Darum gehts
- Russische Touristen erhalten trotz Ukraine-Krieg vermehrt Visa für EU-Reisen.
- 2025 genehmigten EU-Staaten über 620'000 Schengen-Visa für Russen.
- In der Schweiz stiegen Visa für Russen von 2442 (2022) auf 2701 (2025).
Tagtäglich werden in der Ukraine Wohnhäuser, Kraftwerke oder Strassen zerstört. Noch immer sterben Tausende im Krieg, den Moskau jederzeit beenden könnte. Für viele Russen aber ist das weiter kaum spürbar – trotz Sanktionen. Das hilft dem Kreml, den Krieg fortzusetzen.
Schwedens Migrationsminister fand dazu Anfang Juni deutliche Worte: Es sei «völlig verrückt», dass immer mehr Russen für Einkaufswochenenden und schicke Europatouren in die EU einreisen, während Ukrainer sterben, kritisierte Johan Forssell (46) bei einem EU-Treffen.
Druck auf Frankreich, Italien und Spanien
Tatsächlich stieg die Zahl russischer Touristenvisa zuletzt wieder deutlich an. 2025 wurden mehr als 670'000 Anträge auf Schengen-Visa eingereicht, über 620'000 wurden genehmigt – ein Plus von über 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies, weil einige EU-Staaten die Restriktionen lockerer auslegen als andere.
Im Fokus stehen etwa Frankreich, Italien oder Spanien, die nur ungern auf russische Luxustouristen verzichten möchten.
Doch damit soll Schluss sein. In einem Protestbrief an die EU-Kommission forderten elf Staaten, die Schraube anzuziehen. «Es ist zutiefst beunruhigend, eine wachsende Zahl russischer Touristen zu sehen, die Strand- und Badeurlaube in europäischen Ferienorten geniessen», ist darin zu lesen. Will die EU ernst genommen werden, müsse sie das unterbinden.
Sanktionen ändern bisher wenig
Doch auch die Schweiz, die zum passfreien Schengen-Raum gehört, soll die Regeln verschärfen. Der Bundesrat soll sich dafür einsetzen, dass in allen Schengen-Staaten an russische Staatsangehörige keine Visa zu rein touristischen Zwecken mehr vergeben werden dürfen, fordert die SP. Das soll gerade für Angehörige der politischen und wirtschaftlichen Elite gelten.
Ausnahmen etwa für Angehörige der Opposition sollen weiterhin möglich sein, präzisieren SP-Nationalrätin Nina Schläfli (36) und ihre Mitstreiter. Darüber hinaus soll auch die Schweiz keine solchen Visa mehr erteilen. Immerhin stellten «die zahlreichen und häufigen Einreisen zunehmend ein Sicherheitsrisiko dar».
Tatsächlich ist die Zahl der erteilten Touristenvisa an russische Staatsangehörige auch in der Schweiz leicht gestiegen, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) auf Anfrage erklärt. So seien im vergangenen Jahr 2701 Visa genehmigt worden. 2022, als der Ukraine-Krieg ausgebrochen ist, waren es 2442. Die Sanktionen scheinen also wenig geändert zu haben.
Die EU-Kommission will die Regeln zur Visavergabe an russische Staatsbürger nun tatsächlich verschärfen – konkrete Vorschläge sollen allerdings erst im kommenden Jahr vorliegen.
Die Schweiz und das zuständige Justizdepartement von Bundesrat Beat Jans (61) hätten sich zu der Frage bisher nicht positioniert, gibt seine eigene SP zu bedenken. Weil für die Visavergabe die einzelnen Staaten verantwortlich sind, untergrabe die ungleiche Umsetzung die Wirkung der Sanktionen. Das «sendet widersprüchliche Signale aus und schwächt die Solidarität».