Pflichtlagern frei
- Raffinerieprobleme in Südfrankreich und Deutschland sowie Bahnausfälle verursachen Engpässe
- Zürich und Genf sind auf Vorräte angewiesen, es ist die vierte Notmassnahme seit September
Die Schweiz kämpft erneut mit einem Engpass beim Kerosin. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen müssen die Pflichtlager angezapft werden, wie das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) am Dienstagnachmittag mitteilt. Grund dafür sind Produktionsprobleme in Raffinerien in Südfrankreich und Deutschland sowie Unterbrechungen im Bahnverkehr.
Um die Versorgung sicherzustellen, hat der Bund die Freigabe von bis zu 50'000 m³ Flugpetrol aus den Pflichtlagern bewilligt. Die Regelung soll bis zum 29. November gelten. Bereits im Oktober 2026 wurden 30'000 m³ entnommen. Damit könnten insgesamt 17,4 Prozent der gesamten Pflichtlagerbestände genutzt werden, schreibt das BWL.
Bereits vierter Pflichtlager-Bezug seit September
Verantwortlich für den Entscheid ist der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister. Er kann eigenständig bis zu einem Fünftel der Reserven freigeben. Für grössere Mengen wäre dagegen eine Entscheidung des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) notwendig.
Laut dem Bund sind die Flughäfen in Zürich und Genf trotz geringer Nachfrage im November dringend auf die Vorräte angewiesen. Denn die Versorgungslage bei den Mineralölprodukten sei bereits seit Monaten angespannt. Eine der Hauptursachen: die stark eingeschränkte Rheinschifffahrt, die den Transport von Treibstoffen massiv behindert. Auch alternative Transportwege wie die Schiene oder Strasse sind inzwischen überlastet. Zusätzliche Verzögerungen oder Ausfälle verschärfen die Situation direkt weiter.
Es ist bereits die vierte Notmassnahme des Bundes seit dem September. Beim Dieselöl läuft eine derzeitige Freigabe aus den Pflichtlagern noch bis zum 22. November. Bei Benzin und Heizöl sei die Versorgung dagegen aktuell noch sichergestellt, auch wenn angespannt. Die Branche versuche «mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln» weitere Massnahmen zu verhindern, so das BWL.