Darum gehts
- NDB erfasst 922 auffällige Internet-Nutzer im Rahmen der Terrorismusabwehr
- Die Zahl steigt stetig, vor allem Jugendliche tummeln sich auf einschlägigen Websites
- Der Zugang zu Plattformen terroristischer Gruppierungen ist leicht
Der 18-Jährige gehört zu den «auffälligen Nutzern», wie der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) die Personen bezeichnet, die im Internet dschihadistisches Gedankengut verbreiten und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Im Frühling nahm die Polizei den jungen Aargauer fest, der sich über die sozialen Medien radikalisiert hatte. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtete, lud der schweizerisch-türkische Doppelbürger im Internet eine Anleitung zur Sprengstoffherstellung herunter. Nun ermittelt die Bundesanwaltschaft, der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft.
Die wenigsten «auffälligen Nutzer» sind bedrohlich radikal oder hegen Anschlagpläne. Inzwischen sind es 922 Personen, die der NDB im Rahmen der Terrorismusabwehr in einem Monitoring erfasst. Das sind 30 mehr als noch im vergangenen Mai. Der NDB publizierte die neuste Statistik vor wenigen Tagen im Web.
Im Internet unterwegs
Das Monitoring besteht seit 2012 und identifiziert Nutzer von dschihadistischen Internetseiten, sozialen Medien und Foren von terroristischen Gruppierungen. Die Zahl der Erfassten steigt stetig, vor allem weil Jugendliche erleichtert Zugang zu den einschlägigen Netzwerken hätten, wie der NDB analysiert.
Die Plattformen ermöglichten den Nutzern den Zugang in andere Welten, den Austausch mit Gleichgesinnten und den Aufbau virtueller Netzwerke über Landesgrenzen hinweg. Diese Anreize sieht der NDB als Beweggründe der Jugendlichen, sich in solchen Tiktok- oder Telegram-Kanälen zu bewegen.
Neuaufstellung des Diensts
Seit Anfang November steht Serge Bavaud (52) dem NDB vor. Der neue Direktor muss den Dienst neu strukturieren, unzufriedenes Personal motivieren und gegen die Folgen geopolitischer Unruhen ankämpfen. Die Bedrohungen und Spannungen werden mit Bavauds Amtsantritt nicht kleiner.