Darum gehts
- Studie: ÖV-Ausbau 2015 bis 2025 beeinflusst Mieten stärker als Immobilienpreise in der Schweiz
- Mieten stiegen in gut angebundenen Gemeinden überdurchschnittlich
- Für Eigentümer ist die Anbindung zum Strassenverkehr oft wichtiger als der ÖV
Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs (ÖV) beeinflusst die Preise und Mieten am Wohnungsmarkt. Das zeigt eine neue Studie der Immobilienberatung Wüest Partner. Zwischen 2015 und 2025 wurde die ÖV-Anbindung in rund zwei Dritteln der Schweizer Gemeinden ausgebaut oder verdichtet. Diese Entwicklung wirkt sich auf den Immobilienmarkt aus. Analysiert wurde, wie sich Preis- und Mietentwicklungen in Abhängigkeit von der jeweiligen ÖV-Qualität in den Gemeinden verändern – unter Berücksichtigung struktureller Unterschiede wie Lage, Grösse oder wirtschaftlicher Stärke.
Dieser Artikel ist zuerst in der «Handelszeitung» erschienen. Sichere dir alle 14 Tage Wirtschaft im Klartext – schwarz auf weiss und auf den Punkt gebracht. Hier geht es zum Abo.
Dieser Artikel ist zuerst in der «Handelszeitung» erschienen. Sichere dir alle 14 Tage Wirtschaft im Klartext – schwarz auf weiss und auf den Punkt gebracht. Hier geht es zum Abo.
Das Ergebnis: Die Nähe zum öffentlichen Verkehr fällt bei den Mieten stärker ins Gewicht als beim Kauf von Wohneigentum. So verzeichneten Gemeinden mit bereits guter Anbindung im Jahr 2015 über die letzten zehn Jahre ein überdurchschnittliches Wachstum der Mietzinsentwicklung. Und in schwächer erschlossenen Gemeinden schlugen Verbesserungen besonders stark auf die Mieten durch.
Anders sieht es beim Wohneigentum aus: Für Einfamilienhäuser ist in erster Linie die Ausgangsqualität der ÖV-Anbindung relevant. Bei Eigentumswohnungen konnten die Experten dagegen keinen klaren statistischen Zusammenhang nachweisen.
Mieter nutzen häufiger den ÖV
Bei beiden Objektarten führten zusätzliche Verbesserungen der ÖV-Anbindungen zwischen 2015 und 2025 hingegen kaum zu weiteren Preissteigerungen. Denn: «Eigentümern oder künftigen Eigentümern von Einfamilienhäusern ist oftmals der Zugang zum motorisierten Individualverkehr wichtiger», sagt Robert Weinert, Leiter Immobilienresearch bei Wüest Partner. So sei auch die Anzahl der Autos pro Haushalt bei Eignern von Einfamilienhäusern höher als bei den Haushalten in Mietwohnungen. Diese nutzten häufiger den ÖV.
Wenig überraschend ist für viele Haushalte die gute Anbindung an Bus, Tram und Bahn also ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Wohnorts. Und eine bessere ÖV-Anbindung geht nachweislich mit einer höheren Zahlungsbereitschaft einher.
Wer länger pendelt, will weniger Miete zahlen
Eine Umfrage von Wüest Partner unter tausend Schweizer Haushalten zeigt aber auch: Wer durch einen Umzug eine längere Pendelzeit in Kauf nehmen muss, möchte entsprechend weniger Miete zahlen.
Ein Drittel der Befragten würde einen bis zu 30 Minuten längeren Arbeitsweg nur akzeptieren, wenn die Miete um 499 Franken sinken würde. Verlängert sich die Pendelzeit gar um 45 bis 60 Minuten, bewegen sich die gewünschten Reduktionen beim Mietzins bei einem Drittel der Befragten zwischen 500 und über 1000 Franken.