Die unbekannte Macht von Bern
Sie besitzt über eine Milliarde – und ein Drittel der Stadt

Der Verkauf einer Bank rückt die Berner Burgergemeinde ins Rampenlicht. Die Institution gehört zu den mächtigsten Akteuren der Bundesstadt: Sie verfügt über Vermögen in Milliardenhöhe, besitzt Hunderte Wohnungen und viel Land. Wie gross ist ihr Einfluss?
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Die Burgergemeinde ist in Bern einflussreich, aber steht nur selten im öffentlichen Fokus. Gerade sorgt sie mit einem Bank-Deal für Schlagzeilen.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Berner Burgergemeinde verkauft 2026 die DC Bank
  • Sie besitzt 32 Prozent des Stadtbodens und Vermögen von 1,2 Mrd. CHF
  • Burgergemeinde ist seit Jahrzehnten umstritten
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Patrick GerberRedaktor Politik

«Sit dir öpper oder nämet dir Lohn»: Wegen solcher Bonmots ist Elisabeth de Meuron-von Tscharner (1882–1980) bis heute bekannt. Die Bernburgerin, reich geworden durch Erbschaften, galt als eines der letzten Gesichter der Berner Aristokratie. Nicht nur die Anekdoten über das Stadtoriginal haben die Zeit überdauert, sondern auch der Einfluss der Burgergemeinde. Sie ist eine weitgehend unbekannte Macht, die bis heute grosse Teile der Bundesstadt prägt.

Für nationale Schlagzeilen sorgt sie nur selten. Aktuell war das für einmal anders. Die Burgergemeinde verkaufte die DC Bank, die ihr seit 1825 gehörte – für rund 115 Millionen Franken an die BK Stiftung der Visana. Damit erziele man «weder einen Gewinn noch einen Verlust». 

Doch der Reihe nach: Die heutige Berner Burgergemeinde wurde 1832 gegründet und gehört zu den reichsten und bedeutendsten der Schweiz. Sie hat ein eigenes Parlament, zahlreiche Institutionen und prägt das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Bernburger wird man durch Abstammung oder Adoption. Heute hat sie rund 18'000 Mitglieder. 

Auch wirtschaftlich ist die Burgergemeinde ein Machtfaktor. Sie besitzt rund 32 Prozent des Bodens der Einwohnergemeinde – und ist damit die grösste Grundeigentümerin der Stadt. Zu ihrem umfangreichen Immobilien- und Landbesitz gehören rund 1150 Wohnungen, etwa 3700 Hektar Wald, das Casino Bern sowie Teile der St. Petersinsel im Bielersee. 

Das Vermögen der Burgergemeinde beläuft sich gemäss dem Portal «Hauptstadt» auf rund 1,2 Milliarden Franken. Auch der jährliche Ertrag lässt sich sehen: etwa 50 Millionen Franken. 

Zwischen Erbprivilegien und Gemeinwohl

Dieses Geld kommt heute der Allgemeinheit zugute. «Die Burgergemeinden setzen sich nach Massgabe ihrer Mittel zum Wohl der Allgemeinheit ein», steht in der Kantonsverfassung. Die Berner Burgergemeinde engagiert sich etwa in den Bereichen Bildung, Kultur, Sport oder auch Wissenschaft. Während viele dieses Engagement positiv sehen, zweifeln andere die Daseinsberechtigung der Burgergemeinde an – auch wegen ihrer Geschichte. 

Zu den schärfsten Kritikern gehören die Jungsozialisten der Stadt Bern. In einem offenen Brief bezeichneten sie die Burgergemeinde 2025 gar als undemokratisch. 102 Personen sowie mehrere linke Parteien unterschrieben das Schreiben. Die Burgergemeinde beruhe nicht «auf dem Prinzip der Gleichheit aller Bürger». Sie unterliege «keiner demokratischen Kontrolle durch die Stadtberner Bevölkerung» und verkörpere «ein Relikt, das auf Erbprivileg und Vermögensbesitz gründet», kritisierte die Juso. Auch die Stadtberner SP forderte bereits die Auflösung – und die liberale Denkfabrik Avenir Suisse kritisierte ihre «Klientelpolitik». 

Nährstoff liefert den Kritikern bis heute eine Dissertation von 2008. Darin setzte sich die Berner Historikerin Katrin Rieder kritisch mit der Burgergemeinde auseinander. Die Burger seien eine «gesellschaftliche Elite» und klassische Grossgrundbesitzer, die ihre Macht in Politik, Gesellschaft und Geschichtsschreibung ausspielten, wie es Rieder damals in einem Interview mit der «WOZ» formulierte. Ohne die Burgergemeinde wäre die Einwohnergemeinde reicher und die Stadtbevölkerung hätte mehr Mitspracherecht, erklärte sie weiter. Heute will sich Rieder zum Thema Bernburger nicht mehr äussern. 

«Etwas zum Gemeinwohl beitragen»

Für die Burgergemeinde sind solche Kritikpunkte nichts Neues. «Statt überholter Klischees lohnt es sich, einen Blick auf die konkrete Wirkung der Burgergemeinde zu werfen», erklärt Stefanie Gerber, Kommunikationsverantwortliche der Burgergemeinde, gegenüber Blick. «Die Burgergemeinde Bern investiert in die Lebensqualität der gesamten Berner Bevölkerung und entlastet dabei den Staat.» Zudem finanziere sie ihr gesamtes Engagement aus dem eigenen Vermögen – und beschäftige rund 800 Mitarbeitende. 

«Eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist selbstverständlich und notwendig», so Gerber weiter. Entscheidend sei jedoch, was die Burgergemeinde heute leiste. «Sie handelt transparent, breit abgestützt und klar auf das Gemeinwohl ausgerichtet». Zudem trage die Burgergemeinde «substanziell zur Finanzierung zentraler Institutionen und Angebote bei». Beispiele hierfür seien das Berner Generationenhaus und das Naturhistorische Museum. 

«Wer Verantwortung übernimmt und investiert, hat Einfluss», hält die Burgergemeinde fest. Doch um Macht gehe es der Burgergemeinde nicht, sondern um Engagement. Dies wolle die Burgergemeinde in gewissen Bereichen künftig noch stärken, etwa mit dem «Berner Generationenhaus». Man werde sich etwa verstärkt für kulturelle Leuchtturmprojekte, eine nachhaltige Stadtentwicklung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen, erklärt Gerber. 

«Starkes Netzwerk und besondere Verbundenheit»

Auch heute scheint die Burgergemeinde noch eine gewisse Anziehungskraft zu haben. Pro Jahr lassen sich etwa 30 Personen «einburgern». Dafür muss man gewisse Anforderungen erfüllen – und einen Einburgerungsprozess durchlaufen. Die Burgergemeinde sei deshalb attraktiv, «weil sie die Möglichkeit bietet, sich für die Gemeinschaft zu engagieren», so Gerber. 

Burger hätten zwar keine finanziellen Vorteile, könnten aber von einem «starken Netzwerk und einer besonderen Verbundenheit mit der Stadt Bern und ihrer Geschichte» profitieren. Stefanie Gerber plädiert deshalb dafür, nicht nur über die bekannten Kritikpunkte zu diskutieren, sondern auch darüber, welchen Beitrag die Burgergemeinde für die Stadt leistet.

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