Darum gehts
- Verkehrschaos im Zürcher Seefeld wegen Baustellen, nächste bereits geplant
- Lokales Gewerbe leidet unter Bauarbeiten, Politiker äussern Bedenken
- Hornbach-Revitalisierung kostet 43 Millionen Franken und soll naturnahen Lebensraum bieten
Wer am rechten Ufer des Zürichsees mit dem Auto unterwegs ist, braucht derzeit viel Geduld. Im und um das Zürcher Quartier Seefeld bilden sich zu den Stosszeiten lange Autokolonnen. Grund dafür ist die Notfallsanierung maroder Wasserleitungen auf der Bellerivestrasse. Das Baustellenregime sorgt bei Pendlerinnen und Pendlern für rote Köpfe – und belastet auch das Gewerbe im Seefeld. Dennoch plant die Stadt bereits die nächste Baustelle im Quartier, wie dieser Tage bekannt wurde.
Für Kritiker ist das definitiv zu viel des Guten. «Mit der geplanten Baustelle geht es im selben Stil weiter: Parkplätze werden abgebaut, Bäume wegrasiert, das Gewerbe drangsaliert», sagt Claudio Zihlmann (36), FDP-Fraktionschef im Zürcher Kantonsrat und selbst Seefeld-Bewohner. Bereits zuvor hatte er darauf verwiesen, dass Gewerbler ihm von Einbussen von bis zu 60 Prozent berichtet hätten.
Nächste Baustelle im Seefeld kommt
Worum geht es? Die Baustelle an der Bellerivestrasse soll Ende 2026 abgeschlossen werden. Doch schon nächstes Jahr startet im Seefeld die nächste Grossbaustelle. Der Hornbach, der seit Jahren zum Teil unterirdisch in den Zürichsee fliesst, wird ausgegraben.
Das Bauprojekt sieht eine naturnahe Gestaltung vor. Dafür wird die Hornbachstrasse zwischen Bellerivestrasse und Dufourstrasse komplett aufgerissen. 14 Parkplätze fallen weg, die Spur wird verschmälert. Kostenpunkt: 43 Millionen Franken.
Dafür wird das Seeufer neu gestaltet – Asphalt verschwindet, was im Sommer für Abkühlung sorgen soll. Zudem sind Massnahmen für den Hochwasserschutz vorgesehen, und die Hornbachstrasse wird begrünt.
«Total unerklärlich und frustrierend»
Dennoch könnten diese Aussichten für das Gastro- und Kleingewerbe im Seefeld zunächst eine schlechte Nachricht bedeuten, so die Befürchtung. Nach zahlreichen Baustellen und der Rad-WM im vergangenen Herbst, als das Quartier zeitweise komplett abgesperrt war, steht nun bereits das nächste Grossprojekt bevor.
FDP-Mann Zihlmann kritisiert die Planung der Stadt erneut scharf. Erst 2021 sei direkt an der Hornbachstrasse eine grosse Überbauung fertiggestellt worden.
«Man hätte einmal überlegen und die beiden Projekte zur selben Zeit umsetzen können», sagt er. «Aber nein, man macht das Jahre später, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und ohne Plan.» Es sei für ihn «total unerklärlich und frustrierend».
Gewerbler im Seefeld sind verunsichert: Was bedeutet die nächste Baustelle für ihr Geschäft? Diese Frage stellt sich etwa Luca Messina, Geschäftsführer des Restaurants Enoteca Riviera. Man habe bisher keine spezifischen Informationen von der Stadt erhalten, sagt er zu Blick.
Stadt will Belastung für Quartier gering halten
Die zuständigen Behörden beruhigen und weisen die Kritik zurück. Das Tiefbauamt im Departement von SP-Stadträtin Simone Brander (47) erklärt auf Anfrage, die Revitalisierung des Hornbachs habe sich zum Zeitpunkt des Siedlungsbaus noch in einer frühen Projektphase befunden. Deshalb hätten die beiden Projekte nicht gemeinsam umgesetzt werden können.
Zudem seien die Vorhaben «wegen der Zugänge zu den Baustellen und der erforderlichen Installationsflächen» gar nicht parallel realisierbar gewesen. Durch einen Bau in Etappen werde versucht, die Belastung für das Quartier möglichst gering zu halten.