Bundesrat will Schraube anziehen
Russische Touristen sollen draussen bleiben

Trotz Krieg und Sanktionen: Hunderttausende Russen verbringen weiter Ferien und Wochenenden in Europa. Tendenz steigend. Nun aber will der Bundesrat die Schraube anziehen.
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Trotz Sanktionen wegen des Ukrainekriegs reisen wieder vermehrt russische Touristen nach Europa. (Symbolbild)
Foto: imago images/Chris Emil Janßen

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Russische Touristen reisen wieder verstärkt in die EU und Schweiz
  • Damit soll Schluss sein: Der Bundesrat will die Schraube weiter anziehen
  • Auch europaweit sollen die Regeln verschärft werden
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Täglich schlagen russische Raketen in der Ukraine ein. Ganze Drohnenschwärme zerstören Wohnhäuser, Kraftwerke oder Strassen. Tausende sterben. Für viele Russen aber ist der Krieg weiter kaum spürbar – trotz Sanktionen. Das hilft dem Kreml, den Krieg fortzusetzen.

So sind die Zahlen russischer Touristen, die für Einkaufswochenenden und schicke Europatrips in die EU einreisen, zuletzt sogar wieder deutlich angestiegen. 2025 wurden mehr als 670'000 Anträge auf Schengen-Visa eingereicht, über 620'000 wurden genehmigt – ein Plus von über 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dies, weil einige EU-Staaten die Restriktionen lockerer auslegen als andere. Im Fokus stehen etwa Frankreich, Italien oder Spanien, die nur ungern auf russische Luxustouristen verzichten.

Bund will Regeln verschärfen

In der Schweiz sähen die Zahlen anders aus, betont der Bundesrat. So seien im Vergleich zu der Zeit vor der Covid-Pandemie 40 Prozent weniger Schengen-Visa an russische Staatsangehörige erteilt worden; bei den Touristen-Visa seien es 60 Prozent weniger.

Das aber ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch hierzulande sind die Zahlen zuletzt wieder leicht gestiegen. So sind gemäss Staatssekretariat für Migration (SEM) im vergangenen Jahr 2701 Visa genehmigt worden. 2022, als der Ukraine-Krieg ausgebrochen ist, waren es 2442. Die Sanktionen scheinen also wenig geändert zu haben.

Nun aber will der Bundesrat die Schraube nochmals anziehen. Das Justizdepartement von SP-Bundesrat Beat Jans (62) werde in den nächsten Monaten prüfen, wie eine noch strengere Vergabe von Touristenvisa möglich ist – angepasst auf die Schengen-Vorgaben, erklärt die Landesregierung auf einen parlamentarischen Vorstoss hin.

Die SP hatte gefordert, dass sich der Bundesrat dafür einsetzt, dass in allen Schengen-Staaten an russische Staatsangehörige keine Visa zu rein touristischen Zwecken mehr vergeben werden dürfen. Das soll gerade für Angehörige der politischen und wirtschaftlichen Elite gelten.

Ausnahmen etwa für Angehörige der Opposition sollen weiterhin möglich sein, präzisieren SP-Nationalrätin Nina Schläfli (36) und ihre Mitstreiter. Darüber hinaus soll auch die Schweiz keine solchen Visa mehr erteilen. Immerhin stellten «die zahlreichen und häufigen Einreisen zunehmend ein Sicherheitsrisiko dar».

EU will wieder ernstgenommen werden

Der Bundesrat unterstütze grundsätzlich eine zurückhaltende Visa-Vergabe an russische Staatsangehörige, versichert er. Er sei aber gegen eine vollständige Aussetzung ohne individuelle Antragsprüfung und ohne Berücksichtigung allfälliger Ausnahmen. Denn das sei mit dem Schengen-Visakodex nicht vereinbar, weshalb der Bundesrat den SP-Vorstoss ablehnt.

Die Regeln dürften aber auch europaweit verschärft werden. Das hatten elf Staaten in einem Protestbrief an die EU-Kommission gefordert: «Es ist zutiefst beunruhigend, eine wachsende Zahl russischer Touristen zu sehen, die Strand- und Badeurlaube in europäischen Ferienorten geniessen», ist darin zu lesen. Will die EU ernst genommen werden, sei das zu unterbinden.

Die EU-Kommission will die Schraube nun tatsächlich anziehen – konkrete Vorschläge sollen allerdings erst im kommenden Jahr vorliegen.

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