Darum gehts
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Thomas Berg, der in Wirklichkeit anders heisst, ist 54 Jahre alt und lebt mit seiner ebenfalls 54-jährigen Partnerin in der Region Wil im Kanton St. Gallen. Das Paar ist seit 34 Jahren zusammen, aber nicht verheiratet. Die beiden gemeinsamen Kinder im Alter von 25 und 31 Jahren sind ausgezogen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Nach einer Lehre als Automatiker in einem Industriebetrieb absolvierte Berg ein dreijähriges Vollzeitstudium in Elektrotechnik und ergänzte dieses mit einer betriebswirtschaftlichen Weiterbildung, vergleichbar mit einem heutigen CAS (Certificate of Advanced Studies). Diese seltene Kombination aus technischem Verständnis und kaufmännischem Denken prägt seinen Berufsalltag: Seit 15 Jahren ist er als Preismanager im Maschinenbau dafür verantwortlich, die besten Preise für Produkte der Firma festzulegen.
Finanziell hat das Paar ein klares Modell gefunden. Berg kommt für die gesamten Lebenshaltungskosten auf. Seine Partnerin, die als Quereinsteigerin mit einem Pensum von 65 Prozent als Lehrerin arbeitet, spart zwei Drittel ihres Einkommens für ihre persönliche Altersvorsorge an und nutzt das restliche Drittel für ihre Freizeit.
In der Beobachter-Serie «Die Abrechnung» zeigt er seinen Kontoauszug und erzählt, wie seine Partnerin und er mit ihrem Budget leben. Wie viel Geld steht ihnen zur Verfügung? Wofür geben sie es aus?
Einnahmen
Seit knapp 30 Jahren bin ich Vollzeit erwerbstätig. In meinem Vertrag steht zwar ein Pensum von 100 Prozent, in der Realität arbeite ich aber eher 120 Prozent. Mein monatliches Nettoeinkommen liegt bei 10’250 Franken, der 13. Monatslohn und mein Bonus sind darin bereits eingerechnet.
Zusätzlich amte ich als Präsident eines Vereins im Betreuungsbereich, was einem Pensum von 10 Prozent entspricht und mir monatlich 916 Franken einbringt.
Auch mein Vermögen arbeitet für mich. Meine Wertschriften haben letztes Jahr zirka 13’000 Franken Dividenden und Zinsen abgeworfen, die ich wieder reinvestiert habe. Ich verwalte meine Anlagen selbst und streue das Risiko auf ETF-Fonds, strukturierte Finanzprodukte und Bargeld.
Eine weitere Einnahmequelle ist unsere Solaranlage. Für den überschüssigen Strom, den wir ins öffentliche Netz einspeisen, erhalten wir jährlich 1000 Franken.
Ausgaben
Wohnen: Vor 24 Jahren kauften meine Partnerin und ich ein 5½-Zimmer-Haus mit grossem Garten aus einem Privatkonkurs. Das Haus war in einem derart schlechten Zustand, dass es sonst niemand wollte. Wir haben 450’000 Franken dafür bezahlt und weitere 160’000 Franken in die Renovation gesteckt. Die Eigenmittel von 200’000 Franken mussten wir damals mühsam zusammenkratzen.
Heute zahlen wir für den monatlichen Hypothekarzins 516 Franken pro Monat. Die Nebenkosten für Wasser, Heizung und Strom belaufen sich auf 1600 Franken im Jahr. Um Heizkosten zu sparen, stellen wir die Raumtemperatur auf 18 Grad ein und heizen mit einem Cheminée nach. Das Holz dafür stammt teils vom eigenen Grundstück, teils schenkt es uns die Familie, so dass wir nur etwa drei Ster für 150 Franken zukaufen müssen.
Ich lege jedes Jahr 6000 Franken als Reserve für Unterhalt und Investitionen zur Seite. Das dient als Polster. Wenn etwas anfällt, schauen meine Partnerin und ich gemeinsam, wie wir es finanzieren.
Telefon, Internet und Abos: Wir schauen sehr selten TV und wenn, dann nutzen wir die Replay-Funktion. Wir sehen am liebsten ausgewählte Spielfilme wie «Der Gesang der Flusskrebse» oder Schlagerparaden.
Für TV, Internet, Festnetz und die Handyabos von uns und den Kindern zahlen wir insgesamt 208 Franken jeden Monat.
Versicherungen: Für die Hausrat- und Haftpflichtversicherung bezahle ich jährlich 1300 Franken. Hinzu kommt die Gebäudeversicherung, die jedes Jahr 283 Franken kostet.
Den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung schiebe ich schon seit zwei Jahren vor mir her, obwohl ich das in der heutigen Zeit für sehr wichtig halte.
Gesundheit: Meine Krankenkassenprämie für die Grund- und die Zusatzversicherung beträgt monatlich 375 Franken, da ich mich für die höchste Franchise entschieden habe. Meine Partnerin bezahlt ihre Prämien aus der eigenen Tasche. Selbstbehalte und Franchise für Arztkontrollen und den Zahnarzt kommen mich auf rund 700 Franken im Jahr. Die jährliche Dentalhygiene kostet mich weitere 160 Franken. Da eine neue Brille für mich gut über 1000 Franken kostet und ich sie alle fünf Jahre ersetze, rechne ich beim Optiker mit 200 Franken pro Jahr.
Mobilität: Mein Arbeitsort ist nur 20 Gehminuten von meinem Zuhause entfernt. Deshalb gehe ich meistens zu Fuss zur Arbeit oder nehme das Velo. Für Einkäufe nehmen wir unser Auto. Zudem haben wir ein Wohnmobil.
Für Benzin, Unterhalt, Reparaturen, Steuern und die Autoversicherung gebe ich jährlich 8400 Franken aus. Darin enthalten ist auch eine sehr nützliche Pannenversicherung für Auslandsreisen.
Haushalt: Dieser Posten ist im Detail zwar schwierig aufzuschlüsseln, da ich aber alle laufenden Ausgaben über die Kreditkarte zahle, kann ich den Gesamtbetrag dank der Abrechnung recht gut beziffern: Er beläuft sich auf rund 800 Franken pro Monat.
Den Wocheneinkauf übernehme ich. Mir macht das Freude. Meist teile ich ihn auf drei Läden auf: Früchte, Gemüse und Milchprodukte hole ich bei Lidl, Chips und Bier kaufe ich im Coop, da es dort die besten Aktionen gibt, und den ganzen Rest in der Migros.
Wir essen in der Regel alle Mahlzeiten gemeinsam, auch am Mittag. Zu unserem Lebensstil gehört, dass wir vieles selbst machen und einen Garten haben. Wir kochen täglich frisch, auch am Wochenende. Dank unseres Steamers wärmen wir oft und unkompliziert Essen auf, zum Beispiel Lasagne oder Aufläufe aller Art.
Zum Coiffeur gehe ich sechsmal pro Jahr und zahle jeweils 50 Franken.
Verpflegung ausser Haus: Ungefähr einmal im Monat gehen wir mit Freunden oder als Paar auswärts Essen. Meistens in einem unserer Lieblingsrestaurants im Dorf. Dafür geben wir monatlich rund 150 Franken aus. Im Sommer laden wir lieber Gäste bei uns zum Grillieren ein.
Kleidung und Schuhe: Ich kann mich kaum erinnern, wann ich zuletzt in einem klassischen Kleiderladen war. Hosen und Hemden kaufe ich konsequent im Brockenhaus. Es ist ein fantastisches Gefühl, in einem Secondhand-Hemd eine Präsentation vor der Geschäftsleitung zu halten. Einzig Unterwäsche und bequeme Halbschuhe, die bei mir problemlos fünf Jahre halten, kaufe ich neu. Insgesamt gebe ich für Kleidung und Schuhe so nicht mehr als 200 Franken pro Jahr aus.
Freizeit: In unserer freien Zeit wandern wir, fahren Velo und stecken viel Arbeit in unseren Garten. Für diese Freizeitaktivitäten und alles, was wir für den Garten brauchen, budgetiere ich 2000 Franken im Jahr. Hinzu kommen 100 Franken für Bücher.
Zeitungen, Zeitschriften: Geld anzulegen und die Börse zu verfolgen, ist mein grosses Hobby. Ich lese täglich online auf dem Smartphone Wirtschaftszeitungen und verfolge die aktuellen Kurse – morgens für einen kurzen Überblick, abends dann etwas intensiver.
Die NZZ habe ich fest abonniert, da es dafür selten Rabatte gibt. Ich habe ein deutsches Abo für 29 Euro im Monat. Bei «Tages-Anzeiger» und «The Market» nutze ich dagegen konsequent Sonderaktionen. Den Tagi sichere ich mir so für 100 Franken im Jahr, «The Market» für schlanken 1 Franken für drei Monate.
Insgesamt gebe ich für Zeitungen und Onlinemagazine rund 400 Franken im Jahr aus.
Verbandsbeiträge, Mitgliedschaft: Ich zahle 200 Franken für diverse Mitgliedschaften, etwa beim TCS und als Gönner der Rega.
Ferien und Ausflüge: Wir lieben es, mit unserem Camper neue Orte zu entdecken, sei es auf Reisen durch Europa oder bei spontanen Tagesausflügen, etwa ins Glarnerland oder an den Bodensee. Auf Ausflügen ist es besonders praktisch, dass man im Camper jederzeit einen Mittagsschlaf machen kann. Alle paar Jahre fliegen wir ausserdem in den Süden, beispielsweise nach Mallorca.
Für Campingplätze, Mautgebühren und Unterkünfte schätze ich die Kosten auf 3000 Franken im Jahr.
Geschenke: Für kleine Mitbringsel gebe ich rund 500 Franken pro Jahr aus. Meine Partnerin und ich schenken uns kaum materielle Dinge, sondern eher Aufmerksamkeit: ein Abendessen zum Beispiel oder einen Blumenstrauss.
Altersvorsorge: Vor rund 30 Jahren habe ich zur Altersvorsorge eine Versicherung in der Säule 3a abgeschlossen. Zusätzlich besitze ich eine Police der Säule 3b sowie eine reine Todesfallversicherung zur Absicherung meiner Partnerin. Die jährlichen Prämien für diese drei Versicherungen belaufen sich insgesamt auf 4550 Franken.
Ausserdem nutzen wir seit sechs Jahren einen Teil unseres angesparten Kapitals für freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse. Ich zahle jährlich rund 50’000 Franken ein, meine Partnerin zirka 10’000 Franken. Das senkt unsere Steuerlast und stärkt unser Alterskapital.
Spenden: Für die Glückskette oder kirchliche Kollekten spende ich regelmässig. Insgesamt ungefähr 500 Franken pro Jahr.
Steuern: Meine letzte Steuerrechnung belief sich auf 18’000 Franken. Ich bezahle diesen Betrag jeweils komplett im Februar, da in diesem Monat auch mein Bonus ausbezahlt wird.
Sparen und Vermögen: Da ich sehr sparsam lebe, kann ich regelmässig einen grossen Betrag zur Seite legen. Zählt man Erspartes, Kapitalgewinne, Dividenden und die Pensionskassenbeiträge zusammen, wächst mein Vermögen jedes Jahr um 80’000 bis 90’000 Franken an. Aktuell liege ich bei einem Vermögen von knapp über einer Million Franken.
Mein klares Ziel ist es, noch bis 58 Jahre Vollzeit zu arbeiten und das Pensum danach schrittweise zu reduzieren. Ich ertrage es zunehmend weniger, dass im Berufsleben alles der Gewinnmarge untergeordnet wird, und möchte mich künftig sinnhafteren Dingen widmen, die den Menschen ins Zentrum stellen. Neben dem Berufsleben muss ich mir dann Schritt für Schritt ein Privatleben aufbauen. Mal sehen, wie das wird. Ein halbes Jahr Sabbatical wäre schön – einfach mal hineinspüren und schauen, was daraus entsteht.
Mein grösster Luxus
Unser Wohnmobil habe ich vor drei Jahren als einfache Blechbüchse gekauft und eineinhalb Jahre lang selbst ausgebaut. Für das Fahrzeug mit Material habe ich insgesamt 70’000 Franken ausgegeben. Etwa gleich viel wie bei einem Neukauf.
So fühle ich mich
Dieses Gehalt ist ein absolutes Privileg, mit dem man in der Schweiz sorgenfrei leben kann. Dennoch sind mir Existenzängste nicht fremd, der guten Situation zum Trotz. Der hohe Leistungsdruck und die ständige Anspannung werden es mir gesundheitlich kaum erlauben, diesen Job bis zum Alter von 65 Jahren durchzuziehen. Genau deshalb habe ich diesen sparsamen Weg gewählt: um so eigenständig wie möglich zu leben. Ich weiss, dass man sich in der Schweiz schwertut mit einem schonungslos transparenten Blick ins Portemonnaie. Ich lese die Abrechnungen im Beobachter selbst unglaublich gerne und hoffe, dass ich mit meiner Teilnahme einen spannenden Einblick in eine Welt bieten kann, die sonst meist im Verborgenen bleibt.
Aufgezeichnet von Katrin Reichmuth.
Hier finden Sie die bisherigen Folgen der Rubrik «Die Abrechnung».