Darum gehts
- Neuwagen werden jährlich länger und breiter; in Quartieren wächst der Druck auf Parkplätze
- Biel prüft, ob grosse Autos weiter Anwohnerparkkarten erhalten oder höhere Gebühren zahlen sollen
- Eine Studie warnt: Grössere Parkfelder könnten künftig jeden siebten Strassenparkplatz verdrängen
Der durchschnittliche Neuwagen wird jährlich 1,2 Zentimeter länger und einen halben Zentimeter breiter. Das zeigen Zahlen aus der EU und Grossbritannien, die wohl so auch für die Schweiz gelten dürften. Hierzulande sorgt das für Besorgnis, ist der Platz in den Quartieren ja bereits heute knapp.
Auch in Biel BE will sich die Politik dagegen rüsten: Wie Ajour berichtet, fordert das Gemeindeparlament, dass die Stadtregierung die Spielregeln für die Anwohnerparkkarte überprüft. Dabei steht neben einem erhöhten Parkkartenpreis sogar im Raum, zu grosse Gefährte von der Dauerbewilligung auszuschliessen.
Problem für den öffentlichen Raum
Die immer weiter wachsenden Automodelle könnten in den Städten zu einem echten Problem führen. Wie eine Studie der europäischen Umweltorganisation Transport & Environment zeigt, droht dadurch jeder siebte Strassenparkplatz zu verschwinden. Denn: Werden die Autos grösser, müssen auch die Parkflächen wachsen.
Der Organisation macht dabei jedoch vor allem ein gegenteiliger Effekt Sorgen: Weil die Fahrzeuge immer mehr öffentlichen Raum benötigen, könnten etwa Fussgänger und Velofahrer an den Rand gedrängt oder Naturzonen verkleinert werden.
In Biel will die Exekutive die städtische Parkverordnung bis Anfang kommenden Jahres sowieso überarbeiten. Die zusätzliche Forderung kam nun von der GLP-Parlamentarierin Kathrin Schlup und dem Grünen-Politiker Christophe Schiess. Widerstand im Parlament gab es dabei – wenig überraschend – besonders von der SVP: Sowohl eine mögliche Tariferhöhung als auch eine Grössenbeschränkung waren ihr ein Dorn im Auge. Dennoch schaffte es der Vorstoss durch den Rat.
Andere Städte haben bereits neue Regeln
Ob die Bielerinnen und Bieler für ihre Dauerparkkarte bald mehr hinblättern müssen, lässt die Stadtregierung aber noch offen. Aktuell kostet es jährlich 330 Franken, im eigenen Quartier unlimitiert parken zu dürfen. Damit liegt die Stadt im Schweizer Vergleich im Mittelfeld. Die Bewilligung ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Autobesitzerinnen und Autobesitzer dürfen die Parkkarte nur beantragen, wenn es ihnen nicht möglich ist, einen privaten Parkplatz – etwa in einer Tiefgarage – zu mieten.
Auch die Stadt Zürich will das «Bieler Modell» ab kommendem Jahr übernehmen. Seit diesem Jahr berechnet sie zudem den Preis variabel – je nach Gewicht des Fahrzeugs. Auch in anderen Städten werden die Gebühren mittlerweile an Automerkmale geknüpft. In Basel gelten beispielsweise seit fast zwei Jahren grössenabhängige Tarife. Das wäre auch für Biel eine Alternative zum grundsätzlichen Ausschluss überdimensionierter Autos.