Darum gehts
- Die Schweizer Franken-Debatte intensiviert sich vor der Abstimmung am 8. März
- Erste Bundesfranken wurden 1850 geprägt
- Fünfliber heute weniger wert: 1850 höhere Kaufkraft trotz gleichem Nennwert
Christian Weiss (50) ist Münzexperte. Auf dem Pult des Numismatikers stapelt sich die Fachliteratur. Sein Büro liegt gut gesichert im Obergeschoss des Landesmuseums in der Nähe des Zürcher Hauptbahnhofs. Der Raum ist gefüllt mit hohen Regalen, darin verstaut Fachbücher für Geld und Münzen.
Im Hinblick auf die Abstimmung über die Bargeld-Initiative am 8. März rückt die Debatte um die Münzen in den Fokus. Das Initiativkomitee will den Schweizer Franken in die Verfassung schreiben. Doch woher kommt diese Währung, die nun geschützt werden soll?
Der Franken vor dem Bundesstaat
«Den Franken gab es in der Schweiz schon vorher», beginnt Weiss. Vorher, damit ist vor der Gründung des Bundesstaats 1848 gemeint. Der Name «Franken» erzählt schon viel über dessen Herkunft. «Auf den früheren französischen Münzen stand Rex francorum»; lateinisch für König der Franken, aus der Zeit des französischen Königreichs. Daraus wurde umgangssprachlich der Begriff Franc.
Der Franc wurde in der Helvetischen Republik unter Napoleon zur einheitlichen Währung der Schweiz. Bei der Helvetischen Republik handelte es sich um einen von Frankreich erzwungenen Einheitsstaat, mit dem Napoleon von 1798 bis 1803 die Schweiz nach französischem Vorbild zentralistisch organisierte.
Diese neue Währung entstand aus einer Mischung bereits bestehender Geldsysteme. Der im Norden etablierte Rappen war ein Hundertstel Franc wert, der Batzen ein Zehntel. Ab 1803 kehrte die Schweiz zum Föderalismus zurück. Die Kantone hatten in Sachen Geld wieder das Sagen. «Viele haben ihre alten Wertstufen wieder reaktiviert», erklärt Weiss weiter. In Zürich gab es 1814 etwa die 8-Batzen-Münze, die einem halben Gulden entsprach.
Die ersten Schweizer Franken 1850
In einer faustgrossen, dunkelblauen Schatulle präsentiert Weiss die ersten Schweizer Franken, geprägt 1850. In den 176 Jahren seit der ersten Prägung hat sich am Design nicht viel geändert. Immer noch zieren Kranz, Helvetia und Libertas das Kleingeld im Portemonnaie. Einzig das Ein- und Zweirappenstück gibt es nicht mehr, der Fünfliber schrumpfte etwas. Die Münzen in der Schatulle verbergen ihren wahren Wert hinter dem stetig gleichen Design: Damals wurden das 50-Rappen-Stück und der Ein-, Zwei- und Fünffränkler aus Silber hergestellt.
Der Bund stiess deshalb in den 1960er-Jahren auf ein Problem. «Der Silberpreis war inzwischen stark gestiegen», erklärt Weiss. Es bestand die Gefahr, dass der Preis den Wert auf der Münze überstieg und sie bei der erstbesten Gelegenheit eingeschmolzen würden. Von da an wurden die Münzen aus Kupfernickel hergestellt.
Nicht nur das Material, auch der Gegenwert der Münzen hat sich verändert. Der Nennwert des Fünflibers ist auf fünf Franken definiert. Aber: «Fünf Franken im Jahr 1850 hatten natürlich eine höhere Kaufkraft als fünf Franken heute.» Was man dafür bekommt, hat sich über die Jahre verändert.
Die Gründung der Schweizerischen Nationalbank
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) übernahm bei ihrer Gründung 1905/1907 die Führung der Geldpolitik hierzulande. «Sie sorgt für die Stabilität der Währung und gibt die Geldmenge heraus, die es braucht, um gut versorgt zu sein.»
«Der Name Bank ist manchmal irreführend, weil die SNB eine Zentralbank ist, nicht eine Bank im klassischen Sinne», erläutert Weiss. Ihre grundsätzliche Aufgabe ist es, die Stabilität der Währung zu gewährleisten.
Die ersten Bundesbanknoten folgten 1907. Anders als Münzen, die anfangs noch an einen materiellen Wert gebunden waren, funktionieren Noten wie ein Garantieschein. Die Bank garantiert, dass der Gegenwert dieser Note auf der Bank liegt.
Bargeldzahlung heutzutage
Und wo stehen wir 2026? Die Initianten der Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» argumentieren mit verschiedenen Bestrebungen, Bargeld abzuschaffen. Im Dezember sorgte etwa der Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof in Zürich für rote Köpfe, nachdem er bargeldlos stattfinden sollte. Die Betreiber ruderten nach dem darauffolgenden Kritikhagel wieder zurück.
«Währungen haben sich über die Zeit immer wieder verändert», bilanziert Weiss. «Damit wurde jeweils auf die veränderten Bedürfnisse des Handels, der Herrschaften, aber auch der Bevölkerung reagiert.» Wie es in der Geschichte des Schweizer Frankens weitergeht, wird sich – zumindest teilweise – an der Urne entscheiden.