Darum gehts
- Der tiefe Pegelstand des Rheins belastet den Gütertransport
- Das BWL öffnet Pflichtlager; Flughäfen bleiben versorgt
Logistikprobleme auf den Schienen bringen die Schweizer Energieversorgung unter Druck: Wegen massiver Verspätungen und Ausfälle im grenzüberschreitenden Güterverkehr gerät der Nachschub an Treibstoffen ins Stocken. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) reagiert auf die Lieferengpässe und erlaubt für eine beschränkte Zeit die Pflichtlager anzuzapfen. Das gab das Amt am Donnerstag bekannt.
Hauptursache für die Engpässe sind erhebliche Verzögerungen bei ausländischen Bahngesellschaften. Gerade in Deutschland kommt es immer wieder zu Verspätungen. Ein Problem ist zudem, dass aufgrund des tiefen Pegelstands auf dem Rhein zusätzliche Transporte anderer Güter bereits auf die stark ausgelastete Schiene verlagert wurden. Die ausgefallenen Lieferungen können deshalb nicht rechtzeitig nachgeholt werden.
Vom 15. Oktober bis am 1. November wird deshalb das Pflichtlager geöffnet. Bis zu 30’000 Kubikmeter Kerosin darf in dieser Zeit bezogen werden. Mit den bewilligten Bezügen kann der Markt gezielt gestützt und die drohende Versorgungslücke überbrückt werden. Auch die Versorgung der Schweiz mit Benzin, Dieselöl und Heizöl hat sich gegenüber der Vorwoche verschlechtert, diese sei jedoch weiterhin sichergestellt, so das BWL.
Bund warnt – Flughafen Zürich will davon nichts wissen
Dem Flughafen Zürich droht also ohne Gegenmassnahmen eine Unterversorgung mit Kerosin. Auf eine Anfrage von Blick von heute Morgen gab der Airport in Kloten ZH allerdings noch Entwarnung: «Am Flughafen Zürich gelten derzeit keine Einschränkungen bei der Betankung von Flugzeugen», teilte eine Sprecherin mit. «Uns liegen aktuell keine Hinweise auf einen Versorgungsengpass vor.»
Gleich tönt es in der Romandie: «Der Flughafen Genf hat bislang keine Schwierigkeiten bei der Treibstoffversorgung festgestellt und rechnet auch nicht damit», so ein Sprecher.
Auch am Flughafen Frankfurt (D) wird der Treibstoff knapp: Wegen eingeschränkter Pipeline-Kapazitäten kann es dort zu Engpässen bei der Betankung von Flugzeugen kommen. Ausserdem können Tankschiffe wegen des tiefen Rheinpegels kaum noch Kerosin liefern.
Wie wirkt sich die angespannte Lage an den Heimflughäfen und dem wichtigen Drehkreuz in Deutschland auf die Swiss aus? Die Airline hat bereits reagiert, wie sie gegenüber Blick mitteilt: Auf Flügen von Zürich und Genf nach Frankfurt tankt sie derzeit genügend Kerosin, um auch den Rückflug ohne Nachtanken in Deutschland absolvieren zu können. Auswirkungen auf den Flugbetrieb habe dies allerdings nicht, betont die Swiss. Sämtliche Flüge könnten wie geplant durchgeführt werden. Wegen der kurzen Strecke gebe es auch keine Einschränkungen bei der Zahl der Passagiere oder der transportierten Fracht.