Elektroautos teurer als Verbrenner?
Verkehrsabgabe in St. Gallen sorgt für Riesen-Ärger

Elektroautobesitzer zahlten in St. Gallen jahrelang kaum Steuern. Das neue Bonus-Malus-System trifft nun aber genau die klimafreundlichen Verkehrsteilnehmer. Der Ärger ist gross.
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Mit der Strassenverkehrsabgabe werden die Strassen im Kanton finanziert.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Neue Motorfahrzeugsteuer in St. Gallen verursacht Kritik
  • Elektroautos zahlen oft mehr Steuern wegen Gewicht und Motorleistung
  • VW ID.3 kostet 363 CHF, Benzin-Golf nur 346 CHF jährlich
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Seit Anfang Jahr gilt im Kanton St. Gallen eine neue Motorfahrzeugsteuer – und sie sorgt für heftigen Gegenwind. Besonders Elektroautobesitzer fühlen sich vor den Kopf gestossen. «Ich fühle mich verarscht», sagt Daniel Härter dem «St. Galler Tagblatt». Auch Peter Humm kritisiert: «Die St. Galler Regierung nimmt den Klimawandel nicht ernst.» 

Auslöser der Reform war ein finanzielles Ungleichgewicht. Die Strassenverkehrsabgabe finanziert die Kantonsstrassen. Weil Elektroautos in den ersten vier Jahren steuerbefreit waren, fehlten Einnahmen in der Kasse. Der Kantonsrat beschloss deshalb eine Totalrevision: Künftig sollen Fahrzeuge nicht mehr nur nach Gewicht, sondern auch nach Leistung besteuert werden. Ein Bonus-Malus-System sollte zudem effiziente Antriebe technologieneutral fördern.

Elektroautos zahlen teils mehr als Verbrenner

Doch genau an diesem Punkt entzündet sich die Kritik. Seit dem 1. Januar 2026 ist die neue Abgabe in Kraft. Zwar erhalten besonders effiziente Fahrzeuge der Kategorie A einen Steuerbonus von 50 Prozent und solche der Kategorie B 25 Prozent. Dieser Rabatt ist jedoch auf vier Jahre befristet. Danach fällt der volle Betrag an.

Gleichzeitig bleibt der Malus für ineffiziente Fahrzeuge moderat: Autos der Kategorien F und G zahlen dauerhaft 12,5 beziehungsweise 25 Prozent mehr – deutlich unter dem möglichen Höchstsatz.

In der Praxis führt das zu paradoxen Effekten. Elektroautos sind wegen ihrer Batterie schwerer und verfügen deswegen über stärkere Motoren. Beides wirkt sich negativ auf die Steuer aus. Ein Vergleich der Zeitung zeigt: Für einen kleinen VW Golf mit Benzinmotor fallen 346 Franken Steuern an. Das vergleichbare Elektromodell VW ID.3 kostet trotz 25 Prozent Bonus 363 Franken – wegen höherem Gewicht und mehr Leistung.

Beim Fiat 500 wiederum profitiert das Elektroauto zunächst von der höchsten Effizienzkategorie und kostet 161 Franken statt 267 Franken für die Hybridversion. Doch nach vier Jahren steigt die Abgabe auf 322 Franken – und liegt damit über dem Hybrid.

Andere Kantone haben hohe Rabatte

Für viele Betroffene ist das ein falsches Signal. Peter Humm erinnert im «Tagblatt» etwa daran, dass Elektroautos in den Nachbarkantonen meist nur einen Bruchteil von Verbrennern zahlen. 

Tatsächlich sind sie etwa auch in den Kantonen Zürich, Glarus und Solothurn ganz steuerbefreit. Zumindest derzeit – in Solothurn soll ab dem nächsten Jahr ein neues System eingeführt werden, das auch Elektrofahrzeuge besteuert. In Basel-Stadt, Bern und Graubünden gibt es eine deutliche Steuerreduktion.

Auch im St. Galler Kantonsrat gibt es nun kritische Fragen. Die SVP vermutet etwa, dass die neue Bemessung zu Mehrbelastungen führe. GLP-Vertreter bemängeln die ökologische Wirkung des Systems. Die Regierung selbst verweist auf hängige Vorstösse und äussert sich vorerst nicht. 

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