Ende der Generation Blocher?
Die Gründe für die krachende Niederlage

Es war Christoph Blochers Herzensprojekt. Beim Volk aber hatte die Neutralitätsinitiative keine Chance. Die Gründe dafür: Der grosse Generationenwechsel. In der SVP, aber auch im Stimmvolk. Der Kommentar.
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Niederlage kassiert: Die Neutralitäts-Initiative von SVP-Übervater Christoph Blocher hatte beim Volk keine Chance.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Christoph Blochers Neutralitäts-Initiative scheitert mit nur 30 Prozent Zustimmung landesweit
  • Jüngere Generation lehnt Neutralität ab, wenn sie Gleichgültigkeit gegenüber Russland bedeutet
  • 85-jähriger Blocher verliert Einfluss, Tochter Martullo übernimmt zunehmend seine Rolle
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

SVP-Übervater Christoph Blocher (85) war auf allen Kanälen. Er tingelte durch Medien und Land, als ob er noch der starke Mann der Volkspartei wäre. Doch die Wahrheit ist eine andere: Blochers Befehlskraft reichte nicht mehr, um das Kader seiner eigenen Partei für die Neutralitäts-Initiative aufzubieten. Auch die bekanntesten Köpfe taten, als ob sie mit Blochers Lieblingsprojekt nicht viel zu tun hätten.

Die SVP hat ihren Übervater sitzenlassen. Es ist offensichtlich: Blocher ist nicht mehr die alles durchdringende Figur in der Partei. Ein Generationenwechsel hat stattgefunden.

Beim Volk hatte Blocher ebenso wenig Durchschlagskraft wie in seiner Partei. Nur um die 30 Prozent stimmten zu. Hat ihn sein Gespür für das Volk verlassen?

Auch hier ist offensichtlich. Es gab einen Generationenwechsel.

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Blocher hat sich bei Russland verschätzt

Christoph Blocher lancierte die Initiative, weil sie ihm persönlich viel bedeutet. «Ich bin an der Grenze aufgewachsen, wir haben damals die Nazi-Deutschen gehasst. Aber die Schweiz musste streng neutral bleiben, auch gegenüber dem Angreifer Deutschland. So hat die Schweiz den furchtbaren Weltkrieg unbeschadet überstanden», sagte er im Interview mit Blick. Blochers Generation, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt hat, sieht in der Neutralität den besten Weg, dass die Schweiz vor Krieg verschont bleibt.

Jetzt aber herrscht Krieg am Rand Europas. Tonangebend ist eine Generation, die den Zweiten Weltkrieg nicht mehr miterlebt hat. Eine Generation, die im Herzen eines gewaltfreien Europas aufgewachsen ist. Krieg oder Militär sind in weiter Ferne, der Friede wird als selbstverständlich angesehen.

Den Frieden wolle beide Seiten. Der Weg dorthin ist aber ganz unterschiedlich

Diese Generation ist im Frühling 2022 erschüttert worden. Russland hat einen Krieg begonnen und die europäische Friedensidee zerstört. Das Nein ist nicht gegen die Neutralität an sich. Aber diese Generation will nicht neutral sein, wenn das Gleichgültigkeit gegenüber Russland heissen könnte. Sie will zusammen mit anderen westlichen Staaten für den Friedenstraum einstehen.

Zu lange hat Blocher das Russland-Problem ignoriert. Erst gegen Ende des Abstimmungskampfs äusserte er sich klarer. Das kam zu spät und hat ihm eine empfindliche Niederlage eingebracht. 

Das Ende der Generation Blocher? Der Kampf um die EU-Verträge wird Blocher ebenso beschäftigen wie jetzt die Neutralitäts-Initiative. Dort tingelt aber schon jetzt Tochter Magdalena Martullo (57) durchs Land und ist auf allen Kanälen. Die Generation ist eine andere. Die Blochers bleiben.

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