Besorgter Vater oder gewiefter Politfuchs?
Anna Rosenwasser kritisiert Thomas Matter

Ist der SVP-Nationalrat nur ein besorgter Vater oder auch ein gewiefter Politfuchs? Für den Opferschutz setzte er sich im Parlament bislang nicht ein.
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SP-Nationalrätin Anna Rosenwasser kritisiert SVP-Politiker Thomas Matter.
Foto: Kim Niederhauser

Darum gehts

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  • Thomas Matter (SVP) verteidigt seine Aussagen über die Sicherheit seiner vier Töchter in Zürich
  • Er lehnt Präventionsmassnahmen und nationales Femizid-Register trotz steigender Gewaltzahlen ab
  • Anna Rosenwasser wirft Matter ein «Ablenkungsmanöver» vor

Thomas Matter (60, SVP), Multimillionär aus Meilen ZH und Kampagnenleiter der gescheiterten 10-Millionen-Initiative, hat vier Töchter von zwei Frauen. Nach der verlorenen Abstimmung sorgte er sich um seine Töchter: «Sie können nicht mehr allein in die Stadt, weil sie Angst haben.» Bereits 2020 erklärte er in der Abstimmungs-«Arena» zur Begrenzungs-Initiative, er habe Angst um seine vier Töchter.

Benutzt Matter seine Töchter für SVP-Ideologie? Im «Tages-Anzeiger» weist Matter den Vorwurf zurück, «weibliche Angst» politisch zu instrumentalisieren. Er höre von seinen Töchtern «mehr als genug über Anpöbelungen, Anmache und Übergriffe junger Männer, die zu guten Teilen nicht aus Schweizer Familien stammen». Seine Politik richte sich bewusst an den Interessen «der Kinder und der Enkel» aus. Er werde deshalb auch künftig nicht schweigen, wenn es um «verbale und tatsächliche sexuelle Gewalt an jungen Frauen durch migrantische Jugendliche» gehe.

Anna Rosenwasser fordert mehr Prävention und Täterarbeit

«Ich kann Herrn Matters Sorge um seine Töchter nachvollziehen», sagt die Zürcher SP-Nationalrätin und Gleichstellungspolitikerin Anna Rosenwasser (36). «Denn Frauen erleben in der Schweiz viele Formen von Gewalt.» Ihrer Ansicht nach verschiebe Matter jedoch den Fokus. «Damit seine Töchter sicherer sind, braucht es nicht weniger Ausländer, sondern Prävention, Täterarbeit und ein Umdenken in unserer gesamten Gesellschaft.»

Anna Rosenwasser betont: «Die meisten Formen von Gewalt – psychische Gewalt, sexualisierte Gewalt bis hin zu Femiziden – erleben Frauen nicht von Fremden, sondern von ihren Partnern oder Expartnern. Diese Formen von Gewalt passieren in allen Schichten, unabhängig von Bildungsstand, Nationalität oder Bankkonto.»

Matter lehnt mehr Massnahmen für den Opferschutz ab

Matter ist mit seiner Argumentation in der SVP nicht allein. Immer wieder macht die Partei den Schutz von Frauen zum Thema, wenn es um Migration oder Asylpolitik geht. Geht es dagegen um konkrete Massnahmen gegen Gewalt an Frauen, zeigt sich im Parlament häufig ein anderes Bild.

Im vergangenen Dezember etwa, als es in der Budgetdebatte um eine Zusatzmillion für den Schutz von Frauen ging, stimmte Matter – sowie die ganze SVP-Fraktion – dagegen. In der eben abgeschlossenen Sommersession gehörte er zu jener SVP-Minderheit, die sich gegen die Verpflichtung der Kantone stellte, genügend Notunterkünfte für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Angehörigen bereitzustellen.

Matter gegen nationales Register zu Femiziden

Im März lehnte Matter zudem eine Motion für ein nationales Register zu Femiziden und häuslicher Gewalt ab. Im April stimmte er gegen ein parteiübergreifendes Postulat, das untersuchen sollte, wie die Schweiz auf die zunehmende Verbreitung gewaltbegünstigender Männlichkeitsnormen und die Radikalisierung junger Männer reagieren kann, um die Gewalt an Frauen zu vermindern.

Die Kriminalstatistik des Bundes zeigt, dass sowohl die Zahl der Femizide als auch die Fälle häuslicher Gewalt in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Mehr als die Hälfte aller Tötungsdelikte im Jahr 2025 ereignete sich im häuslichen Bereich, innerhalb einer bestehenden oder ehemaligen Partnerschaft oder der Familie. Von den 34 Opfern waren rund drei Viertel Frauen. Anna Rosenwasser betont: «Zu behaupten, Gewalt käme nur von Ausländern, ist ein Ablenkungsmanöver, das der Realität nicht gerecht wird. Und es ist respektlos gegenüber jeder Frau, die Gewalt erfährt.»

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