Darum gehts
- Bei mehreren Berner Staatsbetrieben wurden alte und neue Chefs zeitweise gleichzeitig bezahlt
- In einzelnen Fällen stieg die ausgewiesene Chefvergütung dadurch um mehr als 60 Prozent
- Die Doppelspur dauerte teils Monate – obwohl der bisherige Chef operativ bereits weg war
Einer geht, der andere kommt? So läuft ein Chefwechsel normalerweise. Besonders im öffentlichen Sektor hält man es dabei gerne mit der Redewendung «servir et disparaître» – dienen und verschwinden. Doch in der Praxis heisst das manchmal auch: Dienen und dann noch weiterverdienen!
Brisant ist das dort, wo der Staat mitmischt oder sogar Steuergelder im Spiel sind: bei Betrieben, die ihm gehören und öffentliche Aufgaben übernehmen.
Doppelspurigkeiten an der Spitze können ins Geld gehen. Ist ein Chef operativ schon weg, fliessen manchmal trotzdem noch Hunderttausende Franken. Das zeigt sich exemplarisch in Bern. Der Kanton gilt in Sachen Transparenz als Musterknabe. Die Spitzen-Vergütungen der staatsnahen Betriebe müssen detailliert offengelegt werden.
Blick hat die jüngsten Berner Zahlen ausgewertet – und präsentiert einige Fälle aus dem Sündenregister der teuren Boss-Wechsel:
Der Spital-Fall I
Um mehr als 60 Prozent schoss die ausgewiesene Chefvergütung beim Oberaargauer Spitalbetrieb SRO AG im Geschäftsjahr 2025 nach oben. Dahinter steckt ein CEO-Wechsel mit teurer Nachwirkung. Der Gesundheitsversorger mit Hauptstandort in Langenthal BE deckt den Oberaargau ab und gehört vollständig dem Kanton Bern. Im Frühsommer kam es zum abrupten Wechsel: Der langjährige CEO Andreas Kohli ging wegen «unterschiedlicher Auffassungen in strategischen Fragen». Sein bisheriger Stellvertreter übernahm interimistisch.
Kohlis Entschädigung lief allerdings bis Ende November weiter. Rund ein halbes Jahr lang wurden damit zwei Köpfe parallel entschädigt. Das Spital selbst räumt ein, die Vergütung sei deshalb «stark gegenüber dem Vorjahr gestiegen»: Für den Vorsitz der Geschäftsleitung wies es 2025 insgesamt 618'000 Franken aus – nach 382'000 Franken im Vorjahr.
Der Bahn-Fall
Die Strecke der Montreux Berner Oberland Bahn (MOB) zählt zu den prächtigsten des Landes. 2025 stand ein Wechsel an der Spitze an: Yves Marclay übernahm per 1. Juni den Chefposten von Georges Oberson, der in den Ruhestand ging. Dabei kam es zu einer, so formulieren es die Verantwortlichen selbst, «vorübergehenden Doppelbesetzung» des Vorsitzes der MOB-Geschäftsleitung.
Die genaue Dauer ist nicht ersichtlich. Klar ist: Die ausgewiesene Chefvergütung sprang von 286'000 auf 427'000 Franken, ein Plus von fast 50 Prozent. Wie viel davon auf die parallele Entschädigung zurückgeht, bleibt ebenso unklar. Denn 2025 wies die MOB erstmals die Gesamtvergütung inklusive Boni aus. Das Unternehmen ist mehrheitlich in öffentlicher Hand: Der Bund hält rund 43 Prozent, der Kanton Bern 19 Prozent und der Kanton Waadt 17 Prozent.
Der Spital-Fall II
Bei der Berner Oberländer Spitalgruppe FMI AG verliess CEO Daniela Wiest Ende Mai 2025 den Betrieb. Daraufhin übernahm Verwaltungsratschefin Karin Ritschard Ugi auch die operative Führung vorübergehend.
Doch Wiests Arbeitsverhältnis lief wegen Ferienguthaben zunächst weiter. Im Juni und Juli kam es laut offiziellen Angaben zu einer «temporären Doppelbesetzung der CEO-Funktion». Auch die zwei Monate machten sich bemerkbar: Die Chefvergütung stieg 2025 von 380'000 auf 451'000 Franken – «insbesondere» wegen der parallelen Entschädigung, wie es heisst. Der Spitalbetrieb gehört vollständig dem Kanton.
Der Bus-Fall
Volle zehn Monate! Ungewohnt lange dauerte die Chef-Doppelspur bei der STI Holding AG in Thun, dem Dachunternehmen des regionalen Busbetriebs. Der langjährige Direktor Thomas Wegmann gab die operative Führung Ende Juli 2024 ab, blieb aber noch bis Ende Mai 2025 auf der Lohnliste der staatlich dominierten Firma. Für den Direktorenposten wurden 2024 434'000 Franken ausgewiesen – nach 288'000 Franken im Vorjahr.
Wie Blick bereits im vergangenen Jahr publik machte, wurde dem früheren STI-Direktor sein Langzeitguthaben ausbezahlt. Weitere Angaben machte das Unternehmen mit Verweis auf «personalrechtliche Gründe» nicht.
Die Doppelzahlung zog sich damit auch 2025 noch fünf Monate hin. Wie viel das nochmals kostete, lässt sich anhand des jüngsten Reportings nur schwer beziffern. Die Vergütungen wurden wegen der Holding-Struktur anders ausgewiesen. Die Verantwortlichen halten aber fest: Die öffentlichen Abgeltungen für den Busverkehr seien dadurch nicht belastet worden.
Der Psychiatrie-Fall
2024 wurde bei einem weiteren Berner Staatsbetrieb ein kostspieliger Boss-Wechsel vollzogen. Bei den damals kriselnden Universitären Psychiatrischen Diensten Bern (UPD) überlappten sich die Anstellungen des bisherigen CEO und seines Nachfolgers während vier Monaten.
Josef Müller übernahm Anfang Juli die Führung, sein Vorgänger Oliver Grossen blieb bis Ende Oktober angestellt. Die ausgewiesene Chefvergütung kletterte von 361'000 auf 602'000 Franken – 67 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viel davon allein auf die Doppelspur entfiel, ist in den Reportings wiederum nicht ersichtlich. Die UPD sind inzwischen im neuen Universitären Psychiatrischen Zentrum Bern aufgegangen, Übergangschef Müller ging vor einigen Monaten in Pension.